Ein kleiner Blick in die erste Figur

Die Erde ist deine Mutter

sie umfängt Dich.

Der Himmel ist dein Vater, er beschützt dich

Schlafe, Schlafe.

Regenbogen ist die Schwester, sie liebt dich.

Die Winde sind deine Brüder, sie singen für dich.

Schlafe, schlafe.

Wir sind immer zusammen.

Wir sind immer zusammen. Es gab niemals eine Zeit, als dieses nicht so war.

(Indianisches Sterbelied)

Bilder aus dem Atelier

juhee, das ganze Holz ist verleimt. Mit dem Trick, dass jeder Block mit einer Schicht Zeitung verleimt wurde. (Diese priliante Idee hatte mein Schreiner des Vertrauens) Dadurch kann ich das Holz leicht spalten, wenn ich bei den fertigen Köpfen das Innere aushöhlen will.

Nun bin ich gerade mit meinem zweiten Kopf beschäftigt. Ich habe mal die einzelnen Arbeitsschritte festgehalten:

 

 

 

Aufzeichnen des Kopfes:

 

Sägen und klopfen, klopfen klopfen

Asmus Carstens: „Der echte Kunsttrieb“ | Xenia Fink

Leben der Künstlers Asmus Jacob Carstens,

ein Beitrag zur Kunstgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts von Carl Ludwig Fernow

Leipzig, 1806 bei Johann Friedrich Hartknoch

VORREDE (v-xi)

Das wahre Leben eines Künstlers besteht in der Ausbildung seiner Anlagen und in der Ausübung seines Talents. Die äußeren Umstände, die es begleiten, sind nur in sofern bedeutend und merkwürdig, als sie auf die Entwickelung seines Vermögens hindernd oder fördernd einwirkten, als sie seinem Genius  diese oder jene Richtung gaben, durch welche der eigenthümliche Karakter seiner Werke, als vereintes Erzeugnis der Naturanlage und Bildung, großentheils mit bestimmt wird. Da nun in der Kunstgeschichte nur das wissenswürdig ist, was irgend einen merklichen Einfluss auf die Zustände der Kunst gehabt, was für ihre theoretische und praktische, ihre technische und ästhetische Entwickelung und Fortbildung fruchtbar gewesen ist, was sie richtig geleitet oder irre geführt hat: so kann ach nur solcher Künstler Leben der Geschichte angehören, welche durch eine ausgezeichnete Eigenthümlichkeit der Anlagen, oder durch eine hohe Stufe der Ausbildung irgend eines Teils der Kunst, oder durch eine besondere Richtung des Geschmacks, ihre Selbständigkeit an den Tag gelegt, und so auf irgend eine Weise, sei es durch Hervorbringung vorzüglicher Werke, oder durch Einführung einer besonderen Methode, oder durch ihr ernstliches Hinstreben auf einen höheren oder untergeordneten Kunstzweck, ihr Dasein für die Kunst entweder förderlich oder nützlich, oder durch eine zweckwidrige Richtung des Geschmacks nachtheilig und verderblich, erwiesen haben.

Der Kunstgeschichte ist so wenig mit bloßen Namen von Künstlern, die nichts Ausgezeichnetes geleistet haben, als der Kunst mit mittelmäßigen Werken gedient. Beide sind da und schwinden, ohne ihre Wirkung im Gebiete derselben zu hinterlassen. Was in der Chronik eines Landstädtchens wichtig sein mag, ist unbedeutend in der Geschichte des Landes. So können viele Professoren und Direktoren in den Annalen einer Kunstakademie glänzen, ohne dass darum ihre Namen in den Annalen der Kunst genannt zu werden verdienen; und im Gegenteil hält die Geschichte es zuweilen für Pflicht, den einzelnen von seinen Zeitgenossen verkanten Künstler der Nachwelt mit Achtung zu nennen, und ganze Kunstakademien zu mit Stillschweigen zu übergehen, wenn sie findet, dass diese, mit allem Prunk und Pomp ihrer kostspieligen Treibhausanstalten, doch die Kunst um nichts gefördert haben; jener hingegen in seiner Dunkelheit durch redliches Streben seinem Künstlerberuf in wenigen aber schätzbaren Arbeiten auf eine würdige Weise beurkundet hat. Ja es ist um so gerechter, dass die Geschichte das Andenken solcher, in ungünstigen Zeitaltern und unter niederdrückenden Schicksalen mühsam und mutig emporstrebender Künstler ehre, da das oft der einzige Lohn ist, der ihnen zu Theile wird; und da ihr Beispiel ähnlich gesinnten Jünglingen, denen es mit der Kunst heiliger Ernst ist, die aber unter gleichem Drucke widriger Verhältnisse ringen, Trost und Mut einflößt, dem Schicksale festes Ausharren entgegen zu setzen.

Der echte Kunsttrieb offenbart sich besonders auffallend, wo ungünstige Umstände sich einer Entwickelung widersetzen, und er glänzt da um so heller empor, wo alles sich vereint, ihn auszulöschen. So sehen wir zuweilen im kunstlosen unfreundlichen Norden, fern von Allem, was fähig wäre den schlummernden Trieb zu wecken und zu nähren, ein großes Talent hervorgehen, und von allen Hilfsmitteln entblößt sich aus sich selbst entwickeln. Einmal zum Bewusstsein erwacht, strebt es aus innerer Notwendigkeit seiner einzigen Bestimmung nach; Widerwärtigkeiten können es aufhalten, Hindernisse können sein Streben lange, ja für immer vereiteln; die geistige Kraft kann im Kopfe mit der fisischen (sic!) Übermacht des Schicksals erliegen, aber den ungeborenen Trieb kann diese nur mit dem Leben vertilgen. Mehr als Ein von der Natur hochbegünstigter, aber vom Schicksale befeindeter Kunstgeist ist so ein Märtirer (sic!) seines Triebes geworden. Oft aber ermüdet auch ein ausharrendes festes Streben die Tücken des Geschicks, und vielversucht im langen hartnäckigen Kampfe dringt endlich der siegreiche Genius, wenn gleich später, nur um so reifer und geläuterter zum Ziele; ein erhebendes Schauspiel für den Beobachter, und für den Künstler eine Quelle des höchsten und edelsten Selbstgenusses!

Den Anblick eines solchen Kampfes mit allen Widerwärtigkeiten eines feindselige, aber durch beharrliche Ausdauer endlich bezwungenen, Schicksalen gewährt das vorliegende Leben eines Künstlers, den die Natur mit ihrer schönsten Gabe, mit einer schöpferischen Bildkraft reichlich ausgestattet,  und mit einem muthigen Geiste beseelt hatte, den aber, am glücklich erreichten Ziele, ei früher Tod der Kunst entriss, als er sich endlich tüchtig fühlte, reife, einer längeren Dauer würdige Früchte seines Strebens auf ihren Altar niederzulegen.

Die Malereisammlung im Harzmuseum I Christine Bergmann

Das Harzmuseum hat eine recht heterogene Kunstsammlung. 400 Gemälde und etwa 1200 Grafiken und Zeichnungen aus unterschiedlichen Zeiten.

Die Orangerie

Man könnte die Sammlung grob in 3 bis 4 Gruppen oder „Peridoden“ einteilen. Es gibt einige sehr schöne Stücke aus dem 19. Jahrhundert.

Richard Thierbach * 1860 – 1931

Ein weiterer Sammlungsschwerpunkt besteht aus Malern, welche grob getaktet zwischen 1880 und 1900 geboren wurden. Interessanterweise teilt sich die Sammlung jedoch in zwei Zeitperioden die Gemälde betreffend.

Ein Teil der Gemälde stammt aus den 1920er und 1930er Jahren, u.a. Karl Klapper, Otto Illies und Christian Hallbauer, also die „Zwischenkriegszeit“.

Karl Klapper * 1879 Berlin –  †  1956 Goslar

Otto Illies hat es mir besonders angetan. Man sieht ganz deutlich die klassische Moderne. Manche Gemälde erinnern an sogenannte Spätimpressionisten wie Giovanni Segantini oder Pierre Bonnard.

Otto Illies * 1881 in Yokohama –  †  1959 in Wernigerode

Mit dem Geburtsjahr 1900 ist Christian Hallbauer verhältnismäßig jung. Er emigrierte nach Norwegen und verstarb leider früh.

Christian Hallbauer * 1900  –  †  1954

Ziemlich interessant ist die Geschichte von Wilhelm Pramme. Von 1926 bis 1928 machte er eine Weltreise, welche ihn über Ägypten, Indonesien und Indien bis nach Afghanistan führte. Damals war es Ausländern verboten Afghanistan zu bereisen. Sein Wagnis führte ihn jedoch bis zum König, der ihm die Erlaubnis zur Weiterreise erteilte. Eines seiner Bilder hängt heute im Nationalmuseum in Afganistan, ein Dankesgeschenk an den damaligen König.

Wilhelm Pramme * 1898 Halberstadt – † 1965 Wernigerode; Gemälde und Objekte von der Weltreise
Wilhelm Pramme, Gemälde aus der Nachkriegszeit

Ein Dritter Sammlungsteil umfasst dann die sogenannte „Wernigeröder Künstlerkolonie“. Rein zeitlich betrachtet, handelt es sich etwa um die gleiche Generation, aber die Gemälde stammen aus der direkten Nachkriegszeit. Neben Künstlern aus Wernigerode und Umgebung zählten hierzu viele Künstler, welchen nach den schweren Zerstörungen nahezu aller Großstädte im 2. Weltkrieg Wohnungen in Wernigerode zugewiesen bekamen und welche sich in Folge dessen vorübergehend (ca. 1945 – 1950) oder bleibend in Wernigerode ansiedelten.

Paul Betyna * 1886  –  †  1967

Malerisch wirklich interessant fand ich sofort die 3 Gemälde von Bert Heller. Der Name sagte mir zunächst nichts, dafür aber das ganze nachfolgende Werk. Bert Heller hat den sogenannten „sozialistischen Realismus“ deutlich ikonografisch geprägt. Irgendwie kennt man alle seine Bilder.

Bert Heller * 1912 Aachen – † 1970 in Berlin

Ein paar witzige bis kuriose Geschichten gibt es auch.

„Blumen-Krüger“ zum Beispiel. Wie es der Namen verrät, malte er bevorzugt bzw. besonders erfolgreich Blumen und lebte wohl recht gut davon. Obwohl er es nicht schaffte, Mitglied im VBK DDR zu werden, verkaufte die DDR Lizenzen für Kunstdrucke seiner Werke gegen Divisen an Westdeutsche Verlage.

Wilhelm Pramme hinterließ zwei Bilder als Künstlerspaß…

Wilhelm Pramme: „Er könnte, wenn er wöllte“ auch abstrakt

Darüberhinaus gibt es weit mehr Künstler, die hier nicht alle dargestellt werden können. Gar nicht so schlecht fand ich auch Hans-Joachim Bober.  Er ging bereits in den frühen 1960er Jahren in den Westen und arbeitete dort als Kunsterzieher.

Hans-Joachim Bober  * 1908 – † 2011 (über 100 !)

Die hier vorgestellte Auswahl an Bildern ist selbstverständlich unvollständig und entlang meiner persönlichen Interessen sondiert. Im Großen und Ganzen findet man im Harzmuseum Landschaftsmalerei und weit weniger Figürliches.

Auf den ersten Blick ist man geneigt die Sammlung für „Heimatkunst“ zu halten. Wenn man sich jedoch in die Biografien hineinbegibt, stellt man fest, dass viele der Maler mit durchaus bedeutenden Schulen und Lehrern verknüpft sind. Nicht wenige studierten in Weimar in der Großherzoglichen Schule vor dem Bauhaus (Stichwort „Deutscher Impressionismus“). Blumen-Krüger war befreundet mit Bruno Paul (siehe Neue Sachlichkeit, Bauhaus- und Burg-Geschichte). Es gibt persönliche Beziehungen zu Ludwig von Hofmann, Matisse, Denis, van de Velde, Corinth ….

Ich finde, das Konvolut stellt Fragen: Was bedeutet der Künstler oder das einzelne Werk jenseits großer Kunstmuseen, welche Künstler schon durch ihren Namen adeln? Was bedeutet eine solche Sammlung für ein Heimatmuseum heute? Und welche Ausblicke und Anregungen gibt es für die Zukunft?