FLM Diesdorf – Zeitreisen mit Türklinken

Liebe Diesdorfer,

ich habe mich schon so sehr auf Euch gefreut. Aber Ihr habt Euch dermaßen profinell versteckt, dass ich Euch einfach nicht gefunden habe! Den ganzen Sonntag habe ich gesucht … aber Versteckexperten lassen sich eben nicht lumpen. Auf der Suche nach Euch, zugegebenermaßen in Phase 2 (gute Tarnung soll man nicht unterschätzen), entdeckte ich etwas.

Es folgen keine Impressionen von Zeitreisen mit der Mühle, dem Ofenrohr, dem Kinderwagen und dem Schaukelpferd, nein auch nicht mit dem Waschtrog und dem Lampenschirm, ganz zu schweigen vom Besen, der Schubkarre und dem lila Einhorn. Um es kurz zu machen, habe ich versucht eine Zeitreise mit den Türklinken machen. Die Zeitreise an sich lies sich leider nicht so treffend festhalten. Aber seht selbst:

Jetzt werde ich noch ein bißchen suchen trainieren und kann das 3. Adventswochenende im FLM Diesdorf mit Weihnachtsmarkt und Versteckprofis kaum noch erwarten. Wie hieß das gleich nochmal: Neuer Versuch, neues Glück? Wir sehen uns!

Aus Herman Grimms Bibliothek im Museum Haldensleben | Xenia Fink

Das Leben Raphael von Urbino

von Herman Grimm

Erster Theil

Ferd. Dümmler’s Verlagsbuchhandlung, Harrwitz und Gossmann, 1872

Einleitung, S. XLI und XLII

Goethe zufolge zerfällt Deutschland in zwei Theile, von denen er den nördlichen den bildlosen nennt,  „wo es zur Verehrung des Guten und Schönen zwar nicht an Wahrheit, aber oft an Geist gebricht.“ Er hätte hinzufügen können: „an Anschauung“.

Die Theilung war eine Folge der Reformation, welche die Hülfe der Kunstfür Darstellung der höchsten Dinge ausschloss. Während im 17. und 18. Jahrhundert die Städte Süddeutschlands noch vom bunten Schimmerprivaten und öffentlichen Kunstschmuckes glänzten, sah man in den neueren Städten und Residenzen Norddeutschlands: Berlin, Leipzig, Halle, Weimar u. s. w., von wo die literarische Bewegung ausging, wenig dergleichen. Sammlungen und Schlösser hoher Herren und in den Häusern reicher Kaufleute konnten keinen Ersatz für die allgemeine Kahlheit bieten; es mangelte die rechte Lebensluft, in der  Kunstwerke producirt und begriffen werden. Die Vorliebe der Sammler wandte sich zudem den holländischen Meistern zu, deren Lebensanschauungen denen des norddeutschen Publikums mehr entsprachen; die Werke früherer Jahrhunderte, welche sich in Kirchen und sonst an öffentlichen Orten erhalten hatten, begegneten keinem Verständnis mehr.

Christine Bergmann | Es weihnachtet sehr

Am 3. Dezember ist der Weihnachtswahnsinn ausgebrochen. Als ich mich an diesem Sonntag auf den Weg nach Wernigerode machte, fielen in Halle die ersten dicken Flocken. Die Zugreise führte mich durch eine winterlich verschneite Landschaft. Mit dem ganzen Fachwerk und dem schönen Rathaus bietet Wernigerode die perfekte Kulisse für ein richtig heimeliges Weihnachtsgefühl.

Rund um das Rathaus ist natürlich Weihnachtsmarkt mit allem was dazu gehört: Tannenbaum, Glühwein, Würstchen, Grünkohl, Baumkuchen und Holzschnitzerei – erstaunlich wenig Trödel, eigentlich gar keiner, oder  ich habe ihn einfach übersehen….

Im Harzmuseum wurde die Weihnachtsausstellung eröffnet. Das Museum war voll und es gab Plätzchen, Kaffee und Kakao. Bürger konnten bereits seit Wochen Weihnachtsgeschenke einliefern, die sie selbst einmal bekommen oder verschenkt hatten.

Gut 100 Objekte sind zusammengekommen. Das Älteste fiel in das Jahrzehnt vor 1900. Tolle Sachen, interessante, zum Teil bewegende Geschichten sind mit den Geschenken verbunden. Manches hat man wiedererkannt – in meinem Fall die Klassiker aus den späten 70 Jahren. An jeder Vitrine hätte ich Lust gehabt, die Sachen herauszuzotteln und mich zum selbstgenügsamen Spiel in ein ruhiges Eckchen zurückzuziehen.

Trotzdem vermisste ich  einen Klassiker meiner Kindheit: Die elektrische Eisenbahn.

Also, Weihnachten kann kommen.

 

 

 

 

Das vermutlich älteste Geschenk: eine Papierkrippe aus den 1890er Jahren

Christine Bergmann | Künstlerisch forschen – was ist das ?

Für den Anfang habe ich mir vorgenommen, die verschiedenen Bereiche des Museums bzw. die angegliederten Bereiche ganz systematisch unter die Lupe zu nehmen. Dazu gehören das Stadtarchiv mit dem Schaudepot, die Harzbibliothek, die allgemeine Bibliothek, dieser und jener Depotraum. Darüber hinaus möchte ich mich mit „Land und Leuten“ vertraut machen.

In der Zwischenzeit erhielt ich von jedem zum Museum gehörenden Bereich eine Einführung. Bücher, Urkunden, Keramikschwerben, Stahlhelme und Bügeleisen, ausgestopfte Tiere, diverse Alltaggegenstände habe ich mir angesehen, mich durch einen fotografischen Nachlass gewühlt, 3000 Harzpostkarten bestaunt. An den Zigarettenbildsammlungen „Die Geschichte der Arbeiterbewegung“ und „Die Pioniere“ bin ich etwas länger hängengeblieben – was man alles so findet. Irgendjemand hat sich tatsächlich die Mühe gemacht, diese mehreren hundert Schwarz-Weiß-Bilder im Kleinstformat  zu sammeln. Meiner Besichtigung des Schaudepots widme ich einen extra Eintrag.

Einer von mehreren Räumen im Schaudepot

Zudem habe ich interessante Personen kennengelernt, wie Herrn Schulze, den Kulturmagnaten der Stadt. Herr Schulze betreibt eine Buchhandlung, den einen oder anderen Kulturverein mehr, 2 Ausstellungsräume mit beträchtlicher Größe und einem interessanten Programm, das Schiefe Haus… ist im Stadtrat aktiv und dann hat er noch ein paar kulturelle Zukunftspläne und Hobbies. Wann macht er das alles?

Im Stadtarchiv

Da die Fahrerei zuviel produktive Zeit vergeudet, habe ich mich entschieden möglichst 2 Tage hintereinander zu bleiben. Was ist in der Stadt eigentlich los, wenn die Läden schließen? Mitte Oktober war es noch angenehm warm. Tags über war die Stadt (wie eigentlich immer) touristsich sehr belebt, gegen 20 Uhr wurden die Bürgersteige hochgeklappt. Aus Unkenntnis hatte ich mich am Stadtrand einquartiert und verbrachte in Folge dessen einen sehr ruhigen Abend. Aber der erste Einruck kann bekanntlich täuschen. 14 Tage später, schon ganz eingerichtet auf einen sehr ruhigen Abend, hatte ich mich ganz in Museumsnähe in einer netten, kleinen Pension eingemietet. Nach dem Schwimmbadbesuch – sehr cool, mit gedämpften Licht und Mucke – fand ich mit kleiner Hilfestellung der ortsansässigen Jugend die einschlägige Raucherkneipe am Platze. In der urigen Stampe trifft sich alles vom Tätowierer bis zum gut-bürgerlichen Raucher. Schnell mal jemandem den Stammplatz weggenommen und schon kommt man ins Gespräch. Man gewinnt den Eindruck, jeder in Wernigerode ist mit irgendwas Unternehmer. Nur bei der traditionellen Getränkefolge Hasseröder – Schierker Feuerstein –  Hasseröder – Schierker u.s.f. habe ich gekniffen.

Rathausplatz gegen 19 Uhr Mitte Oktober

Stahlhelme und Bügeleisen

Nachlass Pürschel/Lüders

Fotos aus dem Nachlass Pürschel

Rebekka Rauschhardt | Zungenragout im FLM Diesdorf …

… ist nicht nur eine beliebte altmärkische Speise, welche zu jeglichen festlichen Anlässen in Frage und auf die Teller kommt. Zungenragout ist unter Umständen eine typische Mimik beim Versteckspielen, fantasievoll betrachtet. Am 1. Advent untersuchten wir im FLM Diesdorf charakteristische Gesichtsausdrücke, die beim Versteckspielen immer wieder auftauchen. Da gibt es natürlich die Freude bis hin zum Glück, wenn man z.B. lange nicht gefunden wurde oder fast gefunden wurde und dann doch nicht gefunden wurde. In dem Falle rutschen die Mundwinkel bis fast zu den Ohren, die Augenbrauen wanden hoch zum Haaransatz, die Augen sind groß, können aber auch schmal werden. Dann entdeckten wir die Wut, den Ärger und das Beleidigtsein – verschiedene Abstufungen der Mimik, wenn man z.B. zu schnell gefunden wurde oder gar nicht. Die Wundwinkel gehen runter, oder der Mund wird ganz hart, eventuell muß man auch rumbrüllen. Die Augenbrauen gehen an den äußeren Ende hoch und innen zur Nasenwurzel und die Augen werden zu gefährlichen Schlitzen. Aufregung, Neugierde und Überraschung durften natürlich nicht fehlen, da kann man sich schon mal auf die Zunge beißen (Zungenragout). Der Höhepunkt war allerdings die Schadenfreude. All diese Emotionen haben wir in Salzteig festgehalten, der jetzt 2 Wochen lang trocknet und danach als Weihnachtsbaumschmuck dienen kann:

Hier hat sich wohl jemand schlecht versteckt?
mittig: die ältere Ballerina freut sich
Ist es Freude oder Erleichterung?
Hier gibt es Zungenragout, die Überraschung, Vorfreude und Zoff.
Ganz eindeutig: Schadenfreude!
Und nochmal die Vorfreude oder ist es Neugierde?
Es war mir ein Vergnügen! Liebe Familie Lüders und Ines!
Es fiehl ja auch noch Salzteig, ähm Schnee vom Himmel.
Schneemänner, die wirklich beliebteste Kunst im öffentlichen Raum!

Bis zum 2. Advent! Da widmen wir uns der großen Zeitreise der Geräte! Verreisen werden wir mit Stiften, Mühlrädern, Wasserpumpen, Besen, Matratzen  und Heugabeln, der ein oder anderen Wäscheschleuder, Ofenrohren und Hochzeitstellern. Vielleicht sogar mit der Bockwindmühle.

Die der Müller mithilfe eines Ochsen komplett in die Richtung drehen konnte, aus der der Wind kommt.

FLM Diesdorf – Rebekka Rauschhardt

Tja, was gibts neues?

Schon wieder gab´s soviele neue Geschichten zu erleben – welche davon erzähle ich zuerst? Da gibt es eine Kurzgeschichtensammlung über Busfahrer, eine Doku über diese Katze:

dadaistische Lyrik über diesen scheuen Mond:

(Wobei Mond und Katze eine gewisse Ähnlichkeit an den Tag legen.)

einen Romanentwurf über Wetten und die Story mit der Freiwilligen Feuerwehr Diesdorf. Dazu später. Auf alle Fälle fühle ich mich inzwischen bereit, einen „Beipackzettel“ zu „Bitte die Nerven bewahren“ im öffentlichen Nahverkehr zu verfassen. Obwohl dies nur ein Nebenschauplatz ist. Es wird mit jeder Reise in die Altmark verrückter. Stichwort Hauptbahnhof Halle – 06:30 das blanke Chaos … das ich das noch erleben darf und dann trifft man auch noch alte Bekannte und in Köthen geht dann ganz dramatisch die Sonne auf. Hingegen in der Altmark die Wolken auf den Feldern liegen und ihre Feuchtigkeit schlicht rausfallen lassen. In Salzwedel habe ich mir den 1. Regenschirm meines Lebens gekauft!! Umsonst, denn die Sonne reiste mir nach.

Viele alte Fachwerkhäuser in der Umgebung und auch speziell Im FLM Diesdorf sind „geschmückt“ mit Feuersegen. Aus gutem Grund. Ist doch die Esse im Hause relativ jung in der Menschheitsgeschichte oder wurde vorübergehend jahrhundertelang vergessen. Und bei all dem Holz und dem Schilf auf dem Dach, da reicht ein winziger Funken. Wobei, eine Esse schützt nicht unbedingt.

Meine erste Tat nach Ankunft in Diesdorf sollte ein legeres Treffen mit der FFW Disdorf sein, ein Überraschungsbesuch meinerseits. Ich bin überzeugt von dem Gedanken, dass die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Diesdorf Teil des Kunstprojektes werden. Werden müssen – jedoch nicht als Ersthelfer, nein, als Mitspieler möchte ich sie gewinnen.

Ich steige aus der Linie 800, Haltestelle Sandstraße, visa vi der Feuerwehr und der Alarm geht los! Die Jungs geben wirklich alles! Fahren mit Höchstgeschwindigkeit in ihren Privatautos über nasse Wiesen, dass es Schlammfontänen schüttet, schließen nicht mal die Autotüren, rennen in das Hauptgebäude, schmeißen sich währenddessen in Montur und das alles in Rekordzeit! 1A – vorbildlich!

Später erfahre ich, wo es „gebrannt“ hat. Natürlich im FLM Diesdorf – zum Glück ein Fehlalarm.

Eigentlich wollte ich nur mal schnell an die 1000 Einladungen für kommende Treffen und Workshops zum Kunstprojekt persönlich an die Diesdorfer verteilen. Das hat so gut geklappt, dass ich direkt noch Zeit hatte, mich im Wald zu versteck… äh … laufen.

Hach, ich freu mich schon auf nächsten Sonntag. Dann spielen wir endlich verstecken, untersuchen die typischen Versteckhaltungen und die charakteristische Mimik beim Spiel und werden unsere Erkenntnisse anschließend in Salzteig (Hommage an Salzwedel :)) verewigen.

Neuerdings gibt´s ein geflügeltes Wort in Diesdorf: „wenn wir uns nicht gleich sehen, ne, da haben wir uns versteckt …“

Meyer/Scharfbier | Stipendiaten angetreten

Nun war es endlich soweit, der erste Abend im Humboldt-Schloss mit Kunst, Gästen, Schmalz-Brot und Wein. Es sind einige gekommen, so hatten wir es uns erhofft. Der Bürgermeister Danny Kavalier eröffnete mit einem freundlichen Willkommen. Manon Bursian, die zusammen mit ihrer Tochter und der Kuratorin Ines Engelmann aus Halle angereist war, erklärte den Besuchern das Projekt Heimatstipendium und wir beiden Künstler nahmen die Gelegenheit war, den Gästen unser Anliegen und die Künstlerischen Vorhaben zu erläutern.

Eröffnung durch Bürgermeister Danny Kavalier

Es ergaben sich interessante Gespräche und der Abend, obwohl er nicht lang war, füllte uns vollkommen aus. Wir haben nun Kontakte zur Inneren Struktur der Stadt, wissen, an wen wir uns wenden können und wen es noch zu kontaktieren gilt, wenn wir unsere beherzten Vorhaben realisieren wollen.

Übernachtet haben wir dann bei der Familie Hornickel, die eine Pension betreiben , wo wir später auf ein Gläschen Weißwein zusammen saßen. Am nächsten Tag besuchten wir noch die Gangolf-Kirche. Diese steht auf dem Hettstedter Kupferberg und wurde vom Förderverein Gangolfkirche Hettstedt e.V.  restauriert.

Kanzel mit Lutherbildnis

Da Frau Hornickel sich im Vorstand des Vereins engagiert, haben wir nun Zugang zu Orgel und Lutherbildnis, wann immer wir es brauchen ; )

 

Oliver Scharfbier | Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss Hettstedt

 

Erster Kontakt

Gestern erlebten wir einen tollen Pressetermin im Humboldt-Schloss Hettstedt. Der Bürgermeister und das Fernsehen waren da, wow! Marie Luise Meyer und ich sind also angekommen im Mansfeld-Museum. Wir waren allerdings im Oktober bereits hier und so frei, im Schloss herumzustöbern. Tolle Dinge gibt es unter den alten Dachbalken zu entdecken, einiges davon wird irgendwann in eine Ausstellung über Region und Stadt einfließen.

 

Erst einmal nicht unsere Aufgabe. Wir erkunden die Ausgangslage, konzentrieren uns darauf, einen ersten öffentlichen Kontakt mit Ausstellung und Buffet zu fixieren und dazu diente auch der gestrige Termin. Der Bürgermeister Danny Kavalier war da, die Stadtsprecherin Christin Saalbach hatte tolle Zuarbeit geleistet. Presse war vertreten, die Mitteldeutsche Zeitung hat einen sehr schönen Artikel verfasst: https://www.mz-web.de/hettstedt/mansfeld-museum–stadt-setzt-auf-neuanfang-nach-querelen-um-vergangene-kunstschau-28852960

Die ersten Eindrücke vom Ort sind einfach grandios. Zwei Räume wurden uns auf weiteres überlassen, so können wir dann auch hier arbeiten. Das sind doch tolle Aussichten.

Generell muss ich anmerken, das bislang alle involvierten Personen super engagiert und entgegenkommend sind. Unsere Projekte werden mit Neugier angenommen und wir hoffen, am Abend des 23.11.17 schon mal viele interessierte Gesprächspartner zu finden.

Freilichtmuseum Diesdorf / Rebekka Rauschhardt

„Wer in allen Gassen haust, haust übel.“

Von dem Versuch nicht mehr fremd zu sein.

Meine Reise in die Altmark beginnt wie immer: spektakulär.  Kurz vor Salzwedel erlebte ich diese wunderbare UFO-Begegnung (das Foto zeigt leider keine Details). Das machte mich hellsichtig, besonders zu dem Begriff: Heimat. Ist es ein Gefühl? Eine Erinnerung? Eine Sehnsucht? Ist es ein Ort? Sind es die Menschen? Die Gemeinschaft? Oder einfach Wurzeln? Oder ist es ein Geruch? Ein Geschmack?  Baumkuchen ist jedenfalls leider nicht so meins.

Von meinen letzten Streifzügen durch die Altmark, fühle ich mich schon ein bißchen angeheimatet. Deshalb freut es mich, dass mehrere Einwohner aus Salzwedel mich mit einer geheimnisvollen Doppelgängerin verwechseln. Diese Verwechslungen sind leider zu früh aufgeflogen, sonst hätte ich jetzt schon einen Namen. Aber das wird schon noch …

In Salzwedel bin ich (siehe Foto: Ohne Moos , nix los) hier untergebracht. An dieser Stelle: Herzlichen Dank an Frau Franz für das Übernachtungsangebot im Stipendiatenhaus Salzwedel!!

Fremd ist man übrigens, wenn:

  • man den Hintereingang nicht kennt
  • der Taxifahrer mißtrauisch wird
  • man den Rufbus zu spät ruft (VIER! MINUTEN)
  • man die Kaufhalle nicht findet
  • man für ein Mitglied der Zeugen Jehovas gehalten wird
  • wenn man versucht, eine Ziege im Wald vorm bösen Wolf zu retten, die gar nicht in Gefahr ist

Und das war so:

Ich nutze jede Gelegenheit, die sich bietet, die nähere Umgebung von Diesdorf zu erkunden, sprich Wald und Wiesen. Die Tage sind immer vollgepackt mit interessantenTerminen und Treffen (z.B. das Herbstfest im FLM Diesdorf mit allen ehrenamtlichen Mitarbeitern, das Kaffeetrinken mit der Gemeinderätin, das Pressegespräch) – dazwischen locken kurze Ausflüge.

Also lief ich vermutlich Richtung Norden aus dem Dorf hinaus, am Horizont ein Wald. Nach einiger Zeit hörte ich verzweifelte Laute direkt aus diesem. Mir war natürlich sofort klar: ein Tier (Ziege, Schaf) ist in Not. Zu sehen gab es nichts, dafür zu hören, weit und breit kein Mensch, nur ich, was solls – Rettung ist unterwegs. Ich dachte noch, bevor ich in einen Teich springe, um das ertrinkende Tier raus zu zerren, muß ich unbedingt die Kamera am Ufer zurück lassen, eventuell auch das Handy (wegen 110). Inzwischen rannte ich über eine sehr sehr nasse Wiese, beruhigende Satzfetzen rufend. Zu sehen war immer noch nichts, bis auf den E-Zaun. OK, also kein Teich; das Tier hängt mutmaßlich im E-Zaun fest (sowas kann schon mal passieren) – also ganz beherzt zugreifen und ruckartig das Tier aus dem Stromkreis befreien. Aber nein, im Zaun hing kein Tier. Eventuell doch ein Angriff von Wölfen? Was macht man da gleich: im Falle die Wölfe sind über alle Berge, telefonisch Hilfe holen. Im Falle, die Wölfe sind noch da: Feuer machen (ich könnte meine Unterlagen verbrennen und meinen Schal), telefonisch Hilfe holen, schreien, knurren und mit Ästen um mich schmeißen und das alles gleichzeitig. Gut, das wird schon klappen …

Und dann das:

Das Tier, eine Ziege auf einer Lichtung, war putzmunter!

Sowas kommt vor, wenn sich Touristen im Wald herum treiben. Oder man seine Heimat verlässt. Wie dieses Huhn:

Oder dieser Pilz in der Bockwindmühle (ein Pionier)im FLM Diesdorf:

Oder dieser Pfosten der Bockwindmühle (losgelöst):

Oder diese Schneegänse, moment, die haben mehrere Heimaten:

Wo sind wir hier überhaupt, etwa hier?

Und jetzt alles wieder auf Start!

Danke an alle für die schöne Zeit und die vielen neuen Bekantschaften, die Gespräche und Geschichten!