Residenz mit Muskelkater – allein im FLM Diesdorf

Die erste Woche (zumindest nachts allein im Museum) ist geschafft.

Mein Haus:

Bei Regen, Sturm und Gewitter darf ich im Kossatendoppelhaus Schutz suchen und meinen ganzen Klimbim verstauen. Direkt dahinter liegt meine Arbeitsstätte und rechts davon die Bockwindmühle.

Mein Nachbar:

Der Hase. Nicht im Bild das Rotschwänzchen, welches im Haus nistet. Der Wolf wurde hier auch schon gesichtet. Neben dem Kuckuck, würde ich so sehr gern den Wolf mal mit eigenen Augen sehen.

Einer aus meiner Heimat:

Der Mann ist ein Hühne (für die Proportion) und sein Navi versagte auf den Weg nach Diesdorf!!! Versteckspiel auf allen Ebenen – wir lotsten ihn per Telefon über die Straßen.

Meine Aufgabe:

Ich hab, glob`sch ni alle Tassen im Schrank!

Meine Kommunikation zur Außenwelt:

An diesem Zaun (circa 2 m weg der Steine) trifft sich jeden Tag neuerdings ab 16 Uhr die Umgebung. Busch (Zaun)-Funk mit Interviews und Fotoshooting. Themen: Glaube, Kommunismus, Elitepartner, Kreislaufschwäche und Kurschatten. Das glaubt mir keiner.

Muskelkater, Sonnenbrand, Blasen und gutgelaunt:

Vier Tage.

Ja, und nachts ist dieser verrückte Kuckuck unterwegs, die Fledermäuse sind auf Jagd, die Frösche und Kröten geben Konzerte, es ist nachtschwarz mit gigantischem Sternenhimmel, Gespenster habe ich leider noch nicht getroffen.

Versteckexperten auf Zeitreise FLM Diesdorf

In den Pfingstferien gingen die Hortkinder der Grundschule „Dr. Georg Schulze“ aus Diesdorf auf eine Zeitreise im Museum. Besonders wurden hierbei die Gerätschaften unter die Lupe genommen. Wir starteten unsere Reise mit nichts geringerem als der Bockwindmühle. Dank Frau Heidemann, durften wir auch einen Blick ins Innere dieses sehr raumgreifenden Gerätes werfen. Im Dunkeln (Fensterlosigkeit) tappten wir über halsbrecherische Treppen und bestaunten die Zahnradtechnik der vorindustriellen Revolution.

Den Zaubermantel (magisches Tuch, welches Unsichtbarkeit verleiht) hatten wir auch wieder im Gepäck.

Nach der eindrucksvollen Führung durch die Mühle kam die Erkenntnis: was eine Kuh in einer Stunde schafft (durch Körperkraft), kannst du einem Ochsen 100 Jahre lang versuchen, beizubringen. Dumme Kuh versus blöder Ochse. Theorie versus Praxis. Die Forscher schritten nun selbst zur Tat und mahlten Gerste zu Spreu, diese zur Kleie und ganz Kräftige zu Mehl.

 Es erforderte ganz schön Kraft und Ausdauer den oberen Mahlstein in Bewegung zu setzen. Aus dem Löchlein (dem Kleiekotzer) kam dann mühsam die Spreu, die wieder und wieder gemahlen wurde. Es erfordert mehrere Durchläufe bis man sich etwas Mehl erarbeitet hat.

Auf diese Art, wurde gemahlen, wer keine Handmühle hatte. Finn war nach dieser Anstrengung der Meinung, für ein Brot reichen 2 bis 3 Gramm Mehl. Das macht durstig. Strohhalme gab es auch schon vor 200 Jahren:

Am nächsten Tag erkundeten wir die Wohn- und Werkhäuser des Museums, wir bestaunten die verschiedenen „Küchen“, die riesigen Wasserkessel, die winzigen Betten, die Strohmatrazen, das luxuriöse und transportable Holzklo, die Kinderspielzeuge (Stohbarbie, Schaukelpferd und Puppenhaus), verwechselten den Brotteigtrog mit der Badewanne, kehrten mit dem Reißigbesen den Hof, rußten uns die Finger schwarz, begutachteten die Gänsekiele in der Museumsschule, posierten für Frau Pelczarski von der Volksstimme im Backhaus, suchten den Brunnen und entdeckten 3 Millionen Kaulquappen. Resultat: die Forscher sind froh jetzt zu leben und eine Zeitreise macht schon Spaß.

Am letzten Tag: glückliche Gesichter und eine extra Portion Versteckspiel auf Zeitreise. Wir suchten nach dem Verborgenen im Stein. Specksteine wurden geraspelt, gefeilt, geschliffen und poliert – zum Schluß mit Wasser beträufelt und Voilá: wir fanden die schmeichlerische Weichheit, die Maserung und die Farbigkeit dieses „Gesteins“.

aus: Die Menschen des Michelangelo im Vergleich mit der Antike, von W. Henke, Professor der Anatomie | Xenia Fink

Vortrag gehalten in Rostock 1871 von W. Henke, Professor der Anatomie, Rostock, Ernst Kuhn’s Verlag, 1871

„Nur in der Umformung liesse sich die Frage doch wohl schliesslich aufwerfen: was ist in der Entwickelung des Künstlers das Erste, die Idee, die uns aus seinen Werken entgegentritt und ihm ohne Zweifel erst recht lebendig gewesen sein muss, oder die Kenntniss und Fertigkeit aller der Mittel, die er brauchte um sie richtig und wirksam zur Erscheinung bringen? Es ist fast dieselbe Frage, die Lessing in der Form aufgeworfen hat, ob Raphael nicht das grösste malerische Genie gewesen wäre, wenn er unglücklicher Weise ohne Hände wäre geboren worden, d. h. ob die Gedanken in seiner Seele oder die Arbeit seiner Hände ihn eigentlich zum grossen Maler gemacht, den Geist seiner Werke geboren haben. Aber auch so ist die Frage gewiss nicht einfach nach der einen oder andern Seite zu entscheiden.“

IMT im FLM Diesdorf

Wenn einem Steine vom Herzen fallen …

… bei größeren Kindern :). Dieser Bursche war so angetan vom Steinehauen, dass er flugs nochmal nach Hause fuhr und sich eine ganze Kiste voll eigene Sandsteine mitbrachte. Zwei Stunden später, das 1. Werk ist vollbracht (das Foto spricht für sich)! Aus Mangel an Papier und Stift, wurde ganz archaisch die Adresse für Sandsteinwerkzeug in (Speck)Stein „gemeißelt“. Denn beim Erstlingswerk wird es nicht bleiben.

Am Sonntag morgen wurde ich gegen 5 Uhr morgens von einem verrückt gewordenen Kuckuck geweckt. Daraufhin habe ich gleich noch mit den Fröschen gefrühstückt nach meiner ersten Nacht allein im Museum. Deshalb war ich gegen 8 Uhr auch schon startklar:

Pünktlich zwei Stunden früher (dem Kuckuck sei Dank) – gegen 10 Uhr flüchteten die Gäste und ich mit dem gesamten Ensemble vor der Sonne. Im Laufe des Tages machten wir das im 20 Minuten Takt. Danke an die vielen fleißigen Hände! Bis zum Ende des Tages knapp 150 Stück!

Die ja auch begeistert Kontakt zu Speckstein aufnahmen. Besonders die Mütter schritten neugierig zur Tat (wahrscheinlich wegen Muttertag).

Und so entstand unter steinernen Herzen, Amuletten, Schmeichlern, einer Kathedrale, einnem Marienkäfer auch diese Eule und der keltische Kelch (Sandstein):

Dann brachte Iris vom Museumscafé ein Stück Erdberrtorte – absolute Spitzenklasse!

Die Kinder staunten nicht schlecht über ihre Fingerfertigkeiten (Frosch, Schiff und Scholle, eine Kartoffel und Federn – alles in Stein und noch vieles mehr) und so schön weich – Speckstein besteht zu großen Teilen aus Talk, ist sehr leicht bearbeitbar und poliert eine Augenweide.

Schappschuß mit vollem Körpereinsatz:

Im Vordergrund: Herr Klaas! Unser Heimatologe und Versteckrätselersteller. Es gibt wieder 10 neue Rätsel!

Zum Thema Rätsel und Geschichten, die Überraschung war ganz meinerseits. Hatte ich doch (alter Esel) ganz viele Geschichten mitgebracht. Die vielen Gäste jedoch auch! Meine Lieblingsgeschichte: wie canadische Meeressteine nach Deutschland „geschmuggelt“ wurden.

Kuck kuck kuck kuck iaaaaah …

 

Internationaler Museumstag im Mansfeld-Museum | Meyer & Scharfbier

Der Internationale Museumstag in Hettstedt war , wie wohl überall, ein sonniger 13. Mai. Bereits um 10 Uhr standen einige Besucher vor der Tür des Mansfeld-Museums, die Künstler des Heimatstipendiums waren mit Kind und Kegel, Freunden und Grillzeug angereist und blieben für den Workshop von Marie-Luise, auch die Freiwillige Feuerwehr war vertreten und es wurden einige neue Martins-Figuren geschaffen. 

 

 

 

 

Ich hatte derweil genügend Ruhe um einen Abguss vom Geländer der Treppe zu machen und parallel meinen Sohn zu bespaßen, der den Tag nutzte um das Stehen aus der Hocke erstmals erfolgreich zu proben! Die Mama fertigte mittlerweile eine Martins-Medusa für Marie. Museumstag ist halt Family-Tag. Nachmittags gab es tolle Bratwürstchen und Bulgarsalat, Kuchen, Wein und Kaffee. Insgesamt ein schöner Tag im Museum, der aber um Längen besser organisiert hätte werden können. Trotz allem zählten wir rund 40 Besucher über den Tag, und auch der Landrat a.D. Hans Peter Sommer kam noch einmal wieder, um mir ein paar Bilder des Grundstücks zu zeigen, so wie es ehedem aussah. Aber das ist eine andere Geschichte.