FANTASIEWESEN GESUCHT! Kreativ-Wettbewerb für Kinder in Dessau von Julia Rückert | Einsendeschluss: 29. Januar 2021

Die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt ist mit dem Programm HEIMATSTIPENDIUM in den Jahren 2020 und 2021 auch am Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau vertreten. In diesem Museum sind bekannte und seltene Tierarten als Präparate sowie ausgestorbene Eiszeitbewohner im Modell zu sehen. Die Keramik-Künstlerin Julia Rückert ist fasziniert vom Aussehen und den Fähigkeiten dieser Wesen. Der Clou: Sie erschafft eigene fantasievolle Geschöpfe, bei denen sich die Arten vermischen. Diese sogenannten „Chimären“ sind aus der griechischen Mythologie bekannt, wo die „Chimära“ ein feuerspuckendes Ungetüm, als Mischung aus Ziege, Löwe und Drache dargestellt wird.

Dass sich im Lauf der Zeit neue Tierarten oder gar Mischwesen entwickeln könnten, findet Julia Rückert gar nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Der Grund: Die Lebensbedingungen auf der Erde ändern sich nicht nur durch den Klimawandel ständig. Und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Erdbewohner sich künftig anders ernähren oder fortbewegen müssen, um überleben zu können.

Aus diesem Grund ruft die Künstlerin gemeinsam mit dem Museum und der Stadt alle in Dessau lebenden Kinder bis 14 Jahre zum Mitmachen auf:

Kreiert Euer eigenes Fantasiewesen! Wie sieht es aus, Euer selbst ausgedachtes Mischwesen? Wo lebt es? Wie heißt es? Was kann es besonders gut? Hat es gar Superkräfte? Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Malen, zeichnen, collagieren – alles ist erlaubt! 

Eine Jury bestehend aus  Dr. Timm Karisch (wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau), dem Leiter des Dessauer Tierparks Jan Bauer, der Künstlerin Julia Rückert und der Direktorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Manon Bursian, sichtet die Einreichungen und kürt die drei außergewöhnlichsten, lustigsten, schaurigsten und fantasievollsten Geschöpfe. Diese Bilder werden später ausgestellt. Außerdem wird Julia Rückert sie gewissermaßen zum Leben erwecken, denn die Sieger-Entwürfe werden dreidimensional modelliert und schließlich im Rahmen einer großen Ausstellung im Herbst 2021 im Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau präsentiert. Die drei Sieger-Entwürfe erhalten außerdem kostenfreien Eintritt samt Führung im Museum sowie eine Kinder-Jahreskarte für den Tierpark Dessau.

Die Bilder müssen im Format DIN A4 angefertigt und mit dem Namen des Kindes sowie eines Telefon- und/oder E-Mail-Kontaktes der Eltern versehen sein.

Die Bilder können auf folgenden Wegen eingereicht werden:
– per Post ans Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau (Askanische Straße 32, 06842 Dessau-Roßlau)
– durch persönliche Abgabe im Rathaus der Stadt Dessau-Roßlau (Zerbster Straße 4, 06844 Dessau-Roßlau) durch Einwurf in den Briefkasten des Rathauses oder Abgabe am Empfangstresen im Rathausfoyer; das Bild sollte in einem Umschlag versehen mit der Aufschrift „Pressestelle Herr Schüler“ abgegeben werden
– eingescannt per E-Mail an die Künstlerin Julia Rückert: mail@juliarueckert.de

Mit der Einreichung versichern die Teilnehmenden alleinige Eigentümer und Inhaber aller Nutzungs- und Verwertungsrechte an dem eingesandten Material zu sein. Mit der Zusendung wird der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, dem Museum und der Stadt Dessau das Recht eingeräumt, das eingesandte Material auszustellen und für Veröffentlichungen zu nutzen.
Die Künstlerin Julia Rückert, die Kunststiftung Sachsen-Anhalt, das Museum für Naturkunde und Vorgeschichte in Dessau sowie die Stadt Dessau werden sorgsam mit allen Einreichungen umgehen, übernehmen aber keine Haftung für zugesandtes Material. Nach der Ausstellung im Herbst 2021 können alle Originale wieder im Museum abgeholt werden; für eine Benachrichtigung ist der E-Mail und/oder Telefonkontakt der Eltern notwendig. Eine Rücksendung per Post ist leider nicht möglich.

Einsendeschluss ist der 29. Januar 2021

Wer ist Julia Rückert? – Hier gibt es noch ein paar Infos zur HEIMAT-Stipendiatin:
Vita: geboren 1980 in München, hat sie nach einer Ausbildung zur Rettungssanitäterin zunächst Medizin studiert. Nach dem Praktikum bei einer Goldschmiedin in Göttingen studierte sie Kunst an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. 2015 gründete sie das Label MONJU Keramik. Im gleichen Jahr waren ihre Werke unter anderem anlässlich der Ausstellung nominierter Wettbewerbsbeiträge beim Internationalen Lucas-Cranach-Preis in Wittenberg und Kronach zu sehen. Seit 2018 ist sie als Mitglied im Vorstand des Berufsverbandes Bildender Künstler Sachsen-Anhalt e. V. tätig. Sie lebt als freischaffende Künstlerin in Halle.

 

 

viele vermisste Katzen und Hunde ( Julia Himmelmann)

Bei meinem gestrigen Streifzug durch die Börde bei schönstem Wetter habe ich endlich noch ungesehene Orte besucht und meinen Aufruf an die Nachfahren der Sachsengänger unter die Leute gebracht. Nun hängen in Bäckereien, Fleischereien, Supermärkten, Kirchengemeinden, Apotheken, Rathäusern, Buchläden rund um Wanzleben, Klein Wanzleben und Oschersleben Plakate und Flyer. Frisch und weiß und unvergriffen lassen sie hoffen, dass sich Geschichten auftun und sich etwas finden lässt.
Was ich erstmal gefunden habe ist Gesellschaft unter den Suchenden und Dinge im Angebot.

Heute Morgen dann sitze ich im Linientaxi von Seehausen nach Ummendorf während draußen langsam der Nebel verzieht. Da passiert es. Ein Mann erzählt mir, dass sein Urgroßvater Anfang des 20. Jahrhunderts aus den Masuren als Saisonarbeiter in den Ruhrpott zog um dort “ in der Kohle“ zu arbeiten. Seine Urgroßmutter hatte unter dessen  als sogenanntes Schnittermädchen in der Landwirtschaft in der Börde gearbeitet, wo sich die Familie dann niederließ. Dann reißt die Geschichte plötzlich ab. Wir biegen ab zur Haltestelle Hinter der Burg in Ummendorf. Ich muss aussteigen. Ich gebe ihm schnell noch meine Telefonummer..

 

 

Nachfahren der SachsengängerInnen gesucht! (Julia Himmelmann)

 

Mein besonderes Interesse gilt derzeit den sogenannten Sachsengängern, die im 19. Und 20. Jahrhundert als Saisonarbeiter in die Börderegion kamen um hier in der Landwirtschaft zu arbeiten. Zu den Hauptstoßzeiten der Sachsengängerei waren es größtenteils Frauen, die ihre Heimat und ihre Familien im Eichsfeld und im heutigen Polen verließen um in der Börde zu arbeiten. Die meisten gingen nach der Saison wieder zurück, einige blieben jedoch.

Gerne möchte ich mehr über die Familiengeschichten der hiergebliebenen SachsengängerInnnen erfahren und ihre Bedeutung für die Börde ins heute verfolgen. Darum bin ich auf der Suche nach Nachfahren von SachsengängerInnen, die noch heute in der Börde-Region leben und ihre Familiengeschichte mitteilen wollen. Gerne möchte ich die Erzählungen dokumentieren um sie dann in meine künstlerische Auseinandersetzung mit der Kulturgeschichte der Börde-Region einfließen lassen. Die Ergebnisse der Recherchen sind natürlich auch für die Sammlung des Museums interessant und können auch in die neue Dauerausstellung des Börde-Museum einfließen.

Ist Ihre Familiengeschichte mit den Sachsengängern verknüpft? Sind Sie ein Nachfahre oder besitzen Sie Dokumente oder Gegenstände aus dieser Zeit?
Dann würde ich mich freuen, wenn Sie bis 15. Januar 2021 Kontakt mit mir über das Börde-Museum Burg Ummendorf aufnehmen:
Telefon: 039409 522 oder E-Mail: boerde-museum@landkreis-boerde.de

Julia Himmelmann beim Auftakttreffen des Heimatstipendiums im Börde-Museum Burg Ummendorf

MDR in der Gedenkstätte Bernburg – Mareen Alburg Duncker

Anlässlich des Jahrestages der Reichsprogromnacht am 9. November 1938 erhielt ich eine Anfrage vom MDR einen kurzen Beitrag zu meiner Arbeit als Heimatstipendiatin in Kooperation mit der Gedenkstätte für die Opfer der „NS-Euthanasie“ in Bernburg zu senden.
So füllte sich mein Atelier am 6.11. mit einem dreiköfpigen Presseteam samt Equipment. Nach dem Dreh hier fuhren wir in die Gedenkstätte und trafen uns dort mit Frau Dr. Hoffmann, um weitere Aufnahmen zu machen.
Der entstandene Beitrag ist noch bis 16.11.20 in der MDR-Mediathek zu finden.

 

Immer wieder dienstags, … (Lucie Göpfert)

…dieser Termin ist inzwischen fest in meine Woche eingetaktet.
Dienstag früh steige ich in den Bus und fahre nach Zörbig. Es fühlt sich an wie der Übergang in eine andere Welt. Ich fahre vorbei an Windrädern und Feldern, durch minikleine Dörfer, sehe Rehe und Fasane. Mein Kopf stellt sich auf das HEIMATSTIPENDIUM ein.

Nach knapp 50 Minuten Busgeruckel ist die Ankunft in „Zörbig / Markt“.
Was für ein Gück, Dienstag ist Markttag. Dort gibt es ein Bäckerwägelchen mit leckerem Kuchen.

Danach: zeichnerisches Warmup. Ich suche mir ein Plätzchen zum Zeichnen und Ankommen. Ich zeichne im Ort oder im Museum. Häuser, Straßen, Ausstellungsobjekte oder eines der Sammlungsstücke im Archiv. Das ist eine total schöne Routine.

Dann geht der Alltag los. Der Museumsleiter Stefan kommt. Wir erzählen, planen den Tag. Ich entscheide mich für Lesestoff, meist gehen wir etwas besichtigen, es gibt angekündigte Besuche … der Zeitplan steht. Dann wandere ich zum Bücherschrank und beginne zu lesen. Ich lese mich ein in Victor Blüthgens Sprache, in seine Thematiken, in sein Leben. Ich sehe Fotos, weiß, wo sein Elternhaus in Zörbig stand und sitze oft im Blüthgen Zimmer des Museums.

Während des intensiven Lesens über nun schon mehrere Wochen merke ich, dass Blüthgens Texte von sehr unterschiedlicher Qualität sind. Manche sprechen mich an, einige wenige begeistern mich sehr und einige Texte langweilen mich oder lassen mich verwundert zurück, inhaltsleer oder mit einem plötzlichen, viel zu einfachen Ende.

Langsam entsteht eine erste Sammlung von relevanten Texten. Wie schön. Der Plan vom Buch geht in die Umsetzung.

Abends, am Schreibtisch in meinem Arbeitsraum, bringe ich Eindrücke des Tages zeichnerisch auf einer frischen Seite meines „HEIMATdiary“ zusammen und ich resümiere für mich dabei was ich erlebt habe. Wie schön, diese Dienstage zu haben – und das Eintauchen in mein Parallel-Leben in Zörbig.

Auszug HEIMATdiary von Lucie Göpfert

Glühstrümpfe, Hosenträgerstraßen, Rübenmieten und Mutter Erde (Julia Himmelmann)

Zückerrübenfeld bei der Ernte

Verwitterungen, Verwehungen, Strömungen, Überlagerungen, Umwälzungen…
Der fruchtbare Schwarzerde Boden der Magdeburger Börde entstand durch Verwehung des fruchtbaren Löss in den zurückliegenden Eiszeiten. Die vielschichtige Sammlung des Börde-Museums fand teilweise wie durch „Kulturelle-Erosion“ ihren Weg in das Museum. Sie zeugt vor allem von dem Wandel der regionalen Kulturgeschichte. Ich erschließe mir Schicht um Schicht von diesen kulturellen Ablagerungen, löse sie von ihren Überlagerungen und füge sie wieder zusammen. Dabei liegt mein Fokus auf der Fruchtbarkeit des Börde Bodens und der damit zusammenhängenden Entwicklung der Börde. Unter welchen Bedingungen haben die Menschen im 19. Und 20. Jahrhundert in der Börde gelebt? Wie waren die Lebensbedingungen im Besonderen für Mädchen und Frauen? Welche Entwicklung en gab es in Bezug auf Keramik in der Börde?

Die Ausstellungsräume der Burg Ummendorf sind bereits für Baumaßnahmen leergeräumt und beantworten meine Fragen mit einem knarzenden Schweigen. Antworten und Abwege finde ich in den Magazinen und Außenlagern, in denen sich derzeit die üppige Sammlung des Museums stapelt. Hier wühle ich mich durch Regale und Kisten und staune über unspektakuläre und ansehnliche Stücke. Lektüre finde ich über Karteikarten schließlich in Büchern, die in Kartons im Außenlager lagern. Ich sammle Input über Künstler und Persönlichkeiten der Börde, über die Bodenbearbeitung und die Landwirtschaftliche Entwicklung, über die Sachsengänger, die als Saisonarbeiter zwischen 1850 und 1915 in der Zuckerrübenproduktion arbeiteten und über die Keramik der Region. Ich suche nach den Erlebnissen der Menschen der Börde und höre ihren Erinnerungen an die Zeiten des 2. Weltkrieges, der DDR und der Wiedervereinigung zu.

Und wieder Umwälzungen die etwas neues entstehen lassen…

Ausflug nach Neinstedt – Mareen Alburg Duncker

Neben sehr viel Lesestoff zum Thema NS-Euthanasie und zahlreichen Telefonaten mit zuständigen Mitarbeitern verschiedener Stiftungen konzentriere ich mich mehr und mehr auf meine eigentliche Arbeit. Die Literatur ist umfangreich und manchmal schwer auszuhalten. Dann  vertiefe mich in die künstlerische Umsetzung.
Ich beginne mit ersten Entwürfen zu zwei Frauen, von denen ich teilweise sehr persönliche Dokumente gelese habe. Das Arbeiten mit meinen Händen schafft den Ausgleich zum schweren Thema.
Ruth Rosa Mühlmann erkrankte mit 2 Jahren an Scharlach und hatte seitdem Einschränkungen in ihren geistigen Fähigkeiten. Mit 11 Jahren wurde sie in die Neinstedter Anstalten aufgenommen, wo sie bis zu ihrem Transport im Januar 1941 nach Bernburg lebte.

Neinstedter Anstalten, heute und um 1930

Sie wurde von ihrer Familie sehr geliebt und oft besucht. Es existieren einige Briefe des Vaters, in denen er sich nach Ruth´s Befinden erkundigt. Für Ruth soll ein Anhänger in Form eines Herzens aus filigranem Draht entstehen. Mit der Filigrantechnik mache ich mich gerade vertraut.


mein Werktisch, Herstellung von filigranem Draht aus Silber

Presse in Bernburg – Mareen Alburg Duncker

Gemeinsam mit unserer Redakteurin Ines Godazgar fuhr ich am 26. Oktober nach Bernburg.  Frau Dr. Hoffmann und Frau Gebauer hatten weitere Biografien von Opfern herausgesucht. Diese sind meist von den Angehörigen zusammengetragen worden. Auch Fotos konnte ich sichten, von Opfern und Tätern gleichermaßen.
Generell gibt es in dem Archiv der Gedenkstätte nur wenige Originalfotos und auch keine Krankenakten, denn die meisten sind entweder bei den Angehörigen oder aber im Bundesarchiv in Berlin gelagert. Im Bernburger Archiv lagern die gefälschten Akten, in denen die TäterInnen falsche Todesdaten und- ursachen eintrugen.


Ich blättere im Ordner mit Fotodokumenten, Frau Gebauer erklärt mir, wen ich sehe.

Zu dem Arbeitstreffen war auch die Bernburger Presse eingeladen. Über den ausführlichen Beitrag von der MZ-Redakteurin freuten sich alle Beteiligten.


vor der Fotowand im Untergeschoss der Gedenkstätte