Alles ist interessant | Christine Bergmann

  „Alles ist interessant“

… zitierte Olaf Ahrens den Schriftsteller Gustave Flaubert am Ende unseres ersten Tages. Eigentlich ist das Zitat etwas länger. Sofern man der Übersetzung glauben darf, lautet es : “Alles ist interessant, wenn man es lange genug anschaut”. Es kommt wohl weniger auf die Dauer sondern auf die Qualität des Blickes an. Qualität wiederum heißt nicht unbedingt „Vorbildung“ sondern womöglich einfach Aufgeschlossenheit.

In diesem Blog soll dem aufgeschlossenen Leser die Möglichkeit gegeben werden, gleichermaßen etwas über das Museum zu erfahren, was sich dem kurzweiligen Besucher nicht offensichtlich erschließt, und natürlich soll ein Einblick gegeben werden in die Arbeitsweise des Künstlers, also meine, im Laufe des 1-jährigen Stipendiums.

Unser erster gemeinsamer Tag, der 4. Oktober 2017, begann – nach leichten Widrigkeiten der Anfahrt und des Wetters – mit einem Pressegespräch. Björn Hermann, gemeinsam mit Ines Engelmann Kurator des Heimatstipendiums, begleitete mich. In einem lockeren Pressegespräch anwesend waren Frau Schröder von der Volksstimme, Herr Ahrens, der Museumsleiter, Frau Lisowski, die Amtsleiterin und frühere Museumsleiterin, sowie Frau Bothe von der Pressestelle der Stadt Wernigerode, was direkt zu einem ersten, informativen Artikel führte:

https://www.volksstimme.de/lokal/wernigerode/kunst-stipendiatin-mit-blick-fuer-neues

Mein erster Eindruck vom Museum ist sehr positiv: Ein schön saniertes Fachwerkhaus in unmittelbarer Nähe zum historischen Rathaus, eine Präsentation der verschiedenen Gebiete von Geologie, Naturkunde, Bergbau bis zur Regional- und Stadtgeschichte, die nach über 15 Jahren vom ästhetischen Niveau her immer noch außerordentlich zeitgemäß wirkt. Schnell wird auch klar, dass Wernigerode ein sehr lebendiger Ort ist mit einem umfangreichen, gut vernetzten Programm der Kultureinrichtungen und -Akteure. In der „Provinz“ scheint mehr los zu sein, als in unseren Großstädten und das Angebot auf fruchtbaren Boden zu fallen. Das macht es für mich als Künstler natürlich erst einmal schwieriger. Man braucht definitiv niemanden, der mit „Nachhilfe“ oder „Aktivierungsideen“ daher kommt.

Bei meiner Stipendiumsbewerbung habe ich mir zunächst vieles, wenn nicht alles, offen gehalten. Der offensichtliche Bezug zum Harzmuseum könnte in dessen umfangreicher Sammlung von Harzmalerei und meiner eigenen malerischen Arbeit bestehen. Zunächst wollte ich mich aber diesbezüglich nicht festlegen. Als ersten Schritt möchte ich das Museum erforschen.

Wir, Herr Ahrens und ich, haben den ersten Tag also damit verbracht, mir einen Einblick zu verschaffen „vom Keller bis zum Dachboden“. Neben einer Führung durch die Dauer- und Sonderausstellung, haben wir (fast) überall wenigstens einen Fuß hineingesetzt. Zum Verwaltungsbereich des Museums gehören tatsächlich auch die Bibliothek und Kinderbibliothek, die Harzbibliothek (extraspannendes Thema), das Stadtarchiv und das Schaudepot der Harzmalerei. Darüber hinaus gibt es noch 2 Außendepots (die Besichtigung steht noch aus) und zwei hausinterne Depoträume, die dem normalen Besucher nicht zugänglich sind. Diese „Dachkammern“ waren, wie erhofft, eine echte Freude. Vielleicht ist der Sammlungszusammenhang des dort gelagerten „Sammelsuriums“ nicht gleich offensichtlich, aber man bekommt sofort diese spezielle Art von Goldgräberstimmung, die vielleicht jeder aus seiner Kindheit kennt, wenn man in den Abseiten des großelterlichen Hauses hoffte, einen Schatz zu heben. Es gab sogar Geheimgängewer liebt das nicht ?

Der erste Einblick ist zwar noch lange nicht abgeschlossen, zudem habe ich die Mitarbeiterinnen mit ihren Arbeitsfeldern noch nicht näher kennengelernt, aber bereits nach dem ersten Tag zeigt sich, dass die Harzmalerei durchaus interessanter ist, als ich vermutet hatte. Wie jede gute Malerei vermitteln sich ihre Qualitäten nur im Original und weniger durch fotografische Abbildungen.

Aktuell ist das Schaudepot, wo die Werke gelagert werden, wegen Sanierungsarbeiten nicht zugänglich. Aber auch im Falle seiner Zugänglichkeit scheint dies eine wenig praktikable Lösung. Einerseits befindet sich das Schaudepot im Dachgeschoß des Stadtarchivs, andererseits kann man eigentlich keinen Laien unbeaufsichtigt an die Regale lassen, da die Bilder eines gewissen Verständnisses der richtigen Lagerung bedürfen. Die kleine Auswahl, in der Dauerausstellung des Museums selbst gezeigt, vermittelt keinen Eindruck vom Umfang und den Qualitäten der Sammlung. Ich bin durchaus beeindruckt!

Als Künstler weit entfernt von „Marketingsprech“ würde ich doch sagen, dass eigentliche Highlight und „Alleinstellungsmerkmal“ des Museums kann man leider nicht sehen. Von den ca. 17 bildenden Künstlern, welche in den Jahren 1945 bis 1950 den „Wernigeröder Künstler-Club“ bildeten, fielen mir nach erster, wirklich sehr sporadischer Sichtung der insgesamt ca. 1600 Kunstwerke, 2 bis 3 sofort ins Auge. Otto Illies und Bert Heller verrieten sofort eine echte Meisterschaft. Christian Hallbauer scheint das übliche Maß der „Heimatkunst“ auch zu überschreiten…. Der Rest bedarf überhaupt erstmal genauerer Betrachtung.

In Kürze also mehr….

Christine Bergmann

 

 

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