Kupfersau und kalter Dampf | Oliver Scharfbier

Einige Tage in Hettstedt zu sein bedeutet nun Projektarbeit zu leisten, von der ich oft befürchte, sie laufe womöglich ins Leere. Doch in der Kunst bedeutet Leere erst einmal etwas Gutes. Leere und Licht sind treue Begleiter eines immer wiederkehrenden Prozesses. Nur muss es in diesem Maschinenhaus so entsetzlich kalt sein? Meine Auseinandersetzung mit der Dampfmaschine (eigentlich das Modell im Maßstab 1:1 der ersten dieser Art in Deutschland) beginnt nicht mit heißen Rhythmen sondern in der Skihose.
All die Technik meines audiovisuellen Herantastens lässt mich die Haare raufen anstatt heißblütig drauf los zu experimentieren.  Und über allem die Kolben der Dampfmaschine, die sich, einmal in Betrieb gesetzt, unablässig auf und nieder schwingen, gewaltig und nicht ungefährlich.
Zwischenzeitlich zieht es mich daher ins warme Schloss, Treppe zeichnen. Ein guter Ort zum Sinnieren, zumal hier Winterpause herrscht und keine Besucher herumtollen.

Doch es geht voran, die Reaktionen einiger Hettstedter lässt mich aufleben. So brachte mir ein Mitglied des Fördervereins Material zur Treppe (später auch hier zu sehen), welches den Zustand vor und nach der Restaurierung zu DDR-Zeiten dokumentiert. Ein Mitarbeiter des Museums ließ im Gespräch den Begriff „Kupfersau“ fallen. Damit sind Gussreste gemeint, die auch schon vor Tausenden Jahren beim Schmelzvorgang aus den Lehmöfen liefen  und heute bei archäo-logischen Funden Aufschluss geben über Siedlung und Tätigkeit unserer Vorfahren.

Er selber habe auch so eine Sau zu Hause, die würde er mal vorbeibringen zur Begutachtung. Na dann!

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