REISE IN DEN HARZ I CHRISTINE BERGMANN

Sieben Jahre später…

„So glitt der Strom der Rede schnell dahin, während sich der Wagen auf dem sandigen Wege sehr langsam bewegte. Nach und nach traten die Berge aus ihren Nebelgestalten hervor als starke, stolze, mit dunklen Tannenwäldern bewachsene Massen, Kornfelder schlängelten sich malerisch zwischen ihnen durch, und Goslar, die alte kaiserliche Reichsstadt, lag vor uns. Alle Dächer waren mit Schiefer gedeckt, was der Stadt, die eingeschlossen zwischen den Bergen liegt, ein merkwürdig düsteres Aussehen verleiht. Hier war einmal der Sitz der deutschen Könige und Kaiser, hier wurden Reichsversammlungen gehalten und die Schicksale von Reichen und Ländern abgemacht – jetzt, ja jetzt, ist sie bekannt durch ihr Bergwerk und aus Heines „Reisebildern“. Hier spielte der Dichter Blumendieb und Herzensdieb – – eine Geschichte, von der die ehrbaren Bürger von Goslar gar nichts mehr wissen wollen; jedes Mal machten sie ein sehr saures Gesicht, wenn ich den Namen Heine nannte. Ich will deswegen vorsichtiger sein …“

Hans Christian Andersen, 1831, Aus: Die Reise in den Harz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.