Starke Frauen in den Frauengemächern – Recherche in Prettin (Petra Reichenbach)

In der Lichtenburg war ich nach der gemeinsamen Busreise mit all den anderen Künstlerinnen und Künstlern Anfang Januar ein zweites Mal am Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar. Eine Schülergruppe trug in der Gedenkstätte eine szenische Lesung vor zum Thema „Rassenschande“. Im Anschluss wurden in Gedenken an die ehemaligen Häftlinge Kerzen und Kränze im „Bunker“ niedergelegt, in dem sich die Einzelhaftzellen befinden. – Deren Fenster waren nicht nur vergittert, sie waren auch durch Metallplatten mit ein paar kleinen Luftlöchern verdunkelt. Das „Bett“ ist ein Betonblock, am Kopfende mit einer Holzauflage.

Genauso kann man die Zellen heute noch besichtigen, ebenso wie die „Stehzelle“, in die man durch ein niedriges Türchen hineinkriechen muss, um in dem schmalen Raum stundenlang bewegungslos zu stehen. Am Boden verrieten Spuren im Sand, ob sich die Häftlinge bewegt hatten. Wenn ja, ließ sich das Aufsichtspersonal die nächste Schikane einfallen.

Auch bei meinem letzten Besuch am 17. August, war ich sofort wieder gefangen von den vielen Einzelschicksalen, die sich in diesen Mauern abgespielt haben. Inzwischen hatte ich die Biografie von Lotti Huber und Lina Haags Erfahrungsbericht, der gleichzeitig ein langer Liebesbrief an ihren Mann ist, gelesen. – Persönliche Erzählungen, bei denen der Alltag im Konzentrationslager Lichtenburg lebendig wird.

Die Beschreibungen von Olga Benario von den quälenden Appellen im Hof, die oft als Strafmaßnahme für alle galt, wenn nur eine Insassin gegen eine der willkürlichen Regeln verstoßen hatte, das ständige Frieren im Winter, die körperlich anstrengende Arbeit in der Sommerhitze ohne Trinken, all diese Strapazen kamen mir in den Sinn beim Anblick des Schlosshofes.

Die pädagogische Mitarbeiterin der Gedenkstätte, Frau Lindenau, hatte mir eine Vielzahl von Texten und Fotos der fünf Insassinnen, mit denen ich mich näher auseinandersetzen möchte, vorbereitet.

Materialsichtung in der Gedenkstätte

Gemeinsam mit Aline Gorldt von der Mitteldeutschen Zeitung in Jessen sahen wir uns noch einmal die Frauengemächer im Renaissanceschloss an, in denen ich meine Installation geplant habe.

Dieses Porträt fehlte mir noch
und diese Dame auch

Vormittags war ich im Stadtarchiv mit Frau Dreizehner und Frau Rosenkranz verabredet, die mir Material über die fünf Bewohnerinnen des Schlosses zur Renaissancezeit herausgesucht hatten. So fotografierte ich ca. 400 Textseiten aus den Büchern der Präsenzbibliothek ab in der Hoffnung, dass sie mir dabei helfen, aussagekräftige Selbstauskünfte in die Münder der Kurfürstinnen zu legen. Davon aber später mehr.

Die Bürgermeisterin von Annaburg, Frau Liebig, gab ein kurzes Update zu den Brand- und Denkmalschutzbestimmungen. Jetzt fühle ich mich gut ausgestattet, um mit der umfangreichen Recherche zu allen 10 Frauen zu beginnen …

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