Der 9. Oktober und die Lichtenburg (Petra Reichenbach)

Mir geht es ähnlich wie meiner Kollegin Mareen: Die Eindrücke vom Jahrestag des Anschlags sind noch sehr präsent. Am hr.fleischer Kiosk haben wir am Freitag einen MDR-Lifestream von der offiziellen Gedenkveranstaltung organisiert, zu der sich trotz des Regenwetters ca. 30 Leute am Reileck versammelt haben um gemeinsam die Reden von Oberbürgermeister Wiegand, dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde, Herrn Privorozki, Ministerpräsident Dr. Haseloff und Bundespräsident Steinmeier zu verfolgen. Herr Wiegand und Herr Dr. Haseloff thematisierten die regelmäßigen Hassreden des stadtbekannten Nazis Sven Liebich auf dem Marktplatz von Halle. 

Versuch einer Annäherung

Das Attentat von Halle am 9.10.2019 wurde zum Auslöser für das Thema unseres jährlich erscheinenden Taschenkalenders 2021, in dem zwölf Künstlerinnen Feiertage aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen auf der ganzen Welt illustriert und beschrieben haben – als kleinen Beitrag zur Völkerverständigung.

Fremdenhass und Hetze gegen alle diejenigen, die nicht genau ins Raster passen, ist nach wie vor omnipräsent. Wir sollten jede Gelegenheit, diese Denkmuster infrage zu stellen, nutzen. Mit den beiden Erinnerungsorten, der Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg und der KZ-Gedenkstätte Lichtenburg, hat sich das Heimatstipendium #2 um diesen wichtigen Aspekt erweitert.

Die erste Bewohnerin des Renaissanceschlosses Lichtenburg war vor ihrem Mann geflohen, weil er ihr androhte, sie wegzusperren. – Grund war ihr reformatorischer Glaube, der im Gegensatz zu seiner katholischen Einstellung stand. Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg fand 1528 Zuflucht in der Lichtenburg und pflegte engen Kontakt zur Familie Luther. – Und stand weiter zu ihrem Glauben. Ein Beispiel von vielen, wie sich das Thema Diskriminierung schon immer durch die Menschheitsgeschichte gezogen hat und bis heute andauert.

Anke Triller im „Frauenorte-Outfit“ im Frauenort Lichtenburg

6.10.2020

Mein letzter Termin in der Lichtenburg am 6. Oktober war wieder dicht gepackt mit Begegnungen und konstruktiven Gesprächen. Anke Triller von „Frauenorte Sachsen-Anhalt“ fuhr mit, um Frau Schmidt von der Stadtverwaltung Annaburg kennenzulernen. Parallel dazu hatte ich ein Gespräch mit der pädagogischen Mitarbeiterin Lisa Lindenau zu meinem partizipativen Projekt mit dem örtlichen Gymnasium. Wir tauschten erste Ideen zur Umsetzung aus und verabredeten nächste Schritte: Ich muss mich schleunigst an die Texte über die fünf Frauen aus der Renaissance setzen, die ich bei meinem letzten Treffen in der Präsenzbibliothek abfotografiert habe!

Tino Simon am Skalpell

Im Anschluss an die beiden Arbeitsgespräche in der Gedenkstätte gingen wir alle hinüber in die Frauengemächer um dem Restaurator Tino Simon über die Schulter zu schauen. Er sichert seit vergangenen Montag die bemalte Holzdecke des mittleren Zimmers, damit danach meiner Installation nichts mehr im Wege steht. Aufgefallen ist uns noch, dass ein Stromanschluss an der Fensterseite notwendig wird, um das Gegenlicht vom Tage auch in den späten Nachmittagsstunden zu erzielen. Mit dem Restaurator überlegte ich, die Fenstervorhänge durch das halbtransparente Gewebe zu ersetzen, das ich auch für meine Porträtzeichnungen verwenden möchte.

Erwünschtes Gegenlicht im mittleren Raum der Frauengemächer

Frau Gorldt von der MZ Jessen wird uns sicher wieder mit einem spannenden Artikel versorgen, sie hatte ich vorsorglich auch noch angerufen 🙂

MZ-Journalistin in vollem Körpereinsatz …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.