Be-Tracht-ungen, die Zweite Salzlandmuseum Schönebeck (Annette Funke)

In meinem Atelier trage ich alles zusammen, was ich zur Bördetracht finde, Ausdrucke von abfotografierten Stoffmustern, Fotos, inspirierende Gegenstände und Ideen, die ich auf kleinen Zetteln notiere. Kann sich eine Idee über längere Zeit in meinem Kopf durchsetzen, tippe ich sie in meinen Rechner. Arbeitstitel wie „ Krönung“, „Selbstbildnis“, „Haltung“ oder „Umarmung“ entstehen und bilden den Ausgangspunkt für erste Kompositionsversuche. Dazu ordne ich Bilder der ersten Fotosession in die Kategorien Wettkampf und Spiel, Speise und Lust, Rolle und Habitus ein.

Der erste Papierschnitt mit dem Arbeitstitel „Selbstbildnis“ nimmt Formen an. Darauf sind zwei einander zugewandte Figuren zu erahnen, die im Entwurf beide in ein Smartphone blicken, das eine der beiden hält. Schnitt für Schnitt wächst das Bild sehr konzentriert, sehr langsam. Das gibt meinen Gedanken Zeit zu springen, die ab und zu an Begriffen wie Heimat, Kultur, Erinnerung oder Identität hängenbleiben. Diese Begriffe sind wie die Konstruktion eines Dach-Gebälkes über einem Denk-Raum, der selbst diffus bleibt, weil er im eigentlichen Sinne nicht ist.

Auf Youtube lausche ich neben dem Schneiden einem Interview, in dem Ernst Bloch aus „Prinzip Hoffnung“ zitiert wird: Heimat ist „das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war“, und muss lächeln.

 

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