Pop Up – ein Museum für einen Tag in Eisleben (Thomas Jeschner)

Wo kein Heimatmuseum ist, da mache ich Station und frage nach. Ich gehe an die Öffentlichkeit. Es ist der 27. Oktober 2020.

Die Regionalgeschichtlichen Sammlungen in Eisleben sind voll mit Objekten, mit Geschichten. Nicht alles kann, nicht alles darf mit. Ich habe mich entschieden. Ich mache eine eigenes Museum auf. Für ein paar Stunden. Ich suche mir Objekte aus den Sammlungen. Ich verschicke Einladungen.

Der 27. Oktober 2020 ist ein Dienstag, ein normaler Markttag auf dem Marktplatz von Eisleben. Mit Unterstützung der MitarbeiterInnen der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit / Kultur der Stadt baue ich einen eigenen kleinen Marktstand auf. Die Sammlungen gehen zu den Menschen. Das „Pop Up – Museum Eisleben” ist für einige Stunden in der Öffentlichkeit zu sehen.

Ich bin gespannt. Und warm angezogen.

Besuch am kleinsten Museum der Stadt

Noch vor um 10 Uhr ist alles auf seinem Platz. Die anderen, die normalen Marktstände sind schon in Betrieb. Einzelne Menschen schlendern umher, kaufen ab und an Essen, Kleinigkeiten.

Der Stand fällt auf. Er ist nicht groß. Aber bunt, nicht zu sortiert. Ich bin gespannt, wie er wirkt, ob Menschen kommen und wie sie reagieren.

Weitere Gedanken kann ich mir nicht machen. Mein Museum wird sofort gut besucht. Einige sind der Einladung gefolgt, den Ankündigungen in der Presse – hier sind die kostenlosen Anzeigenblätter eine wichtige Informationsquelle. Andere Besucher sind normale Passanten, die neugierig sind. Natürlich wird mir auch ab und an die Frage gestellt, ob den die ausgestellten Objekte auch zu kaufen sind.

Der Bussard aus der ornithologischen Sammlung zieht Taubenzüchter an. „Das ist mein Feind.” sagt ein Mann. Eine alte Nachbarin kommt vorbei und freut sich, mich zusehen. Einige Stadträte schauen kurz vorbei. Es gibt einen Fototermin mit dem Bürgermeister.

Carsten Staub, der Bürgermeister der Stadt Eisleben (2.v.r.)

Die Menschen wollen reden. Auf jeden Fall an diesem Tag an diesem Stand. Zufällige Begegnungen an einem normalen Wochentag. Es geht um die eigene Geschichte, um Sichtbarkeit.

Ich verabrede mich auf weitere Gespräche. Ein Mann lädt mich ein, seine umfangreichen privaten Sammlungen an regionaler Provinienz in Augenschein zu nehmen. Am Ende des Gespräches grübelt er kurz über den Gedanken, ob seine eigenen Sammlungen nicht auch eine Art Museum sein können …

Nicht nur Kleinigkeiten

Gegen 13 Uhr bauen die anderen Stände ab. Alles wird verpackt. In Kisten, in Autos. Der Wochenmarkt neigt sich dem Ende. Auch wir packen alles wieder ein. Der Habicht wird wieder wieder in eine Vitrine verschwinden.

Der Marktplatz leert sich. Nach uns kommen die Tauben.

 

Fotos: Matthias Ritzmann

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