Betriebsamkeit. Übertage. Untertage. (Nora Mona Bach)

Heimatstipendium in Zeiten von Krise und Lockdown kann keinen Stillstand bedeuten, denn es gibt genug zu tun. Übertage. Untertage. Überall drängelt eine Betriebsamkeit, die von einigen Herausforderungen begleitet wird. 

Gut hat es, wer Geduld, Genügsamkeit, Schaffenskraft und Ideenreichtum aufbringen kann und mit einer gewissen Portion Resilienz ausgestattet ist um den Hemmnissen aussichtsvoll zu begegnen.

Dem Plädoyer für Schaffenskraft, Kunst und Sinnzuschreibung bin ich bereits 2012 in meiner Diplomarbeit begegnet, als ich mich mit Katastrophen und Katalysmen beschäftigt habe: „[…] Das negativ Unerwartete selbst (entspr. (1) disaster), als das aus dem zu Befürchtendem (entspr. (2) hazards) in das Reale Erwachsene, wirkt als Ursache und legt die Verwundbarkeit (entspr. (3) vulnerability) des Individuums frei. In den 1950er Jahren implementiert Jack Block den Begriff der Resilienz (entspr. (4) capacity and resilience) in die Psychologie. Er beschreibt damit die spezifische Kompetenz, Krisen als Impuls für persönliche Weiterentwicklung zu nutzen, d.h. belastende Situationen durch Rückgriff auf individuelle und auch sozial vermittelte Ressourcen zu bewältigen. Erweitert wird das Konstrukt der Resilienz durch begriffliche Verweise auf Stressmanagement, Kontrollüberzeugung, Bewältigungsstrategien (Coping) und Widerstandsfähigkeit (Hardiness). Für die Sinnzuschreibung des Erlebten (entspr. (5) culture) ist es dem erschütterten Individuum möglich, Verklärung, Religion, Tradition und Kunst aufzugreifen oder diese selbst aufzubrechen und zu erweitern.“

Wie begegnen wir nun also mit Betriebsamkeit?

I. Untertage in Wettelrode

Ich frage Thomas Wäsche – Leiter des ErlebnisZentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode -, der sich auch unter seinem Pseudonym ‚Bergrat Plümicke‘ einen Namen gemacht hat. Sein Pseudonym nimmt Bezug auf die historische Person Carl Friedrich Ludwig Plümicke ( 1791 -1866), er war preußischer Bergrat, Lehrer, Ehrenbürger der Stadt Eisleben und hat auch als Sammler Spuren hinterlassen. Auch Thomas Wäsche hinterlässt durch seinen Enthusiasmus und seine Zuversicht Spuren:

„Aktuell ist das Schaubergwerk „ErlebnisZentrum Bergbau“ – Röhrigschacht Wettelrode bei Sangerhausen aufgrund der aktuellen Corona-Verordnungen geschlossen, doch die Zeit wird genutzt, um laufende Instandsetzungsarbeiten zu bewältigen. Räder der Loks und Personenwagen werden geölt und gefettet, Bremsen kontrolliert. Auch werden die Gleise und Bergbaustrecken auf mögliche Schäden untersucht sowie Reinigungsarbeiten durchgeführt. Und es gibt einige Umbauten, die wir vornehmen, um unseren Gästen bei ihrem Ausflug in die Geschichte des über 800jährigen Bergbaus auf Kupferschiefer einen interessanten Aufenthalt bieten zu können.“

Ausschläge (2020/2021)
Kohle und Pastell auf Papier
170 x 140 cm
A u s s c h l ä g e / A u s s c h l a g h a l d e n
Als Ausschläge werden schmelzunwürdige Erze bezeichnet. Sie wurden in Kläubeställen vom schmelzwürdigen Erz getrennt. Die Ausschläge brachte man auf den sogenannten Ausschlägehalden unter. Diese Trennung ist besonders gut durch die unterschiedliche Farbe des Gesteins an Flachhalden zu sehen.
(aus: SCHLAG NACH / Stichworte aus der Geschichte des Mansfelder Kupferschieferbergbaus und des Hüttenwesen sowie anderer Berg- und Hüttenregionen / zusammengestellt von Axel Kreß /Stand: 18.06.2016)

II. Übertage in Halle

Es wird gezeichnet, sortiert, überlegt, gelesen im Atelier in Halle. Pläne geschmiedet für die Zeit der Begegnungen, die wir momentan alle so sehr missen müssen. Die Gedanken kreisen dann um die Umsetzung zweier Vorhaben: Zum einen die Einladung zu einer Wanderung Übertage, um den verzweigten Schächten überirdisch nachzugehen – so lässt sich ein Gefühl entwickeln zum Ausmaß der unterirdischen Eingriffe und der unglaublichen Arbeit unter Tage, die über Jahrhunderte in die Mansfelder Landschaft geschriebenen wurden.

Zum anderen soll ein Setzkasten entstehen, der – als eine Art kollektives Gedächtnis – Heimat für kleine Gegenstände ist, die eine innere Verbindung mit dem Feld des Bergbaus eingehen. Hierbei hoffe ich auf die Interaktion mit den Menschen vor Ort. Ich hoffe auf Geschichten und Begegnungen.
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Mit Frank Schedwill, Autor und Redakteur der Mitteldeutschen Zeitung, spreche ich über diese Hoffnung und meine Vorhaben. Sein Artikel erscheint am 09. Februar 2021 in der MZ in Sangerhausen, späterhin am 17. Februar noch einmal in der MZ in Halle. Mich erreichen in Folge viele Nachrichten: Zusprüche, Einladungen, Zustimmung und ganz neue Weggabelungen und Ideen, für die ich sehr dankbar bin.

Ich wünsche uns allen weiterhin eine frohe Betriebsamkeit und baldige Begegnungen. Selbstredend: Glück auf!

Den Bergbau im Blick – im Atelier.

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