Mareen Alburg Duncker – Gedenkstätte Bernburg

Nach der Fertigstellung des Gedenkschmuckes für Alfred Mühlhausen habe ich nun, vermittelt über die Gedenkstättenleiterin Frau Dr. Hoffmann, Kontakt zu den Angehörigen. Die Nachfahren seiner Geschwister erfuhren erst 2017 von dessen Schicksal. In regem Austausch bin ich mit einer Großnichte, ihr Opa war ein Bruder von Alfred.

Erinnerungen an Moshe Bukspan

Meine nächste Arbeit widme ich Moshe Bukspan, er wird 1902 in Galizien geboren, als staatenloser Osteuropäischer Jude. Hier herrscht die österreichisch-ungarische Monarchie. Als Bewohner eines der Kronländer hatten sie keinen Status als Staatsbürger. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 löste sich die Doppelmonarchie auf, 1919 wurde Galizien dem wiedererstandenen polnischen Staat zugeteilt. Moshe und seine Frau Toni Bukspan waren in diesem neuen Staat Polen staatenlos.
Um besser leben zu können siedelten sie 1920 nach Frankfurt/Main um. Moshe wurde Kaufmann und Schuhmacher mit eigener Werkstatt. Die zwei in Frankfurt geborenen Töchter Ruth und Edith blieben ebenfalls staatenlos. 1933 wurde durch Boykott des Schuhmacherbetriebes die Existenz der Familie zerstört. Im Jahr 1939 wurde Moshe verhaftet und als sogenannter „Schutzhäftling“ bis April 1940 eingesperrt, von dort ins KZ Sachsenhausen deportiert. 1941 erfolgte die Verlegung ins KZ Ravensbrück. Am 23. März 1942 soll Moshe Bukspan laut Häftlingsliste vom KZ Ravensbrück „überstellt“ worden sein. So ist offiziell der Transport in die Tötungsanstalt für das „Euthanasie-Programm“ in Bernburg benannt. Das tatsächliche Todesdatum liegt vermutlich 8 bis 10 Tage früher. Mosche Bukspan wurde 40 Jahre alt.
Toni und ihre Töchter Ruth und Edith, 14 und 7 Jahre alt, wurden am 24.September 1942, mit der 10. Deportation aus Frankfurt verschleppt und wahrscheinlich in Estland erschossen.

Moshe Bukspan
Foto: Privatbesitz

In Anlehnung an den Beruf als Schuhmacher, war des Material Leder für den Gedenkschmuck für Moshe Bukspan gesetzt. Aus mehreren Entwürfen kristallisierte sich die Umsetzung einer Brosche heraus. Da auch seine Frau und die beiden Töchter ermordet wurden, möchte ich sie mit einbeziehen. Unter Anleitung von Claudia Richter, einer professionellen Buchkünstlerin, erlernte ich das Setzen der Buchstaben und die Heißprägung mit Goldfolie auf Leder. Zuvor hatte ich aus meinen Schriftentwürfen den einen herausgefiltert, der nun geprägt werden sollte. Die scheinbare Unordnung hat eine Struktur, ähnlich einem Kreuzworträtsel.
Eingefaßt in einen Messingrahmen mit rückseitiger Broschierung wird diese Arbeit dann auch ab 20.November 2021 in der Gedenkstätte in Bernburg zu sehen sein.
Kontakt zu den Angehörigen in der 2. Generation, welche in Tel Aviv leben, besteht schon über Judith Gebauer von der Gedenkstätte.

work in progress, Foto: Mareen Alburg Duncker

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