Erinnerung an Wolfgang Brühl

(Mareen Alburg Duncker – -Gedenkstätte Bernburg)

Den fünften und letzten Gedenkschmuck gestalte ich für den halleschen Schüler Wolfgang Brühl. Er war 14 Jahre alt, als er in die Tötungsanstalt kam.

Wolfgang Brühl, 1934, Quelle: Archiv Zeit-Geschichte(n) e.V.

Wolfgang Brühl wurde 1927 in Halle geboren . Er besuchte die Neumarkt- und später die Talamtschule. Ein Foto von 1934 zeigt ihn mit Schiefertafel vor einer großen Schultür.
Die erhaltenen Krankenakten schildern den Fünfjährigen als unruhig, ängstlich, empfindlich und leicht verletzbar. Er habe anfallsartige Zustände, die aber nicht epileptisch aufzufassen seien. Seine schulischen Erfolge sind gering, und 1935 wird er gegen den Willen der Mutter durch Amtsgerichtsbeschluss in ein Erziehungsheim in Nordhausen eingewiesen. Hier wird er als „schwachsinniger Psychopath“ betitelt und ihn in die Neinstedter Anstalten verlegt.

Am 29. Dezember 1936 schreibt Dr. Wittenberg aus Neinstedt an die Staatsanwaltschaft Halle: „Wolfgang Brühl […] leidet an angeborenem Schwachsinn. Erhebliche Besserung und Heilung ist schon jetzt als ausgeschlossen zu erachten.“ Wolfgang besucht die Anstaltsschule mit nur geringem Erfolg. Am 4. März 1940 berichtet die Krankenakte, er helfe „beim Kartoffelschälen, ist leidlich anstellig und fügt sich gut ein“.

Auf Anordnung des „Reichskommissars für Reichsverteidigung“ wird der 14-Jährige am 24. April 1941 in die Landesheilanstalt Altscherbitz verlegt. Dort wird Wolgang am 16. Juni 1941 zusammen mit 89 weiteren Patienten abgeholt und in der Tötungskammer der „Heil- und Pflegeanstalt“ ermordet. Den Angehörigen teilte man mit, er sei am 5. Juli 1941 „an Diphtherie“ verstorben.

Wolfgangs jüngere Schwester Evelyne erinnert sich an einen Besuch in Altscherbitz: „Hinter einer Gittertür stand er in einem blau-weiß-gestreiften Anzug, den Kopf kahlgeschoren, das Gesicht aufgedunsen und sagte, ‚Mama hole mich hier raus.‘“

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