8 HEIMAT-Museen

Spanndende Orte entdecken: Die 8 HEIMAT-Museen in Sachsen-Anhalt

In dem deutschlandweit einmaligen Programm HEIMATSTIPENDIUM, das die Kunststiftung in Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. realisiert, befassen sich neun Künstlerinnen und Künstler für ein Jahr mit den Beständen und Sammlungen von acht Museen in Sachsen-Anhalt. Folgende Einrichtungen, die über das gesamte Bundesland verteilt sind, gehören zu den spannenden Orten, die entdeckt werden wollen:

Freilichtmuseum Diesdorf
Molmker Straße 23, 29413 Diesdorf

Foto © Freilichtmuseum Diesdorf

Das Freilichtmuseum Diesdorf/Altmark ist eines der ältesten volkskundlichen Freilichtmuseen Deutschlands. Die für Sachsen-Anhalt einmalige Anlage geht auf eine Initiative des Diesdorfer Landarztes Dr. Georg Schulze (1866–1955) zurück. Mit Hilfe des von ihm gegründeten Wohlfahrtvereines wurden 1911 die grundlegenden Voraussetzungen für das heutige Bauernmuseum geschaffen. Dessen Anliegen ist die Erhaltung altmärkischer Baukultur und die Darstellung ländlichen Alltags. Den Sammlungsschwerpunkt bilden regionaltypische Fachwerkbauten mit ihren historischen Einrichtungs- und Arbeitsgegenständen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert, die beispielhaft die Vielfältigkeit der altmärkischen Haus- und Hoflandschaft repräsentieren.

In den 1970er Jahren wurde das Museum konzeptionell erweitert und seitdem kontinuierlich ausgebaut. Mittlerweile befinden sich auf einer Fläche von sechs Hektar über 20 Gebäude, die über das bäuerliche Tagwerk, Handwerk und Schulwesen auf dem Lande informieren. Die historische Landwirtschaft im Jahreslauf wird neben zahlreichen originalen Gerätschaften durch sechs Bauerngärten, mehrere Streuobstwiesen, einen Hopfendamm und zwei große Feldflächen mit alten Obst- und Gemüsesorten veranschaulicht. Regelmäßige Sonderausstellungen zur Regionalgeschichte, Veranstaltungen zum traditionellen Brauchtum sowie zahlreiche museumspädagogische Veranstaltungen prägen zudem den Charakter des lebendigen Freilichtmuseums.


Museum Haldensleben
Breiter Gang, 39340 Haldensleben

Foto © Museum Haldensleben
Biedermeierzimmer (Foto © Museum Haldensleben)

Das Museum hat ca. 850 m2 Ausstellungsfläche, ist ein Ort der Authentizität und liegt im Herzen der Kreisstadt Haldensleben. Es hat zwei Außenstellen in original erhaltenen Fachwerkhäusern: das Schulmuseum im dörflichen Stadtteil Hundisburg und den ehemaligen israelitischen Tempel, das „Haus der anderen Nachbarn“, in einer der städtischen Seitenstraßen. Das Regionalmuseum besitzt zudem eine historische Gemäldesammlung, die in Teilen im Schloss Hundisburg präsentiert wird. In erster Linie verfolgt das Museum wegen des Teilnachlasses der Brüder Grimm einen biografisch-historischen Ansatz und zeigt hiervon ausgehend die Biedermeierzeit bis ca. 1875. Sammlungsschwerpunkte sind u. a. Nathusius-Porzellan des frühen 19. Jahrhunderts, aber auch davon ausgehend spätere heimische Keramik bis zum Produktionsende 2009. Natürlich findet auch die Ausstellung zur Ur- und Frühgeschichte der Region sowie zur Stadtgeschichte ihren Raum. Ergänzend hierzu bilden zwei Fachwerkhäuser mit Biedermeiergärtchen, Zwerghühnern und Seidenraupen ein Freiluftensemble, in dem historische Handwerke der Biedermeierzeit – wie der Steindruck oder die Porzellanmalerei – gezeigt und gepflegt werden.


Harzmuseum Wernigerode
Klint 10,  38855 Wernigerode

Harzmuseum Wernigerode (Foto © Matthias Bein)

Das Harzmuseum Wernigerode befindet sich auf dem Gründungshügel der Stadt, dem „Klint“. Hier bilden die historischen Gebäude von Harzmuseum, Stadtbibliothek und Harzbücherei, Kinderbibliothek und Stadtarchiv in unmittelbarer Nähe der mittelalterlichen St. Silvestrikirche ein einzigartiges architektonisches Ensemble. Das Harzmuseum bietet mit seiner Dauerausstellung einen kompakten Einstieg in die Region Harz – naturkundlich, historisch und auch kunsthistorisch. Alle Funde, Objekte und Werke stammen entweder aus der Region oder haben einen engen regionalen Bezug, von den Fossilien bis zum Tierpräparat, von der Urkunde bis zum Gemälde. In den letzten 16 Jahren hat das Harzmuseum zudem etwa 60 kleinere Sonderausstellungen zu kulturellen, historischen und naturkundlichen Themen gezeigt. Die ausgestellte Kunst verweist auf eine weitaus größere Sammlung an Gemälden und Grafik. Viele regionale Künstlerinnen und Künstler des 20. Jahrhunderts, für die der Harz eine besondere Rolle als Inspiration und Motiv gespielt hat, sind vertreten. Die Kunst der „Harzmaler“ ist das zentrale Sammlungsgebiet des Hauses, das bis heute um weitere Stücke ergänzt wird. Namen wie Annie Reinecke, Bruno Jüttner, Christian Hallbauer, Bert Heller oder Walter Gemm seien stellvertretend genannt.


Museum Schloss Bernburg
Schloßstraße 24, 06406 Bernburg (Saale)

Foto © Museum Schloss Bernburg
Verborgene Schätze: Depot des Bernburger Museums (Foto © Museum Schloss Bernburg)

Das Museum Schloss Bernburg ist ein Regionalmuseum mit umfangreichen, bedeutenden Sammlungen. Dabei handelt es sich um kultur- und naturhistorische Sammlungen, die in ihren Ursprüngen meist auf das Ende des 19. bzw. auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgehen. Im Wesentlichen waren es Bürger der Stadt Bernburg, die diese Sammlungen angelegt, dokumentiert, inventarisiert und erforscht haben. Insbesondere die ur- und frühgeschichtliche und die Mineraliensammlung sind von großer musealer Bedeutung. Darüber hinaus umfasst der Bestand des Bernburger Museums auch andere z. T. kleinere Sammlungen von Schmetterlingen, Totenkronen (z. T. mit Totengedichten), historischen Fotos, Fahnen, Zinn, Grafik, Gemälden, Porzellan, zur Paläontologie, Geologie.

Totenkrone mit Kissen und Widmung für Auguste Hirsch, gestorben am 6. August 1854 (Foto © Museum Schloss Bernburg)

Das Museum Schloss Bernburg besitzt eine lange Tradition, zeitgenössischen Künstlern Ausstellungsmöglichkeiten zu bieten. In den 1970er und 1980er Jahren haben viele Künstler aus dem mitteldeutschen Raum in der Galerie des Bernburger Museums ihre Arbeiten präsentiert. Einige Werke wurden angekauft und sind bis heute wichtiger Bestandteil der Grafik- und Gemäldesammlung. Seit 2014 ist das Museum darüber hinaus für den Betrieb der kunsthalle bernburg (mit)verantwortlich. Zeitgenössische Künstler können dort ihre Arbeiten ausstellen.


Museum Aschersleben
Markt 21, 06449 Aschersleben

Museum Aschersleben, Außenansicht (Foto © Museum Aschersleben)

Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es den Wunsch, in Aschersleben ein Städtisches Museum zu betreiben. Nach mehreren Umzügen innerhalb der Stadt und Einlagerung der Museumsbestände, wurde das Museum 1955 in einem Ackerbürgerhaus des 18. Jahrhunderts dauerhaft eröffnet. Das Haus war bis 1935 Sitz der Freimaurerloge „Zu den drei Kleeblättern“. 1992 wurden Haus und Grundstück an die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland restituiert und 1993 die Johannisloge „Zu den drei Kleeblättern“ reaktiviert. Seitdem teilen sich Freimaurerloge und Museum gemeinsam das Haus. Im Rahmen des Museumsbesuches ist der Freimaurertempel zu besichtigen – in Deutschland der einzige ständig der Öffentlichkeit zugängliche Tempel einer aktiven Loge.

Schmidtsche Sammlung (Foto © Museum Aschersleben)

Im Museum Aschersleben werden Objekte der Stadt- und Regionalgeschichte bewahrt und ausgestellt. Der Sammlungsbestand umfasst ca. 30.000 Objekte, von denen jedoch nur ein Bruchteil ausgestellt ist. Der Fokus liegt auf der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung. Ergänzt wird diese um die Abteilung Ur- und Frühgeschichte sowie von einem Mineralienkabinett und der Paläontologischen Studiensammlung von Prof. Dr. Martin Schmidt mit ca. 13.000 Fossilien und Mollusken. Im Jahr 2011 wurde diese in den UNESCO Geopark aufgenommen und zählt noch heute zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland.


 

Mansfeld-Museum in Hettstedt
Schloßstr. 7, 06333 Hettstedt

Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss (Foto © Mansfeld-Museum)

Das Mansfeld-Museum befindet sich im barocken Humboldt-Schloss des Gutes Burgörner. Im 18. Jahrhundert war es Wohnsitz der Familie von Dacheröden. Wilhelm von Humboldt begegnete hier erstmals seiner späteren Ehefrau Caroline von Dacheröden und verbrachte einige Jahre auf dem Gut. Das Museum wurde 1989 als Betriebsmuseum des VEB Mansfeld Kombinats gegründet. Nach dessen Auflösung wurde es als montanhistorisches Museum weitergeführt. Inzwischen liegen die Sammlungsschwerpunkte auf Industriekultur, der Geschichte der Familie von Humboldt sowie der Stadtgeschichte. Zur Sammlung gehört ein Archiv mit etwa 40.000 Karten, Plänen und Rissen.

Nachbau der Dampfmaschine (Foto © Mansfeld-Museum)

Hauptexponat ist der originalgetreue Nachbau der ersten deutschen Dampfmaschine Wattscher Bauart im Maßstab 1:1. Auf dem Gutsgelände befinden sich weitläufige Parkanlagen mit Sachzeugen der Industriegeschichte, denn in Hettstedt wurde 1199 der Mansfelder Kupferschieferbergbau begründet, Kupfer gefördert, verhüttet und weiterverarbeitet.


Spengler-Museum Sangerhausen
Bahnhofstr. 33, 06526 Sangerhausen

Spengler-Museum (Foto © Matthias Ritzmann)

Das Spengler-Museum widmet sich vielfältigen Themen. Anhand von zumeist regionalen Beispielen werden Geologie, Naturkunde, Mittelalter, Steinzeit und Eiszeit dargestellt, sodass sich die thematische Breite stets mit einem regionalhistorischen Ansatz verbindet. Hauptexponat des Museums ist Deutschlands einziges vollständig montiertes Skelett eines Altmammuts. Es wurde vom Sangerhäuser Tischlermeister und Heimatforscher Gustav Adolf Spengler (1869–1961) geborgen.

Spengler-Museum (Foto © Matthias Ritzmann)

Seine originelle Herangehensweise an Heimatforschung bildet sich vielfach im Museum ab, u. a. in einem von ihm angefertigten Stadtmodell. Außenstelle des Museums ist das frühere Wohnhaus des Heimatforschers. Die Ausgestaltung der Wohnräume spiegelt seine historischen Interessen auf sehr eigenwillige Art.

 

Spengler-Museum (Foto © Matthias Ritzmann)

Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Domplatz 4, 06108 Halle (Saale)

ZNS Halle (Foto © Markus Scholz)

Das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen beherbergt ca. 5,3 Millionen naturwissenschaftlicher Objekte an sechs Standorten der Universität u. a. aus den Disziplinen Zoologie, Haustierkunde, Paläontologie, Physik sowie Didaktik (Lehrmodelle, Wandtafeln). Die Sammlungen haben ihren Ursprung in der Mitte des 18. Jahrhunderts, zeigen sich aber heute in einer Kombination aus historischen Schaumagazinen im Ambiente des späten 19. Jahrhunderts und modernen Sammlungsmagazinen. Sie dienen der Forschung, der Lehre und dem Wissenstransfer. Fünf der Sammlungen sind als national wertvolles Kulturgut geführt, viele der Objekte sind Unikate. Das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen ist global führend in der Erforschung von Eozän-Fossilien und von Wirbeltieren der Mongolei, in der Haustierkunde und Domestikationsforschung sowie in der Vogeleierkunde.

ZNS Halle (Foto © Markus Scholz)