FLM Diesdorf – Rebekka Rauschhardt

Tja, was gibts neues?

Schon wieder gab´s soviele neue Geschichten zu erleben – welche davon erzähle ich zuerst? Da gibt es eine Kurzgeschichtensammlung über Busfahrer, eine Doku über diese Katze:

dadaistische Lyrik über diesen scheuen Mond:

(Wobei Mond und Katze eine gewisse Ähnlichkeit an den Tag legen.)

einen Romanentwurf über Wetten und die Story mit der Freiwilligen Feuerwehr Diesdorf. Dazu später. Auf alle Fälle fühle ich mich inzwischen bereit, einen „Beipackzettel“ zu „Bitte die Nerven bewahren“ im öffentlichen Nahverkehr zu verfassen. Obwohl dies nur ein Nebenschauplatz ist. Es wird mit jeder Reise in die Altmark verrückter. Stichwort Hauptbahnhof Halle – 06:30 das blanke Chaos … das ich das noch erleben darf und dann trifft man auch noch alte Bekannte und in Köthen geht dann ganz dramatisch die Sonne auf. Hingegen in der Altmark die Wolken auf den Feldern liegen und ihre Feuchtigkeit schlicht rausfallen lassen. In Salzwedel habe ich mir den 1. Regenschirm meines Lebens gekauft!! Umsonst, denn die Sonne reiste mir nach.

Viele alte Fachwerkhäuser in der Umgebung und auch speziell Im FLM Diesdorf sind „geschmückt“ mit Feuersegen. Aus gutem Grund. Ist doch die Esse im Hause relativ jung in der Menschheitsgeschichte oder wurde vorübergehend jahrhundertelang vergessen. Und bei all dem Holz und dem Schilf auf dem Dach, da reicht ein winziger Funken. Wobei, eine Esse schützt nicht unbedingt.

Meine erste Tat nach Ankunft in Diesdorf sollte ein legeres Treffen mit der FFW Disdorf sein, ein Überraschungsbesuch meinerseits. Ich bin überzeugt von dem Gedanken, dass die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Diesdorf Teil des Kunstprojektes werden. Werden müssen – jedoch nicht als Ersthelfer, nein, als Mitspieler möchte ich sie gewinnen.

Ich steige aus der Linie 800, Haltestelle Sandstraße, visa vi der Feuerwehr und der Alarm geht los! Die Jungs geben wirklich alles! Fahren mit Höchstgeschwindigkeit in ihren Privatautos über nasse Wiesen, dass es Schlammfontänen schüttet, schließen nicht mal die Autotüren, rennen in das Hauptgebäude, schmeißen sich währenddessen in Montur und das alles in Rekordzeit! 1A – vorbildlich!

Später erfahre ich, wo es „gebrannt“ hat. Natürlich im FLM Diesdorf – zum Glück ein Fehlalarm.

Eigentlich wollte ich nur mal schnell an die 1000 Einladungen für kommende Treffen und Workshops zum Kunstprojekt persönlich an die Diesdorfer verteilen. Das hat so gut geklappt, dass ich direkt noch Zeit hatte, mich im Wald zu versteck… äh … laufen.

Hach, ich freu mich schon auf nächsten Sonntag. Dann spielen wir endlich verstecken, untersuchen die typischen Versteckhaltungen und die charakteristische Mimik beim Spiel und werden unsere Erkenntnisse anschließend in Salzteig (Hommage an Salzwedel :)) verewigen.

Neuerdings gibt´s ein geflügeltes Wort in Diesdorf: „wenn wir uns nicht gleich sehen, ne, da haben wir uns versteckt …“

Freilichtmuseum Diesdorf / Rebekka Rauschhardt

„Wer in allen Gassen haust, haust übel.“

Von dem Versuch nicht mehr fremd zu sein.

Meine Reise in die Altmark beginnt wie immer: spektakulär.  Kurz vor Salzwedel erlebte ich diese wunderbare UFO-Begegnung (das Foto zeigt leider keine Details). Das machte mich hellsichtig, besonders zu dem Begriff: Heimat. Ist es ein Gefühl? Eine Erinnerung? Eine Sehnsucht? Ist es ein Ort? Sind es die Menschen? Die Gemeinschaft? Oder einfach Wurzeln? Oder ist es ein Geruch? Ein Geschmack?  Baumkuchen ist jedenfalls leider nicht so meins.

Von meinen letzten Streifzügen durch die Altmark, fühle ich mich schon ein bißchen angeheimatet. Deshalb freut es mich, dass mehrere Einwohner aus Salzwedel mich mit einer geheimnisvollen Doppelgängerin verwechseln. Diese Verwechslungen sind leider zu früh aufgeflogen, sonst hätte ich jetzt schon einen Namen. Aber das wird schon noch …

In Salzwedel bin ich (siehe Foto: Ohne Moos , nix los) hier untergebracht. An dieser Stelle: Herzlichen Dank an Frau Franz für das Übernachtungsangebot im Stipendiatenhaus Salzwedel!!

Fremd ist man übrigens, wenn:

  • man den Hintereingang nicht kennt
  • der Taxifahrer mißtrauisch wird
  • man den Rufbus zu spät ruft (VIER! MINUTEN)
  • man die Kaufhalle nicht findet
  • man für ein Mitglied der Zeugen Jehovas gehalten wird
  • wenn man versucht, eine Ziege im Wald vorm bösen Wolf zu retten, die gar nicht in Gefahr ist

Und das war so:

Ich nutze jede Gelegenheit, die sich bietet, die nähere Umgebung von Diesdorf zu erkunden, sprich Wald und Wiesen. Die Tage sind immer vollgepackt mit interessantenTerminen und Treffen (z.B. das Herbstfest im FLM Diesdorf mit allen ehrenamtlichen Mitarbeitern, das Kaffeetrinken mit der Gemeinderätin, das Pressegespräch) – dazwischen locken kurze Ausflüge.

Also lief ich vermutlich Richtung Norden aus dem Dorf hinaus, am Horizont ein Wald. Nach einiger Zeit hörte ich verzweifelte Laute direkt aus diesem. Mir war natürlich sofort klar: ein Tier (Ziege, Schaf) ist in Not. Zu sehen gab es nichts, dafür zu hören, weit und breit kein Mensch, nur ich, was solls – Rettung ist unterwegs. Ich dachte noch, bevor ich in einen Teich springe, um das ertrinkende Tier raus zu zerren, muß ich unbedingt die Kamera am Ufer zurück lassen, eventuell auch das Handy (wegen 110). Inzwischen rannte ich über eine sehr sehr nasse Wiese, beruhigende Satzfetzen rufend. Zu sehen war immer noch nichts, bis auf den E-Zaun. OK, also kein Teich; das Tier hängt mutmaßlich im E-Zaun fest (sowas kann schon mal passieren) – also ganz beherzt zugreifen und ruckartig das Tier aus dem Stromkreis befreien. Aber nein, im Zaun hing kein Tier. Eventuell doch ein Angriff von Wölfen? Was macht man da gleich: im Falle die Wölfe sind über alle Berge, telefonisch Hilfe holen. Im Falle, die Wölfe sind noch da: Feuer machen (ich könnte meine Unterlagen verbrennen und meinen Schal), telefonisch Hilfe holen, schreien, knurren und mit Ästen um mich schmeißen und das alles gleichzeitig. Gut, das wird schon klappen …

Und dann das:

Das Tier, eine Ziege auf einer Lichtung, war putzmunter!

Sowas kommt vor, wenn sich Touristen im Wald herum treiben. Oder man seine Heimat verlässt. Wie dieses Huhn:

Oder dieser Pilz in der Bockwindmühle (ein Pionier)im FLM Diesdorf:

Oder dieser Pfosten der Bockwindmühle (losgelöst):

Oder diese Schneegänse, moment, die haben mehrere Heimaten:

Wo sind wir hier überhaupt, etwa hier?

Und jetzt alles wieder auf Start!

Danke an alle für die schöne Zeit und die vielen neuen Bekantschaften, die Gespräche und Geschichten!

Rebekka Rauschhardt FLM Diesdorf – Nebelentdeckungen

 

Die Erinnerungen an meinen letzten Aufenthalt im Flecken Diesdorf und Großraum Salzwedel sind nicht nur abenteuerlich, irritierend und vollgepackt; sondern auch vom Nebel gezeichnet.

Dieses Mal beschloß ich, das Freilichtmuseum mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Bei der Anreise verschwand die Morgensonne schon direkt hinter Magdeburg in einer „Dicken Suppe“. Einen Tag später, bei der Abreise tauchte diesmal die Nachmittagssonne kurz vor Magdeburg wieder auf. Dazwischen lagen 30 Stunden verschiedene Variationen des Nebels. Mit anderen Worten: von weitem gab es nichts zu sehen, man mußte schon ganz nah ran gehen, um etwas zu erkennen. Zum Beispiel diese bildschönen Pilze – entdeckt an der Ostseite der Marienkirche in Salzwedel.

Oder auch nur bei Nebel so wunderbar klar zu entdecken und das in sehr großer Anzahl rings um das Johann-Friedrich-Danneil-Museum, Salzwedel – komplett eingesponnen:

Auf alle Fälle abenteuerlich:

  • war die Reise und meine zufälligen Reisebegleiter (Nachtbusse, niedriger Akkustand am Handy, junge (?) sehr anhängliche Männer (ging wohl auf einen Frauenmangel der Unterdreißigjährigen in der Altmark zurück)

Etwas irritierend:

  • war das riesige Gemälde mit der Darstellung der Alpen in meiner sehr gastfreundlichen Pension – ich bekam ein Ei mit auf den Weg
  • sowie das Elbsandsteingebirge im gemalten Hintergrund des Weinbergaltars von Lucas Cranach d.J.
  • und die Erkenntnis, dass überall noch ältere und durchaus bewohnte Häuser in der Gegend existieren, die einige Jährchen mehr auf dem Buckel haben, als die Häuser im FLM Diesdorf
  • Was ich auch noch nicht wußte: Diesdorf ist allseits bekannt durch seine Mosterei. ? Da geht noch was!

Und schlußendlich vollgepackt:

  •  durch die Expedition FLM Diesdorf, alle Häuser, Speicher und Depots
  • auf der Suche nach dem Wolf, über Stock und Stein, kreuz und quer durch Diesdorf
  • durch die Exkursion Salzwedel, Johann-Friedrich-Danneil-Museum mit Schwarzer Madonna, Cranach-Altar, Urnensammlung …
  • durch die freundliche Vorstellungsrunde und Willkommensgeste von Herrn Dr. Hofmann – Direktor des FLM Diesdorf – bei Mitarbeitern des FLM, Archäologen, Restauratoren, Sachbearbeitern und Mitarbeitern des Kulturbüros Salzwedel

 

Gesucht & Gefunden / Rebekka Rauschhardt zwischen Salzwedel & dem FLM Diesdorf

Passend zum Thema Versteckspielen, welches alles zusammen genommen, weltweit und zeitlos und ohne weitere Zutat an jedem Ort hervorragend gespielt wird, war mein erster Ausflug ins Freilichtmuseum Diesdorf ein gelungener Auftakt. Im Zeitalter von sprechenden Navigationsgeräten, Satelitenbeschallung und anderen Kontrollorganen (die ich genau genommen unter den Tisch fallen lassen habe), brauchte ich nur mehrere Anläufe in der 20 km – Zone mit der alt hergebrachten Sonnenstandsauswertung. Trotz nicht vorhandenen Heimvorteil in der Altmark, habe ich das versteckte Freilichtmuseum gefunden. Die Irrfahrten durch die Altmark – so stelle ich mir ein bißchen die erste Marsbegehung vor. Unbekannte Landschaften, Eingeborene, Wölfe und winzige Fachwerkhäuser.

Ich bin mir sicher, hier habe ich es mit Versteckexperten zu tun. Auf alle Fälle wird es sehr spannend.