Sibirien im Mansfelder Land | Scharfbier

… klingt und ist bestimmt übertrieben. Doch es war einfach zu kalt um in der Maschinenhalle weitere Experimente zu unternehmen. Besonders fürs Schlagzeug wahr es zu kalt, der Klang ist dann einfach weg. Inzwischen habe ich es wieder abgebaut, die Auseinandersetzung reichte aber um den Videoschnitt voranzubringen. Apropos Video –  an einem besonders sonnigen und warmen Tag hatten wir Besuch vom MDR in Hettstedt, der Beitrag lief vor kurzem und erfuhr wohl positive Resonanz in den Netzwerken. Ich bedaure zwar, dass meine Absicht zum Projekt „Treppe“ am Schluss des Beitrages falsch dargestellt wurde (denn ich beabsichtige ja nicht, die Treppe als Drahtmodel im Garten nachzubauen) bleibe aber aus Erfahrung cool, denn so etwas „versendet“ sich mit der Zeit.

Egal, es war ein toller Beitrag und das Schloss sowie die Treppe kamen super zur Geltung, Maries Kampagne „Pro Kamerad Martin“ läuft gut an und erfährt eine Menge Zuspruch. Vielleicht wurde in der Bevölkerung neues Interesse geweckt für das Mansfeld-Museum und dessen Ausstellungen. Die nächste wird als Interims-Exhibition am 1.03.18, also kommenden Donnerstag um 15:00 Uhr eröffnet. Dieses mal ist es uns noch nicht gelungen einen Austausch anzuregen über das Für und wider von Ausstellung-Exzellenz. Ich habe es angeboten, aber es war keine gemeinsame Zeit vorhanden und ich bin gespannt wie die Arbeit der Kuratoren dieser Ausstellung zur Stadtgeschichte Hettstedts ausgefallen ist und wie sie angenommen wird. Zum MDR Beitrag noch ein abschließender Gedanke:  … ich hoffe, das insgesamt das „Heimatstipendium“ als Sachsen-Anhalt-weite Kampagne wahrgenommen wurde?! Was meint Ihr?

Zuletzt kurz letzte Woche im Schloss gewesen, habe etwas die Gegend angesehen. Industriebrache kann so schön sein.  Eine Postkarte von Rebekka an Marie und mich in Empfang genommen. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle, schöne Geste, Response wird folgen!

 

FLM Diesdorf – Rebekka Rauschhardt

Geflügelte Worte

… was für ein Begriff.

Mir ist gerade aufgefallen, dass so viel geredet wird, da wird beschrieben, erläutert, gerechtfertigt, erklärt, gestammelt und an den Haaren herbei gezogen und das Wasser abgegraben, gegen die Wand gerannt und aus der Hüfte geschossen. Ganz besonders habe ich das in den letzten Wochen gemacht. Natürlich mit guten Grund und sogar vorsätzlich. Regelrecht mit dem Zaunspfahl, alle Register gezogen und in die Klaviatur gehauen; durch die Blume gesprochen: hart aber herzlich, den Mund fusselig gequatscht, bis es aus den Ohren wieder raus kommt … das meiste davon zum Glück mit mir selbst und das Gute daran: da braucht es weder Punkt und Komma. Interessante Striche sind da auch nicht üblich.

Schluß damit! Jetzt folgen Taten:

… wenn es einem die Sprache verschlägt (natürlich nur beim Versteckspiel)

… man gleich zur beleidigten Leberwurst wird (selbstverständlich nur beim Versteckspiel)

… denn verarschen kann man sich auch alleine (üblicherweise nur beim Versteckspiel)

… kurz bevor man Rotz und grüne Pflaumen heult (ausschließlich beim Versteckspiel)

… und sich dann einen Ast freut (das Beste am Versteckspiel).

Soviel zu geflügelten Worten am Donnerstag. Danke für die Aufmerksamkeit! Im nächsten Beitrag wird es um „Ton anmachen“ gehen. Keramiker und Töpfer (und alle innen) wissen Bescheid . 🙂

Vorfreude  …

FLM Diesdorf – Rebekka Rauschhardt

1, 2, 3, 4, 5 … wir koooooommen!

… und dann drehten wir uns um und die Sonne schien und es war ohrenbetäubend still und alle 18 Kinder waren wie vom Erdboden verschwunden .

..

 

 

 

Ein toller Effekt

Aber von vorne: im Januar ist viel passiert. Besonders freut es mich, dass die Grundschule „Dr. Georg Schulze“ in Diesdorf mit den Hortkindern das Kunstprojekt über die kommenden Monaten begleiten wird. Gestern lernte ich schon mal knapp 20 der zukünftige „Forscher“ kennen und stellte sehr schnell fest – die Kinder sind wahre Koriphäen auf dem Gebiet des Versteckens.

Bevor wir die erste Runde spielten, diskutierten wir schon über die typische Versteckmimik: trauer, Wut und Ärger bis zu Stolz und unbändiger Freude – wir versetzten uns in den jeweiligen Gemütszustand und erlebten in unserer Phantasie das schon mal vor. Auch „schlechte Verstecke“ kamen auf den Tisch: ein schlechtes Versteck ist viel zu einfach oder schon zu oft benutzt oder man hat sich vielleicht nicht genug Mühe gegeben? Selber schuld! Ein gutes Versteck ist eine Herausforderung!

Danach ein großer Wunsch: die Erwachsenen sollen die Kinder suchen – war das ein Spaß. Eine geschlagene Stunde spielten wir in Variationen „Verstecken“, bis alle Verstecke auf dem Schulhof massiv benutzt und inzwischen allen bekannt waren. Es ist Anfang Februar: kein Blatt am Baum und die Hecken erst, Gras? – das war schon nichts für Anfänger.

Herzlichen Dank an Frau Ziggel und ihr Hortteam und selbstverständlich an die Experten – wir werden in den kommenden Wochen und Monaten kleine und große Forschungsprojekte zusammen entwickeln, gestalten und testen.

Ein Dank auch an Frau Pelzcarski von der „Volksstimme“ – sie wird das Projekt in den kommenden Monaten journalistisch begleiten.

Die Abschlußworte kommen heute von Finn (2. Klasse), der Frau Pelzcarski ein kleines Interview über das Versteckspielen gab und gleichzeitig zur nächsten Runde gerufen wurde: “ Ich kann jetzt nicht! Ich quatsche gerade!“

 

Kupfersau und kalter Dampf | Oliver Scharfbier

Einige Tage in Hettstedt zu sein bedeutet nun Projektarbeit zu leisten, von der ich oft befürchte, sie laufe womöglich ins Leere. Doch in der Kunst bedeutet Leere erst einmal etwas Gutes. Leere und Licht sind treue Begleiter eines immer wiederkehrenden Prozesses. Nur muss es in diesem Maschinenhaus so entsetzlich kalt sein? Meine Auseinandersetzung mit der Dampfmaschine (eigentlich das Modell im Maßstab 1:1 der ersten dieser Art in Deutschland) beginnt nicht mit heißen Rhythmen sondern in der Skihose.
All die Technik meines audiovisuellen Herantastens lässt mich die Haare raufen anstatt heißblütig drauf los zu experimentieren.  Und über allem die Kolben der Dampfmaschine, die sich, einmal in Betrieb gesetzt, unablässig auf und nieder schwingen, gewaltig und nicht ungefährlich.
Zwischenzeitlich zieht es mich daher ins warme Schloss, Treppe zeichnen. Ein guter Ort zum Sinnieren, zumal hier Winterpause herrscht und keine Besucher herumtollen.

Doch es geht voran, die Reaktionen einiger Hettstedter lässt mich aufleben. So brachte mir ein Mitglied des Fördervereins Material zur Treppe (später auch hier zu sehen), welches den Zustand vor und nach der Restaurierung zu DDR-Zeiten dokumentiert. Ein Mitarbeiter des Museums ließ im Gespräch den Begriff „Kupfersau“ fallen. Damit sind Gussreste gemeint, die auch schon vor Tausenden Jahren beim Schmelzvorgang aus den Lehmöfen liefen  und heute bei archäo-logischen Funden Aufschluss geben über Siedlung und Tätigkeit unserer Vorfahren.

Er selber habe auch so eine Sau zu Hause, die würde er mal vorbeibringen zur Begutachtung. Na dann!

Heinrich Wölfflin: Die Kunst Albrecht Dürers | Xenia Fink

Heinrich Wölfflin war Herman Grimms Nachfolger auf dem Berliner Lehrstuhl für Kunstgeschichte.

aus

Die Kunst Albrecht Dürers

Sechste Auflage, Verlag F. Brachmann K. G. München, 1943, Erstauflage 1905

(S.6) Vorwort zu ersten Ausgabe

Man nennt Dürer gern den deutschesten der deutschen Künstler und gefällt sich in der Vorstellung, wie er zu Nürnberg gesessen haben seinem Hause am Tiergärtnertor, geruhsam vor sich  hinarbeitend nach der Väter Weise, mit recht innigem Behagen man der heimatlichen Erde und überzeugt, daß die Kunst nur herzlich und wahr sein müsse, die äußere Schönheit aber gleichgültig sei. Die Romantiker haben diese Vorstellung aufgebracht. Sie ist falsch. Wenn irgendeiner sehnsüchtig über die Grenzen des Landes hinaussah nach einer fremden Schönheit, so ist es Dürer gewesen. Durch ihn ist die große Unsicherheit in die deutsche Kunst gekommen, der Bruch mit der Tradition, die Orientierung nach italienischen Mustern. (…) Raffael und Titian haben Klassiker werden können, weil alles vorbereitet war, als sie erscheinen: bei Dürer war das bloße Handwerk noch nicht ausgebildet. Mit gewaltigem Krafteinsatz hat er dann der Kunst die neue Art der Darstellung errungen, hat die Gotik in den „Renaissancestil“ hinübergeführt und hat den Menschentypus der Reformationszeit geschaffen: es ist Großes, was er getan hat, aber vielleicht liegt das Größere in dem, was er dabei überwunden hat. Die Resultate seines Lebens sind kaum so interessant wie der Weg, auf dem er sie gewann.

(S.40) In den spitzen Schuhen, der engen Taille, den kurzen, knapp anschließenden Ärmeln, den nahtlosen Achseln ist der gleiche Formwille wirksam gewesen. Aber dazu tritt dann der Reichtum der überschüssigen, hängenden, flatternden, am Boden sich stauenden Stoffmassen mit ihren knittrigen, vieläugigen Faltenanhäufungen. Nach ihrer Motivierung darf man nicht fragen, denn es handelt sich dabei nicht um Nachbildung bestimmter Stoffe, sondern um ein Laufenlassen ornamentaler Launen. Und man muß sie ernst nehmen diese Launen: in der Draperie steckt ein Teil der Identität der Figur. Wie die alte Gotik mit ihren Gewandlinien eine besondere Stimmung erwecken wollte, so will es diese letzte Gotik.

(S. 134) Das Auge scheut vor nichts zurück. Mit einer Art Wollust ist jenes unförmliche Bündel von Lederriemen angefaßt, das Pferdegeschirr nämlich, das die Nemesis in der Hand hält: es scheint die undankbarste Aufgabe der Welt zu sein, aber der Blick bohrt sich in die Verwirrung, und der Stift drängt nach und ruht nicht, bis der widerspenstige Stoff ruhig und einfach daliegt. Wie undenkbar wäre eine solche Zeichnung in Italien! Und ebenso dann die flatternden Streifen eines unbestimmbaren Stoffes, in denen sich auch ein Stück urgermanischer Formphantasie auslebt, wie in den Schnörkeln und Rankenschlingungen der Zeichnungen zum Gebetbuch des Kaisers Max. Aus dem Gefühl der national verschiedenen Begabung heraus hat denn auch schon Vasari den Flügel der Nemesis als etwas Unvergleichliches bewundert. Zum ersten Mal ist hier das Gefieder nicht bloß der Form nach, sondern auch nach der Beschaffenheit der Oberfläche charakterisiert. Und auch auf solche Dinge – Federn, Haare, Pelz – als Lieblingsstoffe seiner Sinnlichkeit kommt Dürer später immer wieder zurück.

Neuer graphischer Stil. Die kleinen Passionen

(S.214) Italien hatte den Anstoß gegeben, von den Dingen weiter zurückzutreten und die Form größer zu fassen. Zügige Zeichnungen gibt es schon vor 1505, aber doch nur bei flüchtiger Ausführung. Sobald auf die Form näher eingegangen wird, verliert Dürer den zusammenfassenden Blick. Die großgezeichneten und doch so inhaltsvollen Köpfe zum Heller-Altar wären ohne italienische Schulung nicht möglich gewesen, und selbst hier mag man vielleicht schon da und dort, z. B. in den Händen, eine kleine Rückbildung wahrnehmen gegenüber dem, was in Venedig selbst entstand. Geradlinig konsequente Entwicklungen gibt es überhaupt nicht bei Dürer.

Die neue Zeichnung ist groß und klar und auf das Notwendige vereinfacht. Die offene Mache ist ein allgemeines Merkmal der Graphik des 16. Jahrhunderts. Man soll so sehen, wo der erste und wo der letzte Strich sitzt, und soll überzeugt sein, daß gerade  so viele Striche nötig waren und nicht mehr oder weniger. Jener Satz von der Notwendigkeit als letzte Bestimmung der Schönheit, den L. B. Alberti formuliert hatte, und den man füglich der Kunst die Hochrenaissance als Motto vorsetzen kann, hat seine Geltung bis ins Strichgefüge hinein. Daß die Linien an sich eine dekorative Schönheit besitzen sollen, ist schon gesagt worden, aber gegenüber den Anfängen dieser Art von Zeichnung führt die Entwicklung zu einer immer größern Reduktion des Linienmaterial und zu einer immer rationellern Ökonomie in der Verwendung der gegebenen Elemente. (…) Es gibt eine Folge von freien Aktzeichnungen Dürers aus den Jahren 1514, 15, 16, die sich in der durchsichtigen Mache, dem großen Strich, dem eigentümlichen Rhythmus der Linien und Linienintervalle ganz gut mit Federzeichnungen Raffaels vergleichen lassen. Beide sind sie eben Cinquecentisten.

Die offensichtlichste Wirkung hat die neue Zeichnung auf Holzschnitt und Kupferstich gehabt. Der Strich entsagt der subtilen Behandlung der Platte aus der Zeit der „großen Glücks“ oder des „ersten Menschenpaares“. Was nicht beim Anblick des Ganzen als Linie wirkt, wird ausgeschieden. In festen klaren Ringen umschließt die Zeichnung die Form. Und der Holzschnitt geht noch weiter. Aus der kleinwelligen und stellenweise punktierenden Technik des Marienlebens wird eine großzügige Manier, die in ihrer Tendenz auf das Einfache nicht nur alle komplizierten Linien und Kreuzungen tunlichst vermeidet, sondern sogar ihren Ehrgeiz darin sucht, so lange wie möglich mit der geraden Linie auszukommen.