Die Malereisammlung im Harzmuseum I Christine Bergmann

Das Harzmuseum hat eine recht heterogene Kunstsammlung. 400 Gemälde und etwa 1200 Grafiken und Zeichnungen aus unterschiedlichen Zeiten.

Die Orangerie

Man könnte die Sammlung grob in 3 bis 4 Gruppen oder „Perioden“ einteilen. Es gibt einige sehr schöne Stücke aus dem 19. Jahrhundert.

Richard Thierbach * 1860 – 1931

Ein weiterer Sammlungsschwerpunkt besteht aus Malern, welche grob getaktet zwischen 1880 und 1900 geboren wurden. Interessanterweise teilt sich die Sammlung jedoch in zwei Zeitperioden die Gemälde betreffend.

Ein Teil der Gemälde stammt aus den 1920er und 1930er Jahren, u.a. Karl Klapper, Otto Illies und Christian Hallbauer, also die „Zwischenkriegszeit“.

Karl Klapper * 1879 Berlin –  †  1956 Goslar

Otto Illies hat es mir besonders angetan. Man sieht ganz deutlich die klassische Moderne. Manche Gemälde erinnern an sogenannte Spätimpressionisten wie Giovanni Segantini oder Pierre Bonnard.

Otto Illies * 1881 in Yokohama –  †  1959 in Wernigerode

Mit dem Geburtsjahr 1900 ist Christian Hallbauer verhältnismäßig jung. Er emigrierte nach Norwegen und verstarb leider früh.

Christian Hallbauer * 1900  –  †  1954

Ziemlich interessant ist die Geschichte von Wilhelm Pramme. Von 1926 bis 1928 machte er eine Weltreise, welche ihn über Ägypten, Indonesien und Indien bis nach Afghanistan führte. Damals war es Ausländern verboten Afghanistan zu bereisen. Sein Wagnis führte ihn jedoch bis zum König, der ihm die Erlaubnis zur Weiterreise erteilte. Eines seiner Bilder hängt heute im Nationalmuseum in Afganistan, ein Dankesgeschenk an den damaligen König.

Wilhelm Pramme * 1898 Halberstadt – † 1965 Wernigerode; Gemälde und Objekte von der Weltreise
Wilhelm Pramme, Gemälde aus der Nachkriegszeit

Ein Dritter Sammlungsteil umfasst dann die sogenannte „Wernigeröder Künstlerkolonie“. Rein zeitlich betrachtet, handelt es sich etwa um die gleiche Generation, aber die Gemälde stammen aus der direkten Nachkriegszeit. Neben Künstlern aus Wernigerode und Umgebung zählten hierzu viele Künstler, welchen nach den schweren Zerstörungen nahezu aller Großstädte im 2. Weltkrieg Wohnungen in Wernigerode zugewiesen bekamen und welche sich in Folge dessen vorübergehend (ca. 1945 – 1950) oder bleibend in Wernigerode ansiedelten.

Paul Betyna * 1886  –  †  1967

Malerisch wirklich interessant fand ich sofort die 3 Gemälde von Bert Heller. Der Name sagte mir zunächst nichts, dafür aber das ganze nachfolgende Werk. Bert Heller hat den sogenannten „sozialistischen Realismus“ deutlich ikonografisch geprägt. Irgendwie kennt man alle seine Bilder.

Bert Heller * 1912 Aachen – † 1970 in Berlin

Ein paar witzige bis kuriose Geschichten gibt es auch.

„Blumen-Krüger“ zum Beispiel. Wie es der Namen verrät, malte er bevorzugt bzw. besonders erfolgreich Blumen und lebte wohl recht gut davon. Obwohl er es nicht schaffte, Mitglied im VBK DDR zu werden, verkaufte die DDR Lizenzen für Kunstdrucke seiner Werke gegen Divisen an Westdeutsche Verlage.

Wilhelm Pramme hinterließ zwei Bilder als Künstlerspaß…

Wilhelm Pramme: „Er könnte, wenn er wöllte“ auch abstrakt

Darüberhinaus gibt es weit mehr Künstler, die hier nicht alle dargestellt werden können. Gar nicht so schlecht fand ich auch Hans-Joachim Bober.  Er ging bereits in den frühen 1960er Jahren in den Westen und arbeitete dort als Kunsterzieher.

Hans-Joachim Bober  * 1908 – † 2011 (über 100 !)

Die hier vorgestellte Auswahl an Bildern ist selbstverständlich unvollständig und entlang meiner persönlichen Interessen sondiert. Im Großen und Ganzen findet man im Harzmuseum Landschaftsmalerei und weit weniger Figürliches.

Auf den ersten Blick ist man geneigt die Sammlung für „Heimatkunst“ zu halten. Wenn man sich jedoch in die Biografien hineinbegibt, stellt man fest, dass viele der Maler mit durchaus bedeutenden Schulen und Lehrern verknüpft sind. Nicht wenige studierten in Weimar in der Großherzoglichen Schule vor dem Bauhaus (Stichwort „Deutscher Impressionismus“). Blumen-Krüger war befreundet mit Bruno Paul (siehe Neue Sachlichkeit, Bauhaus- und Burg-Geschichte). Es gibt persönliche Beziehungen zu Ludwig von Hofmann, Matisse, Denis, van de Velde, Corinth ….

Ich finde, das Konvolut stellt Fragen: Was bedeutet der Künstler oder das einzelne Werk jenseits großer Kunstmuseen, welche Künstler schon durch ihren Namen adeln? Was bedeutet eine solche Sammlung für ein Heimatmuseum heute? Und welche Ausblicke und Anregungen gibt es für die Zukunft?

Rebekka Rauschhardt | FLM Diesdorf – Dank Stromausfall, historische Weihnacht

Das 3. Adventwochenende, ganz im Ambiente des alljährlich stattfindenden Historischen Weihnachtsmarktes im FLM Diesdorf umfasste rahmensprengende Erlebnisse, Begegnungen und Situationen, so dass ich nur beispielhaft berichten werde.

Historisch einladend im Niederdeutschen Hallenhaus aus Winkelstedt (1787).

Aber von vorne. Zuerst lernte ich Maria aus Dähre kennen, direkt im Rufbus. Da kann man gleich mal Telefonnummern austauschen. Sie wird mir im Neuen Jahr das Stricken beibringen – wenn sie wüßte, worauf sie sich hier eingelassen hat … Liebe Maria, ich werde mich bemühen.

Im FLM Diesdorf wurden wir von einem Karusell begrüßt, mit allerhand Kindern an Ketten, da war ich sehr überrascht. Weswegen ich auch sofort erst mal an der Tombola im Dorfkrug aus Hilmsen (1827) teilgenommen habe (Jedes Los gewinnt! Und zwar schon fertig verpackte Weihnachtsgeschenke!!!) Bin mal gespannt, was die Beschenkten dieses Jahr von mir (aber eigentlich von der Volkssolidarität) Schönes bekommen werden. 🙂

Jetzt erst mal ein Foto:

Der Fliegende August nennt sich das hellblaue Ungetüm.

Dann hatte ich das Vergnügen Christa Schulze kennen zulernen, meine Standnachbarin. Auch sie Meisterin der Wolle und um keinen Spruch verlegen. Mein Lieblingsspruch aus ihrem Mund, den ich erst beim 3. Mal geschnallt habe: „Schauen Sie sich mal meinen Strickrock an! Bin ich nicht die Schönste im Raum? Wenn alle anderen nicht da sind?“. Ich bin froh, dass Du noch gesund bist liebe Christa, bist ja schon 76 Jahre, siehst aber glatt 20 Jahre jünger aus.

Gemeinsam standen wir mit unseren Tischen im Haus Pügge (1832), da war es warm und das war nicht schlecht.

Eigentlich wollten wir Versteckkarten herstellen, doch wir mußten erst mal das Karusell verarbeiten. John-Luc zeichnet, besser konstruiert ausschließlich mit Lineal!

Gegen 18 Uhr kam es am Samstag zum Höhepunkt des Historischen Weihnachtsmarktes: der komplette Stromausfall. Zwanzig Minuten war es stockdunkel, alles kam zum Erliegen. Und das war doch tatsächlich historisch, unsere Vorfahren haben vor 200 Jahren um diese Uhrzeit auch die Hand vor Augen nicht mehr sehen können. Der moderne Hauptschalter gelegen im historischen Taubenturm aus Ahlum (1798) schmorte und schmolz – ein Glück, dass keine Funken flogen. Und was ein Glück, dass der Elektriker vorsorglich vor Ort war, selbstverständlich mit einem Transporter voll mit Ersatzschaltern!

Man muß sich mal vorstellen, zum Historischen Weihnachtsmarkt werden mehrere Tausend Besucher erwartet. Diesdorf ist ein klassisches kleineres Dorf, das FLM liegt ungefähr einen Kilometer vom Ortskern entfernt. Dieser Kilometer ist die Molmker Straße und da fand am Wochenende eine Völkerwanderung statt. Ein Menschenstrom in beide Richtungen, zwischendrin der Shuttle-Bus, der zwischen Diesdorf Markt und FLM hin- und her pendelte. Feuerwehr und Polizei regelten das Parkplatzverhalten. Gegen Abend, der ganze Ort ein Autokorso.

Menschenschlange, Besucheransturm auf der ganzen Straßenlänge 11-19 Uhr ohne Abbruch.

Am Sonntag dann, gingen wir die Versteckkarten an:

Emma traut sich, ihre Versteckkarte zu zeigen. Versteck heißt ja nicht umsonst Versteck.

Abschließend kommt jetzt ein Versteckrätsel. Heinz-Günter Klaas aus Diesdorf entwickelte Sonntag morgen am Küchentisch 10 verschiedene Versteckrätsel. Und erwischte mich gerade noch rechtzeitig bei meiner Abreise. Herr Klaas, Ihr Vorschlag ist hervorragend! Herzlichen Dank! Mein Lieblingsrätsel: „Mein Versteck befindet sich in einem Gebäude, das von einem Mönch erbaut wurde und auf einer ehemaligen Insel steht. (Hilfe: der Name des Mönchs besteht aus 3 Buchstaben).“ Liebe Diesdorfer, wo wird das Versteck in Diesdorf sein?

Herzlichen Dank: Herr Hofmann, Astrid, Ines, Frau Franz, dem Schmied, Herrn Klaas und dem Vorsitzenden des Karnevalsvereins Dähre!

Rebekka Rauschhardt | FLM Diesdorf – Zeitreisen mit Türklinken

Liebe Diesdorfer,

ich habe mich schon so sehr auf Euch gefreut. Aber Ihr habt Euch dermaßen profinell versteckt, dass ich Euch einfach nicht gefunden habe! Den ganzen Sonntag habe ich gesucht … aber Versteckexperten lassen sich eben nicht lumpen. Auf der Suche nach Euch, zugegebenermaßen in Phase 2 (gute Tarnung soll man nicht unterschätzen), entdeckte ich etwas.

Es folgen keine Impressionen von Zeitreisen mit der Mühle, dem Ofenrohr, dem Kinderwagen und dem Schaukelpferd, nein auch nicht mit dem Waschtrog und dem Lampenschirm, ganz zu schweigen vom Besen, der Schubkarre und dem lila Einhorn. Um es kurz zu machen, habe ich versucht eine Zeitreise mit den Türklinken zu machen. Die Zeitreise an sich ließ sich leider nicht so treffend festhalten. Aber seht selbst:

Jetzt werde ich noch ein bißchen „suchen“ trainieren und kann das 3. Adventswochenende im FLM Diesdorf mit Weihnachtsmarkt und Versteckprofis kaum noch erwarten. Wie hieß das gleich nochmal: Neuer Versuch, neues Glück? Wir sehen uns!

Aus Herman Grimms Bibliothek im Museum Haldensleben | Xenia Fink

Das Leben Raphael von Urbino

von Herman Grimm

Erster Theil

Ferd. Dümmler’s Verlagsbuchhandlung, Harrwitz und Gossmann, 1872

Einleitung, S. XLI und XLII

Goethe zufolge zerfällt Deutschland in zwei Theile, von denen er den nördlichen den bildlosen nennt,  „wo es zur Verehrung des Guten und Schönen zwar nicht an Wahrheit, aber oft an Geist gebricht.“ Er hätte hinzufügen können: „an Anschauung“.

Die Theilung war eine Folge der Reformation, welche die Hülfe der Kunstfür Darstellung der höchsten Dinge ausschloss. Während im 17. und 18. Jahrhundert die Städte Süddeutschlands noch vom bunten Schimmerprivaten und öffentlichen Kunstschmuckes glänzten, sah man in den neueren Städten und Residenzen Norddeutschlands: Berlin, Leipzig, Halle, Weimar u. s. w., von wo die literarische Bewegung ausging, wenig dergleichen. Sammlungen und Schlösser hoher Herren und in den Häusern reicher Kaufleute konnten keinen Ersatz für die allgemeine Kahlheit bieten; es mangelte die rechte Lebensluft, in der  Kunstwerke producirt und begriffen werden. Die Vorliebe der Sammler wandte sich zudem den holländischen Meistern zu, deren Lebensanschauungen denen des norddeutschen Publikums mehr entsprachen; die Werke früherer Jahrhunderte, welche sich in Kirchen und sonst an öffentlichen Orten erhalten hatten, begegneten keinem Verständnis mehr.

Christine Bergmann | Es weihnachtet sehr

Am 3. Dezember ist der Weihnachtswahnsinn ausgebrochen. Als ich mich an diesem Sonntag auf den Weg nach Wernigerode machte, fielen in Halle die ersten dicken Flocken. Die Zugreise führte mich durch eine winterlich verschneite Landschaft. Mit dem ganzen Fachwerk und dem schönen Rathaus bietet Wernigerode die perfekte Kulisse für ein richtig heimeliges Weihnachtsgefühl.

Rund um das Rathaus ist natürlich Weihnachtsmarkt mit allem was dazu gehört: Tannenbaum, Glühwein, Würstchen, Grünkohl, Baumkuchen und Holzschnitzerei – erstaunlich wenig Trödel, eigentlich gar keiner, oder  ich habe ihn einfach übersehen….

Im Harzmuseum wurde die Weihnachtsausstellung eröffnet. Das Museum war voll und es gab Plätzchen, Kaffee und Kakao. Bürger konnten bereits seit Wochen Weihnachtsgeschenke einliefern, die sie selbst einmal bekommen oder verschenkt hatten.

Gut 100 Objekte sind zusammengekommen. Das Älteste fiel in das Jahrzehnt vor 1900. Tolle Sachen, interessante, zum Teil bewegende Geschichten sind mit den Geschenken verbunden. Manches hat man wiedererkannt – in meinem Fall die Klassiker aus den späten 70 Jahren. An jeder Vitrine hätte ich Lust gehabt, die Sachen herauszuzotteln und mich zum selbstgenügsamen Spiel in ein ruhiges Eckchen zurückzuziehen.

Trotzdem vermisste ich  einen Klassiker meiner Kindheit: Die elektrische Eisenbahn.

Also, Weihnachten kann kommen.

Das vermutlich älteste Geschenk: eine Papierkrippe aus den 1890er Jahren