Feuersegen und ein Ofenrohr

Bei meinen ersten Besuchen im Freilichtmuseum fielen mir drei Sachen sprichwörtlich ins Auge: die Feuersegen (aufwändiger Holzschnitt, typisch für Fachwerkhäuser mit ursprünglich Reed- bzw. Holzschindeldach) …

Die Feuerstellen:

Und die unsichtbaren Schornsteine:

Finde den Fehler, bzw. erkenne den Zusammenhang.

Die Gerätschaften des Museums werden Teil der Skulpturen des Projektes „1 2 3 4 Eckstein“ – so tragen die dargestellten Versteck spielenden Kinder Geräte, die ihren Ausgangspunkt im Museum haben und eine Zeitreise unternommen haben; mit sich. Dies veranschaulicht dem Besucher auf besondere Art, wie sich die Geräte im Laufe der Zeit nach unseren Bedürfnissen und durch industriellem Fortschritt entwickelt haben. Der fehlende Schornstein aus dem Jahre 1750 bei gleichzeitiger regelmäßiger Feuernutzung zeigt ein Drama: Brand, Brand, Brand …

Ob die Feuersegen tatsächlich geholfen haben, ist der Phantasie überlassen.

Offensichtlich ist das fehlende Bindestück für die eigene Lebensversicherung u.a. das Ofenrohr. Die Entwicklung der verschiedenen Feuerstellen im Innenraum, geschlossen oder offen, der Rauchfänge und Kamine (die ersten waren im Übrigen hözern und wurden bei Funkenflug im Schacht gern zu Brandbeschleunigern), festen und tranportablen Öfen und Glutschalen zeigt: irgendjemand hat das Ofenrohr erfunden. Doch wer war das?

Ich hätte nicht gedacht, dass das schwierig werden könnte. Das Ofenrohr ist einfach um 1850 aufgetaucht und dieser Auftritt geht Hand in Hand mit der Industriealisierung.

Dann kam der Besuch von meinem Schornsteinfeger, der bei mir die Abgaslesung bewerkstelligt. Ihn habe ich befragt und er sagte mir zwei Dinge: Die Schornsteinfeger kamen im 16. Jahrhundert aus Italien in unsere Gefilde und brachten tatsächlich Glück mit – im Sinne von Kaminen, der Reinigung dieser und bestimmt irgendwann auch mit Ofenrohren.

Wer allerdings das Ofenrohr erfunden hat, dazu gab er mir eine Telefonnummer von einem Schornsteinfegermeister aus der Altmark: Günther Schoppenhauer, ein schreibender Glücksbringer.

Herr Schoppenhauer hat sein Leben nicht nur den Schornsteinen gewidmet, er hat auch sehr unterhaltsam über Schornsteine geschrieben. Seine Bücher sind inzwischen vergriffen, zum Glück hatten sich noch Exemplare bei ihm zu Hause versteckt und  er schickte mir die kurzweilige Lektüre.

Doch der Erfinder des Ofenrohrs darf noch gesucht werden.

Der Rauch
Das kleine Haus unter Bäumen am See.
Vom Dach steigt Rauch.
Fehlte er
Wie trostlos dann wären
Haus, Bäume und See.
Berthold Brecht

Die Grabwespe I Rebekka Rauschhardt

Heute stand ich in den Fluren der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der MLU – Halle-Wittenberg und entdeckte in den Vitrinen die Gespensterkrepse, winzige schleierhafte in Formaldehyd ertränkte Wesen.

Das erinnerte mich an unseren historischen Fund im Stein. Eine frische Larve, nein sogar zwei – ohne mit bloßem Auge sichtbaren Gang von außen. Ganz kurz dachten wir ja, wir hätten im Elbsandstein (Kreidezeit – cica von 145 Mio. bis 66 Mio. Jahren unserer Zeit) eine ganz alte, aber doch noch frische Larve von etwas noch Unentdecktem gefunden. Entsprechend war auch die Aufregung – hier nochmal das Bild (die kleine braune Form in der Kiste):

Inzwischen wurde das Rätsel gelöst! Dankeschön an Herrn Schröder vom Imkerverein „Eintracht“ 1886 e.V.!

Es handelt sich um eine Larve einer Grabwespenart: crossoceros elongatulus:

Die im Übrigen noch gar nicht so richtig erforscht wurde. Das schreit nach einer DOKTOR-Arbeit.

Die eigentliche Frage lautet: war die Grabwespe in Cotta aktiv oder in Diesdorf?

Rebekka Rauschhardt | pi mal Daumen

Bis vor kurzem war mir gar nicht klar, dass mit pi das pi (3,14159) gemeint ist. Ich dachte, pi ist einfach ein lustiges Wort, so wie nunu oder tok. Gut, ein bißchen Schade ist es schon. Alle Wörter haben eine Bedeutung. Wirklich Schade. Die Redewendung (s.o.) eröffnete mir im fortgeschrittenem Alter ganz neue Horizonte. Ihr wisst sicherlich (im Gegensatz zu mir), was es mit pi und dem Daumen (Strahlensatz der Elementargeometrie) auf sich hat. Das mit dem Daumen hatte ich auch noch nicht verstanden. Ich fand Künstler, die die Gegend mit dem Daumen anpeilen, etwas affektiert.

Pi mal Daumen ist ja wirklich überall. Toll!

Fast volles pi. Im Aufgang. Mit dem Daumen angepeilt und flux die Entfernung berechnet.
Pi im Maschendrahtzaun. Wie konnte das passieren?
Großes buntes pi für die Kinder.

Die Kinder. Sie sind ja auch mit pi mal Daumen entstanden.

Der überraschte oder erschrockene Enrique von Aron.
Der beleidigte Gunnar von Rebekka.
Der traurige Jean von Johann.
Tatti, die sich riesig freut von Aron.

Und die schadenfreudige Tiger-Lilli ist noch nicht ganz fertig gepit.

Kleine Überraschung von Herrn Klaas!
Wie ein Gemälde von Cezanne.

Rebekka Rauschhardt | Versteckrätsel

Von Märchen, Wünschen und Visionen und den Halluzinationen

Wenn wir unseren gesamten Abraum nehmen würden und heimlich, wenn die Nacht am tiefsten steht, in den TEICH befördern würden… im O-Fall immer an gleicher Stelle und trotzdem nicht zu nah an allen Ufern – so würde doch allmählich eine kleine Insel entstehen. Eine kleine Sandsteininsel und die ganzen fossilen Muscheln wären wieder im Wasser (süß zwar aber zusammen mit Karpfen).

Wenn sich dann alle an die Insel gewöhnt hätten, würden wir direkt darauf ein steinernes Kind platzieren. Das Versteck ultimativ. Alle sehen mich, doch keiner kriegt mich. Früh morgens und spät abends kommt der Reiher vorbei und setzt sich auf meinen Kopf und singt seine seltsamen Gesänge. Und lässt auch das ein oder andere Ei fallen. Ein paar Jahre steht das Kind auf seiner Insel da so inmitten des Teiches. Die Insel sandet aus und wird unter dem Kindergewicht kleiner und flacher. Das Kind versinkt. Irgendwann steht das Wasser bis zu den Ohren. Und der Reiher kreischt.

Die Vision von Herrn Klaas (Dorfschullehrer und Heimatologe Spezialgebiet Diesdorf) dreht sich immer wieder um eines. Ein Floß. Auf dem Teich. Im Museumsdorf. Für die Kinder.

Als wir Kinder waren (Aron & ich) wohnten wir auch im Dorf. Und hatten einen Teich. Obendrauf auch noch ein Floß, was uns anfangs noch nicht gehörte, später schon. Schwimmen konnte keiner. Trotz ewigdauernderaneinandergereihter Sommer, Frühjahre, Herbste und Winter – auf, am, neben und unter dem Floß.

Bilderverstecksel:

… dr.. h…igen …innen
aus dem w… ..x .eu.s
das ist das …. vom …o…s
.äumchen, .echsle .ich
xy und der .rolf
zorn .ottes
das ist jetzt aber einfach
gobi – die …… in mir
.arten auf ?
die nacht von s…i.ar
heute mhmhmh, morgen höhöhö und übermorgen ?

 

Ideen und Lösungsvorschläge bitte per Taube, Flasche oder stiller Post.

Danke!

Rebekka Rauschhardt | Auf den Spuren von Herrn Johann Winkelmann

Herrn Johann Winkelmann kenne ich schon ein paar Jahre und kann ihn echt gut leiden. Alle (die ich kenne), die Herrn Winkelmann kennenlernen, schließen ihn ins Herz. Doch wo trifft man Herrn Winkelmann? Zum Beispiel im Kreisverkehr beim Friedhof. Oder auf der Landstraße Dähre Richtung Siedendolsleben. Früher auch in Mexikocity auf dem Blumenmarkt. Auf dem Bahnhof in Stendal ist er auch hin und wieder. Letztens stand er zum ersten Mal am Diesdorfer Museumszaun (Service-Eingang). Foto: Wie Johann geht – ob er nochmal wieder kommt?

 

 

 

 

 

 

 

Und was macht Herr Johann? Zum Beispiel dieses Foto vom völlig verzweifelten Kind:

Hier stehen seine Beine im Bild: Im Vordergrund Material und Formstudie Marke Krähe

Er singt gerne kleine Lieder vor sich hin. Schläft weitestgehend in stabiler Seitenlage. Verwendet im Freibad Duschgel aus der Kaufhalle Diesdorf. Frühstückt gern im improvisierten Sari. 

 

 

 

 

 

 

Er liebt es für Hochzeitsgesellschaften die Tische hin und her zu rücken. Und gestaltet liebevoll die nähere Umgebung mit rätselhaften Stillleben. Mit Winkelschleifer.

Bei Sonne cremt Herr Winkelmann sich gern allein den Rücken an (Sonnenschutzfaktor 50 +). 

Letztens kam Freude auf in Halle (Saale) als Herr J. Winkelmann in der Zeitung stand. Hihi

Nächstes Jahr möchte sich Herr Johann W. für das Johann (Joachim) Winckelmann Stipendium bewerben. Da drück ich ganz feste die Daumen und ihr bitte auch alle! Immerhin heißt Johanns Vater Joachim Winkelmann.

Das wär doch was: Win©kelmänner mit sich allein– Zwiegespräche und Monologe mit Hologrammen

Rebekka Rauschhardt | In Anatomie nicht aufgepasst …

… das und noch andere Vorfälle und Tatsachen beschäftigen uns rund um die Uhr.  Der Anatomieunterricht zu Studienzeiten begann ja im Morgengrauen … was soll ich sagen. Wir haben alle drei zum Glück bei dieser Schulung des Auges am menschlichen Körper eventuell nicht aufgepasst, bzw. haben wir (bis auf ganz wenige Ausnahmen) überhaupt teilgenommen? Das erleichtert uns die Aufgabe der überzeugenden Darstellung von Versteck spielenden Kindern sehr. Extrem Dicke Backen, zu kleine Füße, Männerhand am achtjährigen Mädchenarm, Ohren vergessen, Tränenkanal?, Rotzkuhle zu kurz, stark ausgeprägter Oberkörper, Hals nicht in der Mitte und das Beste zum Schluß: nicht nur im Gesicht gibt es das Zwillingssyndrom – zwei Augen, zwei Brauen und zwei Backen von täuschend ähnlicher Anmutung.

Neugierig auf die Windhose: Aron trägt auf dem Bild eine Jeanshotpan designt bei FLM – 130 € und Herrenhalbschuhe aus Gummi circa 30 € und Kopfbedeckung von elf – Werbegeschenk.

Wir befinden uns im Countdown. Tagesablauf wird klar akzentuiert. Aufstehen bei Sonnenaufgang. Neuerdings liegen wir in der windgeschützten Giebelfront des Kossatenhauses (eigentlich unser Wohnzimmer, da ab Mittag Schatten) auf der Ostseite. Danach Kaffeeschüttung (in der Küche: Nordseite) mit unseren so derart liebgewonnenen Tassen, dass wir sie gar nicht mehr abwaschen. Dem folgt ein Badeausflug in den Westgarten, Wassermarsch am Gartenschlauch. Unmittelbar darauf ziehen wir unsere Arbeitssachen an – im Prinzip ziehen wir alles aus, bis auf wenige Assesoires (siehe Foto). Nun gehts los, wir kloppen um die Wette, manchmal Pausen (Kaffee, Wasser, Limo, Bier), manchmal kurzes Innehalten (Blasen, Krämpfe, Lachanfälle, Geistesblitze), regelmäßig Fragen von Museumsbesuchern:

  1. Was ist das für ein Stein?
  2. Kann man das wirklich machen?
  3. Ist das eine Auftragsarbeit?
  4. Hat das was mit dem Museum zu tun?
  5. Dürfen wir Sie fotografieren?
  6. Ist das Buddah?

Das machen wir bis Sonnenuntergang. Es sei denn, es fällt gerade mal ein Ast runter, Unwetter kommt vorbei oder die Frau Sonne hat sich einen Regenbogen ganz für sich allein gebaut. Wenn die Sonne weg ist, gibt es Essen (Camembert, Leberwurst, Tomaten, Zwiebeln, Brot und Rollmops). Im Dunkeln munkeln wir täglich nach wie vor übers Himmels W(eh). Und beschützen das Museumsdorf vor Eindringlingen. Letztens wie im Film mit den Kollegen der Polizei Salzwedel: profinelle Geländesicherung mit Stabtaschenlampen im nächtlichen Museumsgebüsch. Und reagieren bei Feueralarm im FLM um Mitternacht (ein Weberknecht im Rauchmelder 52). Da gibts dann auch schon mal ein Stückchen Erdbeertorte zu dieser Uhrzeit.

Und dann ab in die Federn, nein Stroh.

Der Berg ruft I Christine Bergmann

Elend und Sorge, die mit Abstand seltsamsten Ortnamen, die je erfunden worden sind.  Wo andere ein Schwimmbad sehen, sehe ich eine kosmische  Empfangsstation.

„Waldbad“ // Fotovorlage: Freibad Elend, Stadtarchiv Wernigerode, Pressearchiv Volkstimme

Und in der Tat, das folgende Bild zeigt nicht den Harz. Den Bergbewohner zieht es wohl auch im Urlaub zum Bergigen.

„Der Berg ruft“, Fotovorlage: Fotoalbum Stephan Drube, Der Dachstein, Österreich

Künstlerin malt Künstler beim Malen im Harz.

„Illies im Wald“, Fotovorlage: Gleimhaus Halberstadt, Nachlass Otto Illies, der Künstler zeichnend im Harz

Und der letzte Artikel der Wernigeröder Neuen Zeitung….  Beitrag_Neue_Wernigeröder_Zeitung

Dr. Reiner Haseloff empfängt Kunststiftung als „Ausgezeichneten Ort“ 2018

Bei einem Empfang in der Staatskanzlei in Magdeburg begrüßte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff die vier innovativen Preisträger des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2018 aus Sachsen-Anhalt. Als Preisträger beglückwünscht wurde auch die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt für das Projekt HEIMATSTIPENDIUM. Stellvertretend für alle Akteure des Projekts nahmen neben der Stiftungsdirektorin und den Kuratoren des Programms zwei „HEIMAT-Duos“ teil:  vom Museum Schloss Bernburg waren die Künstlerin Luzia Werner und der Direktor Roland Wiermann dabei und vom Museum Haldensleben die Künstlerin Xenia Fink und die Leiterin Judith Vater …

Weitere Infos gibt es in der PRESSEMITTEILUNG der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und auf der Seite der Initiative Deutschland – Land der Ideen

Am 09.08.2018 ehrte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff die „Ausgezeichneten Orte“ 2018 aus Sachsen-Anhalt. Foto © Deutschland – Land der Ideen / Andreas Lander