Rauch auf Messing | Prominente Zeichner bei Kunstaktion von Margit Jäschke

Sieben Wochen lang hatten Besucher*innen des Aschersleber Museums die Möglichkeit die Paläontologische Studiensammlung von Prof. Dr. Martin Schmidt zu erforschen und sich kreativ in Form von Zeichnungen mit den ca. 13.000 Fossilien und Mollusken auseinanderzusetzen. Im Rahmen ihrer Mitmach-Aktion, konnte Margit Jäschke auch die international bekannten Künstler Rosa Loy und Neo Rauch im Museum begrüßen und für ihr Projekt begeistern – so werden sich unter den eingereichten Zeichnungen, auch Blätter des Künstlerpaares befinden. Aus der Fülle aller eingereichten Grafiken werden einige als Vorlagen auserkoren, um von der Künstlerin auf 30 x 30 Zentimeter große Messingplatten übertragen und zur dauerhaften Präsentation in den Boden des Arkadenganges im Museumshof eingelassen zu werden. Die Eröffnung der Abschluss-Ausstellung von HEIMAT-Stipendiatin Margit Jäschke, die Präsentation der Zeichnungen und Enthüllung der künstlerischen Platten im Museumshof finden statt am:

Freitag, den 31. August 2018, um 19 Uhr
im Museum Aschersleben
Markt 21, 06449 Aschersleben

28.06.2018 Mitteldeutsche Zeitung – Aschersleben

 

Kein Schöner Land… I Christine Bergmann

So langsam biegt das Heimatstipendium in die Zielgerade gen Austellungsmaraton. Ausstellungsmaraton ist der September ganz allgemein mit den Eröffnungen aller Stipendiaten in „ihren“ Museen – diese zumindest emotionale  Landnahme ist wohl bei allen eingetreten.

In Wernigerode haben wir uns noch einen speziellen „Maraton des Tages“ ausgedacht. Am 7. September 2018 ist Kulturklint. Das Harzmuseum dominiert den Tag mit seinen Kooperationen.

18 Uhr geht es los mit dem Ausstellungsparcours im Harzmuseum: „Die Harzmaler – Werke des 19. Jahrhunderts“.

19 Uhr eröffnet in Kooperation mit Herrn Schulze in der Galerie 1530 die Ausstellung „Die Harzmaler –  Werke des 20. Jahrhunderts“. Beide Ausstellungen zeigen Malerei aus dem umfänglichen und selten zugänglichen Bestand des Harzmuseums.

20 Uhr laden das Harzmuseum, Herr Schulze und die Stipendiatin ins Schiefe Haus zur Eröffnung der Ergebnispräsentation meines Heimatstipendiums unter dem Titel „Die Harzmaler – im 21. Jahrhundert neu gesehen“.

Ich habe mir zur Eröffnung noch einen besonderen Musikbeitrag gewünscht. Passend zum Heimatstipendium und als Verweis auf den berühmten Wernigeröder Kinder- und Jugendchor, werden wir mal versuchen, etwas ganz Normales zu tun: Wir singen ein paar schöne Lieder zusammen. (Wer hat Angst vorm deutschen Lied ?!;)

Zur Vorbereitung poste ich hier und da meine Favoriten. Zum Anfang ein wirklich schöner Klassiker des Volksliedsgutes: Anton Wilhelm von Zuccalmagli, um 1840 veröffentlicht, in einer etwas älteren, aber sehr schönen Interpretation des Rundfunk-Jugendchores Wernigerode.

Auch das ist  eine sehr schöne Version!

Rebekka Rauschhardt | Acht Wochen ohne Regen (FLM Diesdorf)

Wir begutachten die Kartoffelpflanzen, zum Glück keine Kartoffelkäferlarven. Wir untersuchen die Gerste. Das Gras ist gelb. Die Kirschen reif. Die Erde trocken. Sorgenfalten. Die Gärten werden stundenlang bewässert. Die Schnecken sind auf ihren Wegen vertrocknet. Wir warten auf Regen. Hin und wieder Unwetterwarnungen, Wolken brauen sich zusammen und ab und zu kommt Wind auf, die Erde fliegt weg (dann tragen wir Schutzbrillen) aber kein richtiger Tropfen fällt. Donnerstag morgen die Sonne scheint, es ist mal wieder Unwetter mit Temperatursturz angesagt ….

Es ist morgens halb 10. Vielleicht kommt Wasser. Koche mir erst mal Kaffee (mit Wasser, solange das noch geht).

Es ist zwar deutlich abgekühlt, doch das bißchen Regen reicht noch lange nicht. Wir haben sogar die Flaggen rausgeholt (Regenzauber).

Naja, das Glück dieser Erde, liegt auf den Rücken schlafender Pferde.

Fundstücke I Christine Bergmann

Es wird doch Zeit hier und da ein Fundstück einzufügen, welches liegen blieb….

Eine Zeichnung vom  Künstler Bert Heller (*1912 – †1970) gefiel mir spontan bei meinem ersten Besuch im Harzmuseum. Wie sich herausstellte, war Bert Heller ein begabter Autodidakt. Von 1956 bis 1958 war er Rektor der Hochschule Weißensee. Herr Ahrens borgte mir ein kleines Heftchen. Dieses war damals angedacht als Werkschau seines Oevres. Aufgrund seines überraschenden Todes wurde ein Nachruf daraus in 1970.

Ausschnitt aus dem Wandfries Bert Heller im Rathaus Wernigerode, etwa um 1948

Bereits im Januar waren Herr Ahrens, der Museumsleiter, und ich im Rathaus Wernigerode, um ein Wandfries vom Bert Heller zu begutachten.

Bert Heller formulierte: „Die Brücke Kunst-Volk ist zerbrochen. “ Bert Heller gehört zu jenen Künstlern, welche den sogenannten sozialistischen Realismus maßgeblich prägten, auch wenn man dies heute wenig erinnert.

 

Rebekka Rauschhardt | Besonderheiten im Museumsdorf – FLM

Für Schwatzhaftigkeit gibt es 4 Schläge mit dem Rohrstock auf die Finger! So sprach Herr Klaas, der Museumsdorfschullehrer.

Bei Sonnenuntergang wird im Freibad nebenan geschossen.

Letztens haben sich junge Mädchen als Kühe verkleidet und Autofahrer um Geld erpresst. Ein regionaler Brauch.

Die Waschbären in meiner Hütte haben Junge.

Circa 20. 000 Kröten erproben den Landgang.

Luzia Werner war auch da. Verrückt – steht aber so im Gästebuch des Museums.

Einmal am Tag fliegen die Kampfjets.

Die Wäsche meiner Vorfahren.

Die schönste Zeit im Jahr. Rittersprorn und Fingerhut. Alles blüht, weil Christel bei Sonnenauf- und – untergang unermüdlich gräbt, rupft, zupft, gießt … acht Gärten brauchen täglich Zuwendung.

Die Zirkusnummer mit der Bela Russ. Dazu gibt es keine Fortos, dass war einfach zu abenteuerlich und lebensgefährlich. Doch am Ende steht ein Stein. Danke an Uwe, Holger, Manfred und Herrn Grothe und den (am ruhigsten gebliebenen) Traktoristen.

Die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen I Christine Bergmann

Fortsetzung zu 1917…

Obgleich uns die Kunstgeschichte lehrt, dass in 1917 der Expressionismus seine Blüte schon nahezu vollendet hat, Kasimir Malewitsch ( *1878 – †1935) in 1915 sein berühmtes Werk „Weißes Quadrat auf weißem Grund“ schuf, sah laut „Vom deutschen Herzen“ der allgemein gebildete Kunstliebhaber in 1917 womöglich eher Älteres, wir sagen heute „konservative Kunst“.

Damit steht natürlich die Frage im Raum: Was sieht eigentlich der durchschnittliche Bürger heute von der „zeitgenössischen Kunst“? Weder die Kunstzeitschriften noch die Gesellschaftsstrukturen sind zum Heute vergleichbar. Was wären denn überhaupt vergleichbare Kriterien?

Mit „durchschnittlichem Bürger“ in Fragen der Kunst meine ich z.B. Leute, die sich gerne und allgemein wohlwollend für Kunst interessieren, auch mal ins Museum, Theater, Konzert gehen, egal welches Genre, oder wenigstens hier und da mal einen Fernsehbeitrag aus der Kultursparte verfolgen etc. aber nicht unbedingt von Berufswegen große „Auskenner“ sind.

Ein Anhaltspunkt sind selbstverständlich die „Klassiker der Wohnungseinrichtung“ als Repro oder „Imitat im Stile von…“, quasi die Ersatzkunst, wie man sie von Ikea bis Baumarkt kaufen kann.

Unverkennbarer Dauerbrenner ist der Impressionismus. Aber diesen lasse ich mal genauso weg, wie die ganze nachfolgende frühe bis klassische Moderne: Klimt (*1862 – †1918) bis Mondrian (*1872 – †1944) , Modersohn  (*1876 – †1907) bis Kahlo  (*1907 – †1954) & Co.

Auch Dalí (*1904 – †1989) und Miró (*1893 – †1983) sind einfach nicht tot zu kriegen. Ersterer bei Teenagern, Letzterer in Zahnarztpraxen. Über die pawlowsche Verquickung von bunten Flecken und hochfrequenten Bohrtönen müsste eine kunstpsychologische Studie angestrengt werden…

Und selbstverständlich übergehe ich den echten Deko-Kitsch, der jeglicher stilistischen Einordnung spottet, # Google Bildersuche zeitgenössische Kunst – Mein lieber Benjamin!

Ich meine, man müsste eine Schnittmenge bilden zwischen zwei Themen: Was gilt als Meisterwerk „aktueller Kunst“? + Was würde sich der Normalsterbliche zu Hause hinhängen?

Ich vermute, die Schnittmenge liegt etwa hier:

Andy Warhol – *1928 – †1987 – in 2018 seit 31 Jahren tot.

Roy Lichtenstein – *1923 – † 1997 – in 2018 immerhin 21 Jahren tot.

Keith Haring, *1958 – † 1990 – jung gestorben, 28 Jahre tot.

David Hockney, *1937 – still alive

Es muss ergänzt werden, dass unsere Kunstmuseen mit ihren Reproplakaten zur Verbesserung der Wohnkultur darüberhinaus beitragen mit beispielsweise Gerhard Richter (*1932).

Eine neutralere Sichtweise bietet womöglich der Vergleich der kuratierten Auswahl. Was darf heute in einem deutschen Museum für zeitgenössische Kunst von Rang und Namen nicht fehlen (über oben Genannte hinaus)? Ich habe nur mal sporadisch ein paar Sammlungen auf Schnittmengen verglichen, ohne wissenschaftlichen Anspruch natürlich. In der Darstellung des Resultats erspare ich mir Lebensalter und Todesdaten in der Beziehung zwischen „must have“ 1917 und 2018, sortiere aber nach Geburtsjahr, um es der Zeitschrift aus 1917 vergleichbarer zu machen.

(selbstverständlich nur Auswahl)

Jackson Pollock, *1912 – †1956

Joseph Beuys, *1921 – †1986

Robert Rauschenberg, *1925 – †2008

Donald Judd, *1928 – †1994

Sol LeWitt, *1928 – †2007

Cy Twombly, *1928 – †2011

Jasper Johns, *1930

Nam June Paik, *1932 – †2006

Frank Stella, *1936

Georg Baselitz, *1938

A. R. Penck, *1939- †2017

Imi Knoebel, *1940

Markus Lüpertz, *1941

Bruce Nauman, *1941

Sigmar Polke, *1941 – †2010

Peter Fischli  *1952 /David Weiss *1942

Rebecca Horn, *1944

Jörg Immendorf, *1945 – †2007

Bill Viola, *1951

Rosemarie Trockel , *1952

Martin Kippenberger, *1953 – †1997

Cindy Sherman, *1954

Andreas Gursky, *1955

Neo, Pippilotti, Via, Moritz sind natürlich noch Jungspuntende* mit einem Geburtsjahr ab/nach 1960. Und ich entschuldige mich,  dass an dieser Stelle bestimmte ostdeutsche Größen ganz fehlen – rein zeitlich betrachtet wäre es jedoch gleich.

Und nun auch das noch! Vor 3 Tagen ist der Erfinder des Gansta Rap gestorben mit 73 Jahren.

Da hilft nur Käster (*1899 – †1974) : „Die Zeit vergeht. Sie weiß es nicht besser.“ Aus: Das doppelten Lottchen