Projekt HEIMATSTIPENDIUM ist Preisträger des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2018

Das Projekt HEIMATSTIPENDIUM der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt zählt zu den 100 innovativen Preisträgern des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2018. Zum Jahresmotto „Welten verbinden – Zusammenhalt stärken“ zeigt das Projekt, wie durch Experimentierfreude, Neugier und Mut zum Umdenken zukunftsweisende Innovationen im Bereich der Kunst und Museumskultur entstehen können. Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und die Deutsche Bank richten den Innovationswettbewerb seit 13 Jahren gemeinsam aus.

Eine unabhängige Jury wählte  das HEIMATSTIPENDIUM unter knapp 1.500 eingereichten Bewerbungen aus. Die Kunststiftung fördert die zeitgenössische Kunst in Sachsen-Anhalt. Mit dem Sonderförderprogramm HEIMATSTIPENDIUM der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt werden Museen und Künstler*innen zusammengebracht. Seit Oktober 2017 befassen sich neun Künstler*innen aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Grafik, Fotografie und Objektkunst für die Dauer eines Jahres mit den Beständen und Sammlungen von acht Museen. Sie erhalten den Zugang zu den Einrichtungen, Archiven und Depots sowie die Möglichkeit das kulturelle Erbe in ihrer künstlerischen Arbeit zu reflektieren. Die Ergebnisse ihrer künstlerischen Interventionen werden im September 2018 in den Museen gezeigt. „Die Museen im Bundesland Sachsen-Anhalt zeugen in ihrer Vielfalt von der einzigartigen Kultur-, Kunst- und Industriegeschichte der mitteldeutschen Region. Mit dem deutschlandweit einmaligen Heimatstipendium hat die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt seit 2017 neue Wege beschritten, um museale Einrichtungen im ländlichen Raum und deren zum Teil verborgene Schätze zusammen mit Künstlern in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Dass sie dafür nun mit einem Innovationspreis ausgezeichnet wurde, freut uns und zeigt wie wichtig die Identifikation mit der Region und dem damit verbundenen kulturellen Erbe auch für die Zeitgenossenschaft ist.“, so Staatsminister Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei und Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt.

Initiative Land der Ideen

„Ausgezeichneter Ort 2018“: HEIMATSTIPENDIUM

Pressemitteilung der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt

Warm im Schloss

Im Schloss Humboldt nehme ich wieder einmal ein Stück Treppe ab. In Silikon sieht es ja am geilsten aus, so fischig.
Beim letzten Stück tropfte es dann unten raus, während ich oben nachgoß. Also unten wieder auffangen und oben wieder rein in die „Form“, solange, bis der Härter wirkt. Zum Glück war dieses mal der Sohnemann nicht dabei, so hatte ich freie Hand. Was passiert nun mit diesen Teilen? Ich denke, das sie taugen zu dem Zwecke meiner Absicht. Wehe wehe, wenn nicht ; )

Betriebsspionage I Christine Bergmann

Katalog „Wanderlust“ der Alten Nationalgalerie Berlin 2018 – jüngst eingegangen im Materiallager Bergmann

Letzte Woche war ich zur Betriebsspionage in der Bundeshauptstadt, Berlin!

Die Alte Nationalgalerie zeigt unter dem Titel „Wanderlust“ Gemälde von-bis… Dort traf ich alte Bekannte „vom deutschen Herzen“, Caspar D. Friedrich & Freunde sowie andere Künstler, die auch alle auf dem Harz herumgekrochen sind.  By the way: Der Harz kam ja erstaunlich kurz.

Der Maler Hans Thoma war mir bisher nie besonders aufgefallen. Aber dort hängt eines seiner Bild in der Wanderschau, dass einem zu 50% Hoffnung gibt, dass „das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ noch ein „Alleinstellungsmerkmal“ hat: Es ist nicht reproduzierbar.  Kompositorisch oder von der inneren Erzählung her scheint das Bild „Solitude“ eher unspektakulär. Der ganze „Inhalt“ oder auch die „Aussage“ – alles müßige Begriffe außerhalb der Literatur – transportiert sich ausschließlich durch seine Farbigkeit,  dem Kontrast aus einem Kobalt mit einem fast gleichhellen, kräftigen Grün. Im Katalog ist nichst von dieser Farbpräsens enthalten.

Abgesehen davon, dass ich im Moment eine vergleichbare Blau-Grün-Phase durchlebe (muss wohl am Thema liegen), ist mir das Reproduktionsproblem schon länger bekannt. Als W. Benjamin 1935 darüber schrieb, war das Readymade zwar schon erfunden, Fotografie und Film aber standen erst am Übergang vom Schwarz-Weiß zur Farbe.

Uns heute kommen die Farben und Perspektiven der 1940er bis 1990er seltsam verschoben vor. Dass das Medium und seine Technologie, z.B. die Objektive der Fotografie, den Blickwinkel prägen, wird uns eher selten bewußt, obwohl es offen sichtlich ist. Bestimmte Raumperspektiven in der Malerei des Jugendstil sind nicht zu trennen von den damaligen Möglichkeiten der Fotografie, wie mir jüngst der Illies Nachlass voll verdeutlichte. Auch der Abbildungs- und somit auch Wahrnehmungsraum, den ein Smartphone abbildet, unterscheidet sich fundamental von Letzteren ebenso wie von der Wirklichkeit etc.

Noch extremer wird es bei den Farben. Bestimmte Farben wie Kaltgrün, leuchtend Blau, Rosa im Übergang zu Magenta, sind nicht zu fotografieren, noch schwieriger zu drucken, obwohl es sich um „die Farben unserer Zeit“ (CMYK) zu handeln scheint. Und dann erst das Entwickeln der Fotos bis es halbwegs funktioniert! Unlösbare Hellseherei eröffnet sich dem Maler bei digitalen Bewerbungen: Wie mag die Bildschirmeinstellung des Empfängers aussehen, Mac oder Dose? Es graust einem zu hören, wenn Bewerbungen für Kunstpreise für die Jury über den Farbkopierer gezogen werden. Falls man in dieser LotterieLotterei als Maler den Zuschlag bekommt, müsste man sich eigentlich von der Jury die Farbkopien der eigen Arbeiten aushändigen lassen, damit man weiß, welche neuen Wege der Malerei einem bisher nicht bewußt waren…

Im Zeitalter der digitalen Allgegenwärtigkeit nimmt man das technische Abbild als wirklicher als die tatsächliche, materielle Existenz. Das sind dann eben die anderen 50%, wo der Optimismus des Malers gegenüber der „technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks  im digitalen Zeitalter“ Einschränkung findet.

Farbpräsens (Ausdruck, Wirkung, Aura, Farbraum – was immer man als Wort nehmen will) ist die entscheidende Kategorie, das Informationstool  der Malerei schlechthin. Alles andere ist vielleicht „gemalt“ (mit dem Pinsel hergestellt), aber es gehört doch zur Grafik.

Die Malerei ist nicht verpflichtet, die Farbe der Realität wiederzugeben, kann es aber.  Die Technik kann es nicht. Ein paar einfache physikalische Überlegungen genügen, um sich zu erklären, warum die Technik dies nicht kann (Licht, Strahlungskörper, Reflexion, biologische Optik des menschlichen Auges). Leider geht im Falle der Malerei, die wesentliche Information verloren.

rechts: Hans Thomas „Einsamkeit“ 1906, Katalog Wanderlust der Alten Nationalgalerie Berlin 2018

Es ging mir in den letzen Jahren oft so. Immer wieder stolpere ich in Italien über in Deutschland völlig unbekannte italiensche (Spät)Impressionisten. Zuhause angekommen stelle ich fest, dass es im Netz nicht halb so spektakulär aussieht. Ich entsinne mich an die sehr schöne Ausstellung der Moritzburg „Magie des Augenblicks“. Félix Vallotton kannte ich aus Büchern ohne mich erwärmt zu haben, und dann plötzlich diese Landschaft in einer einmaligen Farbpräsens zwischen Grün und Violett. Genial! Mein alljährlicher Wunschzettel für die liebe Familie umfasst immer unsäglich teure Kunstbildbände. Veronese, Corinth etc. alles Enttäuschungen in Grau und Braun.

Resümme: Schöne Ausstellung. Ich werde mein Verhältnis zu Kirchner positiv überdenken… Es war mir wohl entgangen, dass die alte Nationalgalerie Bonnard und Segantini hat ( oder waren die immer ausgeliehen?). Menzel geht immer, wobei ich das „Halbfertige“ besonderes interessant finde. Aber am allerbesten hat mir doch der Manet in der 2. Etage gefallen und ein Junge in Rot.

Hans Thoma, „Taunuslandschaft“ 1890 _ Rechts: aktueller Ausstellungskatalog 2018, links Zeitschrift „Vom Deutchen Herzen“ 1917

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen I Christine Bergmann

Eigentlich suchte ich mal wieder etwas ganz anderes im Netz und stolperte dabei über ein kleines Heftchen „Vom deutschen Herzen – Werke neuerer deutscher Maler“. Die Ausgabe vom Sommer 1917, also mitten im 1. Weltkrieg, war billig. Viel falsch machen konnte ich also nicht. Ich war neugierig: Was war denn so en vogue für den Durchschnittsbürger in 1917? Was hat er denn so gesehen vor 100 Jahren?

Eine einzelne Ausgabe kann natürlich nicht stellvertretend genommen werden. Aber das kleine Heftchen hat mich doch verblüfft. Wir rekapitulieren mal kurz ein paar Eckdaten:

Wir lassen dabei aus … die misslungene Nationalstaatsgründung mit der Revolution 1848, Deutsch-Französischer Krieg 1870/71, 1871 Gründung Deutsches Reich als Nationalstaat + Kaiserreich…..

In etwa steigen wir kunsthistorisch hier ein:

Irgendwo zwischen 1860 bis 1875 kommt in Frankreich der Impressionismus auf, mit leichter Verzögerung in Deutschland. In Frankreich „savoire vivre“ – zu leben wissen -, in Deutschland Tendenz zur Schwermütigkeit, dem Realismus mehr verwandt – Warum eigentlich?

Richard Muther schreibt am Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts noch über Lovis Corinth als aufgehendem Stern am Firmament der Malerei, welcher in Deutschland noch zu wenig Aufmerksamkeit bekommt – er hat sich nicht geirrt! Womöglich: Muthers Schriften haben den Erfolg Corinths und anderer Maler im positiven Sinne erst herbeigeredet – wer weiß es schon genau…

Etwa zeitgleich (1898) wird Käthe Kollwitz vorgeschlagen von Max Liebermann für die kleine Goldmedaille der Großen Berliner Kunstausstellung, was Kaiser Wilhelm II. ablehnt als „Rinnsteinkunst“. Im Übergang des 19. zum 20. Jh. kommt der Jugendstil in Mode. Ab ca. 1905 entstehen die ersten Tendenzen des Expressionismus, welcher kunstwissenschaftlich betrachtet ab etwa 1912 in voller Blüte steht. Daneben existieren zeitgleich weiterhin Realismus, Naturalismus, Symbolismus, Historismus… Die wenigsten Künstler lassen sich „sauber eintüten“, arbeiten mal so, mal so.

Somit Rückkehr zur Frage: Was also hat der geneigte Leser, der 1917 die besagte Zeitschrift kaufte, gesehen in der Rubrik „Neuere deutsche Malerei“.  Ich möchte es mal vorrechnen in Bezug zum Erscheinungsjahr der Zeitschrift:

Louis Eysen, *1843 -† 1899 – 1917  bereits 18 Jahre tot.

Wilhelm Leibl, *1844 – † 1900 – in 1917  immerhin  17 Jahre tot.

Ludwig Freiherr von Gleichen-Rußwurm, *1836 – † 1901 – 1917  leider  16 Jahre tot.

Otto Scholderer, *1834 – † 1902 – mit 68 verstorben, in 1917 durchaus 15 Jahre tot.

Adolph Menzel, *1815 – † 1905 – 90 Jahre geworden! Aber, es läßt sich nicht verheimlichen:  in 1917 nun auch 12 Jahre tot.

Fritz von Uhde, *1848 – † 1911 –  ist 1917 erst 6 Jahre tot!

Johann Sperl, *1840 – † 1914 – 3 Jahre zuvor verstorben.

Karl Haider, 1846 – † 1912 – somit tot.

Oskar Zwinscher, * 1870 – † 1916 – kurz zuvor verstorben.

Fritz Boehle, * 1873 – † 1916 – 43 Jahre jung gestorben. Traurig!

Wilhelm Trübner, *1851 – † 1917 – stirbt noch im gleichen Jahr.

Toni Stadler, * 1850 – † 1917 – gleichfalls.

NUN: DIE IN 1917 NOCH LEBENDEN!

Eduard von Gebhardt, 1838 – † 1925 – 1917 erst 79 Jahre alt.

Hans Thoma, *1839 – †1924 – zum Erscheinen des Heftchens 78 Jahre jung.

Wilhelm Steinhausen, *1846 – † 1924 – in 1917 mit 71 noch putzmunter.

Leopold Graf von Kalckreuth, * 1855 – †1928 – 1917 ist er 62 Jahre alt.

Viktor Thomas, * 1855 – †? – zum Erscheinen des Heftchens in 1917 offenbar noch quick lebendig, da kein Todesdatum verzeichnet. Auch bei Wiki nix zu finden.  Lebt wohl noch eine unbekannte Schrödingerexistenz?

Der Logik des Heftchens folgend nun die „Jungspunte“ unter 60 Jahren . . . Je jünger die Künstler, desto problematischer wird`s dann später mit der Biografie…

Christian Landenberger, *1862 – † 1927 – in 1917 ist er 55 Jahre alt.

Adolf Hengeler, *1863 – † 1927 – in 1917 etwa  54 Jahren.

Arthur Kampf, *1864 – † 1950 –  erhielt 1902 (mit etwa 38) die Große Goldmedaille der Großen Berliner Kunstausstellung;  in 1917 war er 53, und wurde 1944, also mit 80, von Hitler persönlich als einer von nur 4 Malern in die „Sonderliste der Gottbegnadeten“ aufgenommen.

Ludwig Dettmann, * 1865 – † 1944 in Berlin – 1894 erhielt er auf der Großen Berliner Kunstausstellung eine kleine Goldmedaille (also ca. mit 29), kam mit 79 auf die „einfache“ Gottbegnadeten Liste, welche 1041 Künstler aller Sparten zählte, auch eine ganz problematische Biografie im 3. Reich, ei-jei-jei..

Es würde wohl lohnen, die komplette NS-Liste der „Gottbegnadeten“  zu kennen. Immerhin hat es u.a. auch Gerhart Hauptmann, * 1862 – † 1946, darauf geschafft.

Die Aufzählung von Künstlern aus nur einem zufälligem Heftchen bleibt natürlich ausschnitthaft, da es sich um nur eine von vielen returnierenden Zeitschriften handelte, welche über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, erschienen. Als Parallelbeispiel:  Von 1910 bis 1932 gab es u.a. die expressionistische Zeitschrift „Der Sturm“.

In etwa steigen wir für heute kunsthistorisch hier aus:  1914 Gründung der Burg Giebichenstein Halle ; 1919 Gründung Bauhaus Weimar*

Fortsetzung folgt….

 

*ergänzend: Genau genommen handelte es in beiden Fällen nicht um „Gründungen“ sondern eher Umgründungen bzw. Reform(ierung)en, aber das führt hier zu weit…

Künstlerin spürt Harzmalern nach I Julia Bruns

Museumsleiter Olaf Ahrens und Künstlerin Christine Bergmann, Foto: Julia Bruns

 

Künstlerin spürt Harzmalern nach
Christine Bergmann bereitet mit Olaf Ahrens drei Ausstellungen vor, die reichen Schatz der regionalen Kunst zeigen

Wer sind die Harzmaler, und was zeichnet sie aus? Diesen Fragen spürt Christine Bergmann ein Jahr lang nach. Die Künstlerin aus Halle interpretiert die Motive teilweise neu. Ihre Ergebnisse und an die 100 Gemälde der großen Harzmaler werden im September an mehreren Orten präsentiert.

Der 7. September wird ein aufregender Tag für Christine Bergmann. Die Malerin darf an diesem Tag gleich drei Ausstellungen mit eröffnen – eine davon komplett mit ihren Werken bestückt. Und die Gemälde, die sie dann der Öffentlichkeit präsentieren will, hat die 41-Jährige möglicherweise heute und morgen, in den zurückliegenden acht und in den nächsten vier Monaten gemalt. Bergmann ist Heimat-Stipendiatin.

9 Künstler, 8 Museen in Sachsen-Anhalt. So das Prinzip. Die gebürtige Dessauerin, die in Halle lebt, hat das Los gezogen, sich in Wernigerode mit den Harzmalern auseinandersetzen zu dürfen. Dafür fährt sie immer wieder zum Harzmuseum, analysiert Bilder in der Dauerausstellung und im Depot, geht in die Wälder, um den Orten nachzuspüren, die Pramme, Illies, Jüttner und Hallbauer einst auf Leinwand gebannt haben. Sie ordnet die Gemälde in die Geschichte ein. „Für meine Stipendiumsarbeit male ich auch Bilder nach denselben Fotografien, die die Künstler selbst verwendet haben, und interpretiere die Motive neu“, verrät sie. Etwa 20 bis 30 Gemälde – Leimfarbe auf Leinwand – werden so entstehen. Gezeigt werden sie im Schiefen Haus. Aufgeregt ist Christine Bergmann schon jetzt.
Zum Internationalen Museumstag am Sonntag hat sie Olaf Ahrens, Leiter des Harzmuseums und des Archivs, bei einer Führung durch das Depot unterstützt. Die Führung ist ein erster Vorgeschmack auf die beiden weiteren Ausstellungen, die am 7. September öffnen: Im Harzmuseum werden dann Gemälde der Harzmaler des 19. Jahrhunderts gezeigt. In Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturverein präsentiert die Stadt Werke des 20. Jahrhunderts in der Galerie 1530. 80 bis 100 Bilder wählen Ahrens und die Malerin derzeit aus dem Schatz des Depots für die Ausstellungen aus.

Andrang im Depot

400 Gemälde und etwa 1200 grafische Blätter und Aquarelle sind im Depot untergebracht, verrät Olaf Ahrens den Gästen. „Wir haben einige wenige ausgewählt, die herausragen“, kündigt er an. „Bei Bruno Jüttner sind wir uns noch nicht ganz einig. Denn Frau Bergmann hat ihre eigene Sicht auf die Kunst.“ Als Künstlerin bewerte sie die Bilder naturgemäß auch aus technischer  Perspektive.
Umso schwärmerischer betrachtet sie die Werke von Otto Illies. Der Großteil der Stunde, die die beiden Fachleute über Harzmalerei sprechen, widmen sie dem 1881 im japanischen Yokohama geborenen Künstler, der aus einer wohlhabenden Hamburger Handelsfamilie stammt und erst 1924 in den Harz kam. Sein Selbstporträt aus dem Jahr 1913 ist das erste Werk, das die Besucher betrachten.
„Otto Illies ist mir sofort aufgefallen“, sagt Christine Bergmann. „Er ist voll auf der Höhe seiner Zeit. Sein Umgang mit der Farbe zeigt, dass er ein expressiver Impressionist ist.“ Fallende Linien, der erfrischend sparsame Einsatz von Weiß – die bildende Künstlerin erläutert, was ihr auffällt, wenn sie vor den Bildern steht. Die Besucher hören gespannt zu. Auch Ludwig Hoffmann, Wernigerodes früherer Oberbürgermeister ist unter den Kunstinteressierten. „Otto Illies war Mitglied der evangelischen Bekenntnisgemeinde in Wernigerode, die nationalsozialistisch kritisch war“, wirft er ein. Illies, der sich eine Villa mit großzügigem Anwesen im Zwölfmorgental bauen lies, sei auch schriftstellerisch aktiv gewesen, berichtet Ahrens.

Uneins über Bruno Jüttner

Er greift ein Gemälde von Christian Hallbauer, dann ein  zweites. Das erste stammt aus seiner Zeit in Wernigerode, wo er 1900 geboren wurde. Ein klassisches Baumporträt. Das zweite ist aus den 1950er Jahren, als er bereits in Norwegen lebte, wo er 1954 verstarb. Das Oeuvre des Malers, dem unter den Nazis ein Berufsverbot auferlegt wurde, könne in zwei Phasen unterteilt werden. „Die erste ist eher statisch, unbewegt: Klassische Landschaften mit Brockenblick. Ich finde die zweite Periode interessant“, sagt Christine Bergmann. Geheimnisvolle Fjorde, nicht ganz so detailreich, dafür stimmungsvoller seien die Bilder.
Weniger kann sie den Werken des 1880 in Wernigerode geborenen Bruno Jüttner abgewinnen. „Ich fühle mich nicht so angesprochen wie von Otto Illies‘ Bildern. Interessant ist, dass sie unmittelbare Zeitgenossen waren.“ Olaf Ahrens präsentiert ein Bild, das viele noch nie gesehen haben.
Galerist Richard Küster drängt nach vorne, näher will er das Gemälde, das eine Winterlandschaft zeigt, betrachten. „Das habe ich noch nie gesehen, mir gefällt es unwahrscheinlich gut“, sagt er. Olaf Ahrens empfindet die Kunst Jüttners als „einfach schön und stimmungsvoll, manchmal vielleicht sogar zu gefällig“.
Im zweiten Raum des Archivs zeigen Ahrens und Bergmann Werke von Georg Heinrich Crola, Ernst Helbig und Ernst-Walter Gemm, unter anderem ein Bild des Forsthauses im Christianental.

Wenig Geld für neue Bilder

Nur ein sehr kleiner Teil der 400 Gemälde in Besitz des Harzmuseums stammen aus dem 19. Jahrhundert. „Bei Helbig würde ich vermutlich noch einmal schwach werden, wenn eines seiner Bilder in einer Auktion auftaucht“, gesteht Olaf Ahrens. „Aber den können wir uns vermutlich nicht leisten.“ Einige wenige Tausend Euro stehen dem Harzmuseum für die Anschaffung neuer Gemälde im Jahr zur Verfügung. Verkauft werde nichts.

Museumsleiter und Künstlerin vor einem Gemälde von Otto Illies, Foto: Julia Bruns

Harzrausch I Christine Bergmann

Berufsbedingt leide ich an der typischen Krankheit der Maler: Italien.

Ein Jahr ohne Italien ist ein verlorenes Jahr. Wenn ich aus Italien heimkehre, freue ich mich zutiefst in die mitteldeutsche Landschaft zurückkehren. Mitteldeutschland ist ebenso faszinierend in seiner Dichte an historisch bedeutsamen Orten und schöner Kulturlandschaft. Überall stolpert man über Burgen, Klöster, größere und kleiner Schlösser, Parkanlagen, Naturdenkmäler, Felder, Wälder…..Nichts daran ist „echte“ Natur, alles „Zeugnis“.

Komisch eigentlich: Italien gilt als malerisch, aber rumlaufen, im deutschen Sinne „wandern“ kann man dort nicht. Bosco ist nicht Wald. Mitteldeutschland hat Wetter, ist erzählerisch. Woher kommt eigentlich die merkwürdige Verdrehung der Bezeichnungen: „Romantik“ von „romanhaft“ , aus „römisch“ im absurden Gegensatz zu „lateinisch“, als Bezeichnung einer ganzen Malereigattung, obwohl man in DE über das eigene Land mehr und besser dichtete als man das Land der Träume, IT, malte?

Na, lassen wir das …

Im Harz. Proper herausgepäppelte stehen im Kontrast zu völlig maroden Fachwerkstädtchen – Wieso werden an einem Ort die Touristen busladungsweise ausgekippt und ein paar Kilometer weiter verfällt ein Kleinstädtchen mit ebenso traumhafter Bausubstanz? Verstehe ich nicht. (Oder ich stelle mich an dieser Stelle lieber etwas dumm… )

Aus meinem Domizil in ehemaliger Zonenrandlage fahre ich auch mal schnell nach Braunschweig. Letzteres ist näher an Wernigerode als Halle! Dort im Museum Herzog Anton Ulrich – wunderbare Sammlung! – wundere ich mich über 2 äußerst ähnliche Gemälde. Laut Museumsexpertise stammt eines von Tintoretto, das andere von Veronese, Freunden und Konkurrenten sondersgleichen. Letzteren liebe ich besonders innig, ohne mich zum Experten aufzuschwingen. Kommt mir spanisch vor. Naja, die Experten werden es schon wissen….

Einmal fahre ich spät Abends durch den Harz von Halberstadt nach Abbenrode. Kaum Mondlicht, Dörfchen ohne viel Elektrozauber, enge Kurven werden begleitet vom „Tanz der Furien“ aus Glucks „Orpheus und Euridice“ gefolgt von „Ach, ich habe sie verloren“ (1762) – Der musikalische Wahnsinn!

Ich bin kein übermäßiger Fan von Wagner, aber die DLF Begleitung „Wagner für Klavier zu 4 Händen“ zwischen Teufelsmauer und Ritterburgruinen ist an einem Sonntag Nachmittag auch recht intoninierend, quasi die Vorwegnahme der Musik zum Film.

An einem Mittwoch gen Abend entscheide ich mich auf dem Heimweg die B6 zu verlassen und wähle ab Aschersleben die Landstraße. Der Frühling ist gerade erst Grün und Weiß hervorgekrochen.

Um 20 Uhr habe ich eine Verabredung mit der Kunstgeschichte:

Ich fahre durch menschenleere, blühende Landschaften. Kleine Örtchen, kein Mensch auf der Straße – gucken wohl alle preußisch diszipliniert die Tagesschau? Die Sonne geht unter: Vor sattem Samtgrün stehen schwarze Baumstämme und reflektieren ein überirdisches Orange. Irre! Keiner auf der Straße, wie im Sience-Fiction, nur ich bummle dahin im Schritttempo Autostromern wie „der letzte Mann“.

Der Deutschlandfunk sendet punktgenau ein Sonderfeature: Tintoretto, dem Färber, zum 5oo. Geburtstag.

 

PS. Musik statt Bild zum Schluss…

Residenz mit Muskelkater – allein im FLM Diesdorf

Die erste Woche (zumindest nachts allein im Museum) ist geschafft.

Mein Haus:

Bei Regen, Sturm und Gewitter darf ich im Kossatendoppelhaus Schutz suchen und meinen ganzen Klimbim verstauen. Direkt dahinter liegt meine Arbeitsstätte und rechts davon die Bockwindmühle.

Mein Nachbar:

Der Hase. Nicht im Bild das Rotschwänzchen, welches im Haus nistet. Der Wolf wurde hier auch schon gesichtet. Neben dem Kuckuck, würde ich so sehr gern den Wolf mal mit eigenen Augen sehen.

Einer aus meiner Heimat:

Der Mann ist ein Hühne (für die Proportion) und sein Navi versagte auf den Weg nach Diesdorf!!! Versteckspiel auf allen Ebenen – wir lotsten ihn per Telefon über die Straßen.

Meine Aufgabe:

Ich hab, glob`sch ni alle Tassen im Schrank!

Meine Kommunikation zur Außenwelt:

An diesem Zaun (circa 2 m weg der Steine) trifft sich jeden Tag neuerdings ab 16 Uhr die Umgebung. Busch (Zaun)-Funk mit Interviews und Fotoshooting. Themen: Glaube, Kommunismus, Elitepartner, Kreislaufschwäche und Kurschatten. Das glaubt mir keiner.

Muskelkater, Sonnenbrand, Blasen und gutgelaunt:

Vier Tage.

Ja, und nachts ist dieser verrückte Kuckuck unterwegs, die Fledermäuse sind auf Jagd, die Frösche und Kröten geben Konzerte, es ist nachtschwarz mit gigantischem Sternenhimmel, Gespenster habe ich leider noch nicht getroffen.

Versteckexperten auf Zeitreise FLM Diesdorf

In den Pfingstferien gingen die Hortkinder der Grundschule „Dr. Georg Schulze“ aus Diesdorf auf eine Zeitreise im Museum. Besonders wurden hierbei die Gerätschaften unter die Lupe genommen. Wir starteten unsere Reise mit nichts geringerem als der Bockwindmühle. Dank Frau Heidemann, durften wir auch einen Blick ins Innere dieses sehr raumgreifenden Gerätes werfen. Im Dunkeln (Fensterlosigkeit) tappten wir über halsbrecherische Treppen und bestaunten die Zahnradtechnik der vorindustriellen Revolution.

Den Zaubermantel (magisches Tuch, welches Unsichtbarkeit verleiht) hatten wir auch wieder im Gepäck.

Nach der eindrucksvollen Führung durch die Mühle kam die Erkenntnis: was eine Kuh in einer Stunde schafft (durch Körperkraft), kannst du einem Ochsen 100 Jahre lang versuchen, beizubringen. Dumme Kuh versus blöder Ochse. Theorie versus Praxis. Die Forscher schritten nun selbst zur Tat und mahlten Gerste zu Spreu, diese zur Kleie und ganz Kräftige zu Mehl.

 Es erforderte ganz schön Kraft und Ausdauer den oberen Mahlstein in Bewegung zu setzen. Aus dem Löchlein (dem Kleiekotzer) kam dann mühsam die Spreu, die wieder und wieder gemahlen wurde. Es erfordert mehrere Durchläufe bis man sich etwas Mehl erarbeitet hat.

Auf diese Art, wurde gemahlen, wer keine Handmühle hatte. Finn war nach dieser Anstrengung der Meinung, für ein Brot reichen 2 bis 3 Gramm Mehl. Das macht durstig. Strohhalme gab es auch schon vor 200 Jahren:

Am nächsten Tag erkundeten wir die Wohn- und Werkhäuser des Museums, wir bestaunten die verschiedenen „Küchen“, die riesigen Wasserkessel, die winzigen Betten, die Strohmatrazen, das luxuriöse und transportable Holzklo, die Kinderspielzeuge (Stohbarbie, Schaukelpferd und Puppenhaus), verwechselten den Brotteigtrog mit der Badewanne, kehrten mit dem Reißigbesen den Hof, rußten uns die Finger schwarz, begutachteten die Gänsekiele in der Museumsschule, posierten für Frau Pelczarski von der Volksstimme im Backhaus, suchten den Brunnen und entdeckten 3 Millionen Kaulquappen. Resultat: die Forscher sind froh jetzt zu leben und eine Zeitreise macht schon Spaß.

Am letzten Tag: glückliche Gesichter und eine extra Portion Versteckspiel auf Zeitreise. Wir suchten nach dem Verborgenen im Stein. Specksteine wurden geraspelt, gefeilt, geschliffen und poliert – zum Schluß mit Wasser beträufelt und Voilá: wir fanden die schmeichlerische Weichheit, die Maserung und die Farbigkeit dieses „Gesteins“.