Für Susette (Mareen Alburg Duncker)

Ich nutze die Zeit des verlängerten Lockdowns und vertiefe mich in die Biografie von Susette Freund. Schon seit Beginn des Stipendiums habe ich mich intensiv mit ihr beschäftigt, sehr persönlicher Kontakt besteht seit November 2020 zu ihrem Enkel Rodney Martel. Er lebt in Minneapolis, USA. Viele Einzelheiten und Fotos sind durch seine Recherche erhalten geblieben und darauf kann ich für meine Arbeit zurückgreifen. So formt sich das Bild einer starken Frau mit jüdischen Wurzeln, die sehr gebildet, weltoffen und humorvoll war. Die Heimatstadt von Susette Freund war zeitlebens Berlin, von wo aus sie schon mit ihrem Vater und später mit ihrer Tochter viele Reisen unternahm. Mit fortschreitender Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verändert sich die Situation dramatisch und Susette trennt sich 1937 von ihrer 21jährigen Tochter. Diese verlässt Deutschland und zieht zu ihrem Vater nach Kalifornien. Mutter und Tochter sehen sich nie wieder. Susette Freund wird gegen Ende 1941 verhaftet und in das KZ Ravensbrück transportiert. Mit dem Aktenzeichen „14 f 13“ wird sie als Jüdin deklariert und in Bernburg vergast. Das fiktive Todesdatum ist der 12. März 1942, Susette Freund ist 51 Jahre alt.

Susette Freund, 1937 im Harz

Auch ich lebte lange in Berlin, wodurch dieser zweite Gedenkschmuck für mich eng verbunden mit dem Heimatbegriff ist. Als Material für den Armschmuck verwende ich Kirschholz aus dem Garten meiner Schwester in Berlin. Es ist an einigen Stellen gerissen, wohl eigentlich für diesen Zweck unbrauchbar. Ich möchte diesen Aspekt symbolisch in die Arbeit einbinden. Trotz der Makel ist es ein schönes Holz. Es wird durch die Gestaltung einen ideellen Wert bekommen.

work in progress – Kirschholz

Zur Fertigstellung des ersten Gedenkschmuckes für Ruth Rosa Mühlmann erschien ein schöner Beitrag in der Bernburger MZ. Vielen Dank an die Redakteurin Susanne Schlaikier dafür!!

MZ Bernburg, 8.2.2020