Feine Lette

‚Eine Handvoll Heimaterde ist mehr wert als zehntausend Pfund fremden Goldes.‘
Wu Cheng-En

Für das Bergbaurevier im Brennglas der Erkundungen zum Thema Heimat laufen diese Gedanken eine weitere Kurve ab. Denn der Wert der ‚Heimaterde‘ prägt Landschaft, Traditionen und Gemüter. Seit jeher sind Bergbau, Kunst, Handwerk und Kunsthandwerk eng verbunden. Schließlich fördern die Bergmänner das Material zu Tage, das Alltag und Kunst trägt.

Für meine Versuche mit der ‚Heimaterde‘ hat mir Thomas Wäsche höchst selbst „Material aus dem Schacht geborgen, Schichtpaket, welches die Bergleute dereinst gewonnen haben, um Silber, Kupfer und die anderen Metalle heraus zu schmelzen. Von dem Kupferschieferflöz liegt nun die weiche, mulmige „Feine Lette“, die eine tiefschwarze Farbe hat“, in meinem Atelier in Halle und schmiegt sich an Papier und Fixativ, geht Freundschaft mit Reiskohlepulver und Pastellen ein. Wir fühlen uns ganz wohl bei einander und eine Reihe von Experimenten führt zu erstaunlichen Ergebnissen.
Die Feine Lette lässt sich als künstlerisches Material ebenso verwenden wie die groben Stücke des Schiefergesteins – mit Ihnen lassen sich Strukturen auf dem Papier abzeichnen. Sie lasten auf dem Papier, lassen sich schwer beräumen, neigen dazu, es zu verletzen. Es muss sortiert werden. Neben dem Papier entsteht eine kleine Halde.

Thomas Wäsche: ‚Bei uns steht noch reichlich „unverritztes Feld“ an, weil der Metallgehalt oft nicht lohnend genug war. Am Hauptgubenlüfter, rund 650 Meter vom Röhrigschacht entfernt und rund 250 Meter unter der Tagesoberfläche, haben wir Noras Material abgebaut. Hierher kommen auch die Gäste des Schaubergwerks auf ihrer untertägigen Tour.‘ 

Es entstehen groß- und kleinformatige Arbeiten. Einige davon sind bereits in der Ausstellung HEIMATHORIZONTE in den Räumen der Kunststiftung in Halle zu sehen. Im November schon kehrt das Material in verwandelter Form ins Revier zurück, wenn die Ausstellung meiner Arbeiten in Wettelrode eröffnet ist.

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