Die Idee

Liebe Freundinnen und Freunde guter Kunst!

Bereits zwei Mal hat die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt ihr HEIMATSTIPENDIUM aufgelegt, Ich freue mich, Ihnen die teilnehmenden Museen und Gedenkstätten sowie die beteiligten Künstlerinnen und Künstler auf dieser Website vorstellen zu können. Wenn Sie sich durch diese Website durchklicke, befinden Sie sich auf einer Heimatreise und begegnen dabei Spuren, die auch unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten hinterlassen haben. Der Begriff Heimat hat in den vergangenen Jahren Zündstoff für Diskussionen geliefert und mitunter heftige politische Kontroversen ausgelöst. Aber ist das Wort Heimat damit schon vernutzt? Oder könnte es nicht so sein, dass das Synonym für Herkunft und Zugehörigkeit und persönliche Wurzeln auch ein Indikator für neue kulturelle Themen darstellt? 

Natürlich ist auch die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt damit konfrontiert, dass es nicht mehr reicht, wenn sich die Heimat einfach nur schön macht. Sie ist mit einem gewaltigen gesellschaftlichen Strukturwandel konfrontiert, hat Antworten auf die Klimakrise zu geben und ungelöste soziale Fragen zu beantworten. Viele Menschen mussten sich in den vergangenen Jahren eine neue Heimat suchen. Andere sehen ihre Heimat herausgefordert. Es geht um neue Formen des Gemeinsinns und des Miteinanders, aber auch um einen Blick in eine verbindende Geschichte. Heimat ist für viele eine Chiffre für sehr unterschiedliche Phänomene, Gefühlslagen und Identitäten. Künstlerinnen und Künstler reagieren auf gemeinschaftliche Erfahrungen, vertraute Orte und tief prägende Landschaften naturgemäß auf ganz eigene Weise. 

Die schöne historische Gewissheit, dass in Deutschland Großes immer im Kleinen entstanden ist, treibt auch das zweite HEIMATSTIPENDIUM an. Die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt versucht, mit aktueller Kunst Impulse in Heimatmuseen und Gedenkstätten zu vermitteln. Es geht darum, kreative Prozesse in kleinen Städten und Dörfern zu unterstützen und die Häuser in ihrer Bedeutung auch überregional bekannt zu machen. So sind bemerkenswerte künstlerische Werke, die auch als Modelle und Instrumente zur Verortung von Heimat im ländlichen Raum angesehen werden können, entstanden. In den sehr unterschiedlich gelagerten Projekten wurden Befindlichkeiten und kulturelle Identitäten in der Region genau erkundet. Es konnten zum einen Konzepte realisiert werden, die das Engagement für die Heimat zum Inhalt hatten. Zum anderen wurde partiell eine Teilhabe der Bewohnerinnen und Bewohner, an den Kunstprojekten ermöglicht. Das Heimat-Motiv wurde neu befragt; Kontroversen eingeschlossen. 

Die Künstlerinnen und Künstler fühlten sich in den Heimatmuseen und Gedenkstätten wunderbar eingeladen, die Türen zu den einzigartigen Sammlungen waren weit geöffnet. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten kamen mit Neugier und gingen mit der Erkenntnis, wie wichtig gerade diese Orte für eine kleine Stadt, für ein Dorf, für eine Region sein können. Man kann dort erfahren, wie wir wurden, was wir sind. Die großartigen Sammlungen erzählen davon. Besonders das Heimatmuseum gilt seit dem frühen 19. Jahrhundert unverändert als geschützter Raum. Schon Synonyme wie „Heimatstube“ oder – liebevoll – „Gemischtwarenladen“ deuten an, dass es in gewisser Weise für diese Häuser einen Ausnahmestatus beim Sammeln von Zeugnissen der Kultur des Alltagslebens an kleineren Orten gibt. Aber Heimatmuseen verändern sich eben auch, weil sie es nicht mehr mit einer Monokultur zu tun haben, sondern mit tausend unterschiedlichen Geschichten. Gleichwohl wird ihnen eine Ausnahme von den Zumutungen des rasanten Alltagslebens zugebilligt, es sind Orte der Entschleunigung. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Gegenstände einer Sammlung und die Gegend um „ihr“ Museum herum einander entsprechen, ist oft frappierend. Die Institution Heimatmuseum bewahrt, nicht zuletzt durch die beständige Materialität der ausgestellten Werke, eine nachhaltige Form gegen das Auf und Ab der Zeitläufte in einem kleinen Ort. Es gibt Exponate, die in anderen Museen vielleicht übersehen oder nie gezeigt werden würden. Teilweise werden Seitenwege der Kulturentwicklung in diesen Sammlungen dokumentiert, und es wird Raum für außergewöhnliche Begegnungen aus allen Bereichen des Lebens geboten. 

Die Heterogenität und die mitunter schillernde Ambivalenz der gezeigten Objekte bieten die Möglichkeit, einen wahrhaften Heimathorizont zu eröffnen, um mit Peter Handke zu sprechen. Das sind dann eben die Geschichten von Hiersein, Anderssein, auch von Fremdsein. Heimatmuseen haben das Privileg, Großes im Kleinen zu entdecken und auszustellen. Sie machen so auch marginalisierte Kulturgüter sichtbar. Gleichzeitig suchen sie den Anschluss an die Gegenwart, an veränderte Erwartungshaltungen, an kluge neue Erzähltechniken, an Formen von Partizipation und Teilhabe. Das Abenteuer zeitgenössische Kunst war für die Museen Wagnis und Glück zugleich. Und alle haben sich darauf eingelassen! 

MANON BURSIAN 

Vorstand der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt

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