Ein Schatz wird gehoben (Lucie Göpfert, Heimatstipendiatin für das KULTURQUADRAT Schloss Zörbig)

Foto: Matthias Ritzmann © Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Jippie!!! Endlich ist es soweit: Mein Heimatstipendium geht los.
Am Donnerstag, den 23.07.2020 gab es den ersten Termin im KULTURQUADRAT Schloss Zörbig, meinem Stipendiumsort. Das war ein ganz besonderer Termin, einer mit lautem Trommelwirbel und mit einem Schatz, verpackt in GURKENKISTEN.

Mitarbeiterinnen der Kunststiftung und des Museums, Medienvertreter, Personen aus der Politik, der Zörbiger Bürgermeister und ich durften dabei sein, als der Nachlass von Victor und Clara Blüthgen zum ersten Mal seit langer Zeit öffentlich präsentiert wurde. Er schlummerte in Gurkenkisten, verstaubt und beinahe vergessen, auf dem Dachboden des Schlosses Zörbig.
Der Museumsleiter Stefan Auert-Watzik hatte kurz zuvor die Gurkenkisten geöffnet und deren Inhalt zum ersten Bestaunen aufgebaut: Dinge aus dem Leben des Ehepaars Blüthgen wie Gedichte, die teilweise noch nie veröffentlicht wurden,, Tagebücher, gesammelte Presseartikel über Victor Blüthgen aus seiner Zeit, Briefe, Fotoalben, Geburtstagstelegramme uvm.
 Was für ein Moment!!! Ich freute mich wahnsinnig.

Foto: Matthias Ritzmann © Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Doch zum Anfang des Tages: Noch weit vor dem offiziellen Termin traf ich in Zörbig ein. Mit dem Museumsleiter, Herrn Auert-Watzik, und dem Bürgermeister von Zörbig, Herrn Egert, war ich in der Stadt verabredet. Am Fröbelkindergarten „Rotkäppchen“ soll die Feuerschutztreppe gestaltet werden und ich wurde eingeladen, dies zu übernehmen. Der Kindergarten ist etwas ganz besonderes, nämlich der älteste durchgängig betriebene Kindergarten Deutschlands. Er ist außerdem einer der „FrauenOrte“ in Sachsen-Anhalt, der in engem Kontakt zum KULTURQUADRAT steht.

Nach einer ersten Besichtigung dieses Nebenschauplatzes meines Stipendiums staksten Stefan Auert-Watzik und ich über das Zörbiger Kopfsteinpflaster zum Schloss. „Ist ja wie in Halle“, dachte ich.
 Im Museum bekam ich eine kleine Führung durch die Räume im Haus inklusive Dachboden. Hier lagern viele Schätze (Sammeltassen, Kerzenständer, ein Anzug von Victor Blüthgen, Hauben, Kleider …). Es ist so spannend. Bald darf ich offiziell in jede Schublade des Archivs schauen und alle Schätze des Museums entdecken!!! Juchuuuu!

Nun machten wir uns bereit für den Medientrubel. Noch ganz in Ruhe konnte ich den schön drapierten Schatz einen kurzen Moment beschauen. Ich bin verliebt in die Fotos (besonders in ein Bild von Clara mit einem riesengroßen, weißen Hund), in gebunden Bücher und Büchlein mit Originalhandschriften. Auch Claras Zeichnungen sind toll. Aber Mist, ich kann leider Blüthgens Handschrift nicht lesen. Noch nicht?
Das Öffnen der Gurkenkisten wurde zu einem Medienereignis.
 Es kündigten sich Rundfunk und Regionalfernsehen an und es wollten Reporter diverser Zeitungen kommen. Wie toll, dass so ein reges Interesse am HEIMATSTIPENDIUM und an Victor Blüthgen besteht!
Es ging los, der mdr rollte ein. Das Gewusel begann: eine Kamera wurde aufgebaut, die ersten Corona-Ellenbogen-Grüße getauscht, ich gab das erste Interview. Mir wurden nacheinander immer wieder Personen vorgestellt, weitere Interviewfragen gestellt, zwischendurch kurz eine Kameraaufnahme gemacht. Bitte noch ein Foto mit dem Bürgermeister, bitte eines mit der Politikerin. Mein Kopf rauchte.
Dann endlich war er da, der Moment, in dem der Schatz feierlich präsentiert wurde.
 Leider wurden keine Kisten entpackt, dafür war gar keine Zeit. Stefan Auert-Watzik erzählte unterhaltsam und lebendig die Geschichte der Blüthgens, des Schatzes, des Museums, und des HEIMATSTIPENDIUMS. Ich wurde herzlich mit einem Blumenstrauß begrüßt und war und bin immer noch total gerührt über diesen warmen Empfang.
Im Anschluss ging das Gefilmt- und Fotografiertwerden weiter.

Foto: Matthias Ritzmann © Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Kurz darauf war ich schon wieder zu Hause in meinem Atelier. Das mdr-Team wollte noch Aufnahmen in meiner Arbeitsatmosphäre machen. Ich zeichnete eine Schnecke und redete über das Illustrieren (glaube ich, ich habe fast alles vergessen, es war so viel los) und wurde dabei von allen Seiten gefilmt. Und dann waren Kamera und Team plötzlich weg.
Und es wurde still.
Und ich konnte durchatmen.
Und ich musste mich setzen.
Jetzt geht es los, mein HEIMATSTIPENDIUM. Ich freue mich auf alles, was kommen wird! Das wird ein irres Jahr!
Danke Kunststiftung, dass ich Teil des Ganzen sein darf und dass ich die Chance hatte, bei diesem einzigartigen Moment dabei zu sein.

* Heimatdiary von Lucie Göpfert