ERINNERN (Gedenkstätte Bernburg – Mareen Alburg Duncker)

Heute vor einem Jahr wollte ein Antisemit in der Jüdischen Synagoge hier in Halle ein Blutbad anrichten. Die Tür hielt stand. Ermordet hat er dennoch zwei Menschen.

STILLE

An diesem grauen Tag füge ich einen Beitrag zu diesem Blog hinzu, weil die Umstände so dicht an meinem Thema sind. Ich beschäftige mich derzeit sehr viel mit den persönlichen Daten und Fotos einiger Opfer der „NS-Euthansie“, die ich von der Gedenkstätte Bernburg schon erhalten habe. Die einzelnen Puzzlestücke zeigen mir ein Bild von dem Menschen, für den ich einen Schmuck entwerfen werde.
Stück für Stück nähere ich mich diesem schweren Thema deutscher Geschichte an, muß aber zwischendurch Abstand nehmen, damit mich die Emotionen nicht überrollen.

Neben den persönlichen Daten und Fotos beschäftige ich mich auch mit den Orten, an denen die Opfer gelebt haben, mit den Anstalten, in denen sie verwahrt wurden, mit dem letzten Gebäude, daß sie gesehen haben, als sie mit dem blauen Bus auf dem Bernburger Klinikgelände ankamen.

Dazu konnte mir Anke Triller sehr viel berichten. Sie ist die Koordinatorin der Frauenorte in Sachsen-Anhalt und besuchte mich am Mittwoch in meinem Atelier. Auch die Gedenkstätte in Bernburg gehört zu den 51 Frauenorten in unserem Bundesland.

 

Ein erstes Treffen in der Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ in Bernburg (Mareen Alburg Duncker)

Nach einer spannenden Telefonkonferenz im Mai und vor einer kurzen Sommerpause im August stand der Termin für eine Fahrt in die Gedenkstätte fest. Gemeinsam mit der Kuratorin Ines Engelmann und der Redakteurin Ines Godazgar fuhr ich als Heimatstipendiatin am 14.7.20 nach Bernburg, um dort die Leiterin der Gedenkstätte Frau Dr. Hoffmann und ihre Stellvertreterin Frau Gebauer persönlich kennenzulernen.
Meine Neugierde paarte sich mit Aufregung an diesem heißen Tag. Wir wurden sehr herzlich empfangen und besprachen im neutralen Konferenzraum die Vorstellungen unserer Zusammenarbeit. Ich erläuterte mein Vorhaben, für einige der hier ermordeten Opfer einen Gedenkschmuck anzufertigen, und stieß auf große Zustimmung.

Foto: Ines Godazgar

Ich war und bin begeistert über die unkomplizierte und so offene Zusammenarbeit mit ganz konkreten Ideen. Ich erhielt schon jetzt die Zusicherung, daß die entstehenden Stücke in das Ausstellungskonzept eingebunden werden sollen. Und auch den Vorschlag von Frau Dr. Hoffmann, daß sie mir eine Vorauswahl an Lebensläufen mit Bildmaterial von Opfern als pdf-Dokumente zusendet, nahm ich gerne an. Nachdem ich mich intensiv mit dem vorliegenden Material beschäftigt habe, werde ich für einige der hier ermordeten Menschen einen persönlichen Gedenkschmuck anfertigen.
Nach unserem Gespräch suchte ich das Kellergeschoß mit Gaskammer, Sektionsraum und Krematorium der Gedenkstätte auf. Ich wollte die Atmosphäre in Ruhe auf mich wirken lassen und auch die vielen Informationen der Dauerausstellung  Die Vernichtung der „Unbrauchbaren“ lesen. Besonders bewegend war für mich, wie schon beim ersten Besuch der Gedenkstätte, die Betrachtung der Fotowand mit Bildern der Opfer. Die Wirkung ist stark, der Blick in die Gesichter schafft Nähe und Sprachlosigkeit zugleich. Sie werden wichtige Inspirationsquellen für meine Arbeit sein.

Foto: Ines Godazgar