Acht Wochen ohne Regen (FLM Diesdorf)

Wir begutachten die Kartoffelpflanzen, zum Glück keine Kartoffelkäferlarven. Wir untersuchen die Gerste. Das Gras ist gelb. Die Kirschen reif. Die Erde trocken. Sorgenfalten. Die Gärten werden stundenlang bewässert. Die Schnecken sind auf ihren Wegen vertrocknet. Wir warten auf Regen. Hin und wieder Unwetterwarnungen, Wolken brauen sich zusammen und ab und zu kommt Wind auf, die Erde fliegt weg (dann tragen wir Schutzbrillen) aber kein richtiger Tropfen fällt. Donnerstag morgen die Sonne scheint, es ist mal wieder Unwetter mit Temperatursturz angesagt ….

Es ist morgens halb 10. Vielleicht kommt Wasser. Koche mir erst mal Kaffee (mit Wasser, solange das noch geht).

Es ist zwar deutlich abgekühlt, doch das bißchen Regen reicht noch lange nicht. Wir haben sogar die Flaggen rausgeholt (Regenzauber).

Naja, das Glück dieser Erde, liegt auf den Rücken schlafender Pferde.

Besonderheiten im Museumsdorf – FLM

Für Schwatzhaftigkeit gibt es 4 Schläge mit dem Rohrstock auf die Finger! So sprach Herr Klaas, der Museumsdorfschullehrer.

Bei Sonnenuntergang wird im Freibad nebenan geschossen.

Letztens haben sich junge Mädchen als Kühe verkleidet und Autofahrer um Geld erpresst. Ein regionaler Brauch.

Die Waschbären in meiner Hütte haben Junge.

Circa 20. 000 Kröten erproben den Landgang.

Luzia Werner war auch da. Verrückt – steht aber so im Gästebuch des Museums.

Einmal am Tag fliegen die Kampfjets.

Die Wäsche meiner Vorfahren.

Die schönste Zeit im Jahr. Rittersprorn und Fingerhut. Alles blüht, weil Christel bei Sonnenauf- und – untergang unermüdlich gräbt, rupft, zupft, gießt … acht Gärten brauchen täglich Zuwendung.

Die Zirkusnummer mit der Bela Russ. Dazu gibt es keine Fortos, dass war einfach zu abenteuerlich und lebensgefährlich. Doch am Ende steht ein Stein. Danke an Uwe, Holger, Manfred und Herrn Grothe und den (am ruhigsten gebliebenen) Traktoristen.

Residenz mit Muskelkater – allein im FLM Diesdorf

Die erste Woche (zumindest nachts allein im Museum) ist geschafft.

Mein Haus:

Bei Regen, Sturm und Gewitter darf ich im Kossatendoppelhaus Schutz suchen und meinen ganzen Klimbim verstauen. Direkt dahinter liegt meine Arbeitsstätte und rechts davon die Bockwindmühle.

Mein Nachbar:

Der Hase. Nicht im Bild das Rotschwänzchen, welches im Haus nistet. Der Wolf wurde hier auch schon gesichtet. Neben dem Kuckuck, würde ich so sehr gern den Wolf mal mit eigenen Augen sehen.

Einer aus meiner Heimat:

Der Mann ist ein Hühne (für die Proportion) und sein Navi versagte auf den Weg nach Diesdorf!!! Versteckspiel auf allen Ebenen – wir lotsten ihn per Telefon über die Straßen.

Meine Aufgabe:

Ich hab, glob`sch ni alle Tassen im Schrank!

Meine Kommunikation zur Außenwelt:

An diesem Zaun (circa 2 m weg der Steine) trifft sich jeden Tag neuerdings ab 16 Uhr die Umgebung. Busch (Zaun)-Funk mit Interviews und Fotoshooting. Themen: Glaube, Kommunismus, Elitepartner, Kreislaufschwäche und Kurschatten. Das glaubt mir keiner.

Muskelkater, Sonnenbrand, Blasen und gutgelaunt:

Vier Tage.

Ja, und nachts ist dieser verrückte Kuckuck unterwegs, die Fledermäuse sind auf Jagd, die Frösche und Kröten geben Konzerte, es ist nachtschwarz mit gigantischem Sternenhimmel, Gespenster habe ich leider noch nicht getroffen.

Versteckexperten auf Zeitreise FLM Diesdorf

In den Pfingstferien gingen die Hortkinder der Grundschule „Dr. Georg Schulze“ aus Diesdorf auf eine Zeitreise im Museum. Besonders wurden hierbei die Gerätschaften unter die Lupe genommen. Wir starteten unsere Reise mit nichts geringerem als der Bockwindmühle. Dank Frau Heidemann, durften wir auch einen Blick ins Innere dieses sehr raumgreifenden Gerätes werfen. Im Dunkeln (Fensterlosigkeit) tappten wir über halsbrecherische Treppen und bestaunten die Zahnradtechnik der vorindustriellen Revolution.

Den Zaubermantel (magisches Tuch, welches Unsichtbarkeit verleiht) hatten wir auch wieder im Gepäck.

Nach der eindrucksvollen Führung durch die Mühle kam die Erkenntnis: was eine Kuh in einer Stunde schafft (durch Körperkraft), kannst du einem Ochsen 100 Jahre lang versuchen, beizubringen. Dumme Kuh versus blöder Ochse. Theorie versus Praxis. Die Forscher schritten nun selbst zur Tat und mahlten Gerste zu Spreu, diese zur Kleie und ganz Kräftige zu Mehl.

 Es erforderte ganz schön Kraft und Ausdauer den oberen Mahlstein in Bewegung zu setzen. Aus dem Löchlein (dem Kleiekotzer) kam dann mühsam die Spreu, die wieder und wieder gemahlen wurde. Es erfordert mehrere Durchläufe bis man sich etwas Mehl erarbeitet hat.

Auf diese Art, wurde gemahlen, wer keine Handmühle hatte. Finn war nach dieser Anstrengung der Meinung, für ein Brot reichen 2 bis 3 Gramm Mehl. Das macht durstig. Strohhalme gab es auch schon vor 200 Jahren:

Am nächsten Tag erkundeten wir die Wohn- und Werkhäuser des Museums, wir bestaunten die verschiedenen „Küchen“, die riesigen Wasserkessel, die winzigen Betten, die Strohmatrazen, das luxuriöse und transportable Holzklo, die Kinderspielzeuge (Stohbarbie, Schaukelpferd und Puppenhaus), verwechselten den Brotteigtrog mit der Badewanne, kehrten mit dem Reißigbesen den Hof, rußten uns die Finger schwarz, begutachteten die Gänsekiele in der Museumsschule, posierten für Frau Pelczarski von der Volksstimme im Backhaus, suchten den Brunnen und entdeckten 3 Millionen Kaulquappen. Resultat: die Forscher sind froh jetzt zu leben und eine Zeitreise macht schon Spaß.

Am letzten Tag: glückliche Gesichter und eine extra Portion Versteckspiel auf Zeitreise. Wir suchten nach dem Verborgenen im Stein. Specksteine wurden geraspelt, gefeilt, geschliffen und poliert – zum Schluß mit Wasser beträufelt und Voilá: wir fanden die schmeichlerische Weichheit, die Maserung und die Farbigkeit dieses „Gesteins“.

IMT im FLM Diesdorf

Wenn einem Steine vom Herzen fallen …

… bei größeren Kindern :). Dieser Bursche war so angetan vom Steinehauen, dass er flugs nochmal nach Hause fuhr und sich eine ganze Kiste voll eigene Sandsteine mitbrachte. Zwei Stunden später, das 1. Werk ist vollbracht (das Foto spricht für sich)! Aus Mangel an Papier und Stift, wurde ganz archaisch die Adresse für Sandsteinwerkzeug in (Speck)Stein „gemeißelt“. Denn beim Erstlingswerk wird es nicht bleiben.

Am Sonntag morgen wurde ich gegen 5 Uhr morgens von einem verrückt gewordenen Kuckuck geweckt. Daraufhin habe ich gleich noch mit den Fröschen gefrühstückt nach meiner ersten Nacht allein im Museum. Deshalb war ich gegen 8 Uhr auch schon startklar:

Pünktlich zwei Stunden früher (dem Kuckuck sei Dank) – gegen 10 Uhr flüchteten die Gäste und ich mit dem gesamten Ensemble vor der Sonne. Im Laufe des Tages machten wir das im 20 Minuten Takt. Danke an die vielen fleißigen Hände! Bis zum Ende des Tages knapp 150 Stück!

Die ja auch begeistert Kontakt zu Speckstein aufnahmen. Besonders die Mütter schritten neugierig zur Tat (wahrscheinlich wegen Muttertag).

Und so entstand unter steinernen Herzen, Amuletten, Schmeichlern, einer Kathedrale, einnem Marienkäfer auch diese Eule und der keltische Kelch (Sandstein):

Dann brachte Iris vom Museumscafé ein Stück Erdberrtorte – absolute Spitzenklasse!

Die Kinder staunten nicht schlecht über ihre Fingerfertigkeiten (Frosch, Schiff und Scholle, eine Kartoffel und Federn – alles in Stein und noch vieles mehr) und so schön weich – Speckstein besteht zu großen Teilen aus Talk, ist sehr leicht bearbeitbar und poliert eine Augenweide.

Schappschuß mit vollem Körpereinsatz:

Im Vordergrund: Herr Klaas! Unser Heimatologe und Versteckrätselersteller. Es gibt wieder 10 neue Rätsel!

Zum Thema Rätsel und Geschichten, die Überraschung war ganz meinerseits. Hatte ich doch (alter Esel) ganz viele Geschichten mitgebracht. Die vielen Gäste jedoch auch! Meine Lieblingsgeschichte: wie canadische Meeressteine nach Deutschland „geschmuggelt“ wurden.

Kuck kuck kuck kuck iaaaaah …

 

Rebekka Rauschhardt | Sonnenaufgang im FLM Diesdorf (Sonntag, 13. Mai)

Sonnenaufgänge im Bruch oder die weinenden Männer, von kraftstrotzender Gestalt

Als Kind war ich oft im Bruch. Auch in verschiedenen. Besonders die mit Wasser fand ich toll. Was für ein Glück, dass meine Kindheit räumlich in Granitnähe stattfand. Die Brüche meiner Kindheit waren alles: Beunruhigend, gefährlich, extrem verführerisch und jede Herausforderung wert, dunkel, oder hellgrün, mit Fischen und tief, sehr kalt – auch an den wärmsten Tagen im Sommer. Dem klassischen Schwimmen traute ich zwar nicht übern Weg. Aber es ging wirklich nichts über einen Sprung vom Felsen, wohl wissend!

Natürlich gab es auch Brüche ohne Wasser. Dort hielt sich der Vater auf. Der Rest der Familie saß im brütend heißen Trabbi und kollabierte, während uns das elende Warten auf das „Steinorganisiere“ in der Zone gewaltig auf die Nerven ging.

Später dann, in der Pubertät erlebte ich meinen ersten Sonnenaufgang in einem Marmorbruch. Was soll ich sagen. Möglicherweise gibt es wohl Leute, die sich nicht im Entferntesten für Steine interessieren. Aber ein Sonnenaufgang im Bruch (Ostseite hierzulande) ist ein Spektakel! Es ist vergleichbar mit dem Sonnenaufgang über dem Mittelmeer, wenn plötzlich das dunkelblaue Wasser türkisgrün wird. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Im besagten Marmorbruch spiegelte sich die Sonne in all ihren Nuancen, was für Farben, die nicht eine Zeit lang verharren, die sich statt dessen verändern, sich vermischen, auflodern, verschwinden, hervorbrechen. Das Glühen eine gewaltiger und stiller Aufgang, bezwingend in diesem Ausmaß an machtvollem Einfachdasein – jeden Tag. Solange sich die Erde dreht. Solange keine Wolke halt das ihre macht. Ich habe das Atmen vergessen.

Danach sah ich Brüche im Morgengrauen mit anderen Augen.

Überhaupt, ich begann mich in Brüche zu verlieben.

Auch in solche, die noch aktiv sind (mit Abbau, Sprengung, etc.). Brüche sind positiv und ich negativ oder anders herum. Es ist magnetisch. Mir geht jedenfalls das Herz auf.

So; vor einigen Jahren kam es, das sich Bildhauer und Steinmetzen im Rheinland trafen. Dank Rhein, guter Wein, lange Zeit nicht gesehen, wirklich bester Wein nördlich der alpinen Grenze. Lange Nacht, nächster Tag: viel zu tun. Kaum Schlaf. Und ein Ziel: morgen früh, Sonnenaufgang im Bruch (Buntsandstein). So kam es auch. Nach zwei Stunden Nachtruhe, total verkatert und mit Restalk, die gesamte Bande, wie getrieben, ab in den Bruch. Und dann standen wir dort. Und weitere Metze kamen. Am Ende waren wir so zehn Männer und zwei Frauen. Die Männer alle von sehr kraftstrotzender Gestalt und von Geburt an wortkarg, die Frauen unauffällig. Die Sonne ging auf und strich über die Steine. Es war kalt. Es war im Januar. Und etwas glitzerte. Die Tränen. Der Männer.

Ich war auch kurz davor. Aber, ———————————————————————————————wir Frauen kriegen die Kinder. Schade eigentlich.

Rebekka Rauschhardt | FLM Diesdorf – Berufskrankheiten (Himmelfahrt?)

Berufskrankheiten der Bildhauer

Mehr Details und Austausch gibt es Sonntag, den 13. Mai – zum Internationalen Museumstag – Im Freilichtmuseum Diesdorf (12 – 16 Uhr)

Das schlimmste zuerst: die Staublunge ( philosophische Ader)

Irgendwie kommt das daher, dass man auf gar keinen Fall einen Mundschutz benutzen kann. Selbstverständlich wäre es klüger. Aber es geht doch nichts über eine Verinnerlichung. Immerhin, trotz gewaltiger Qualen gibt es heute das Meißner Porzellan, sollte ja nach Stufe EINS der goldenen Regel der Alchemie eigentlich Gold werden. Das ist christliches Gedankengut: werde, durch leiden. Eigentlich werde, durch ertragen. Die Krankenkasse sieht das auch so. Buchtipp: „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Garcia Márquez oder parallel die Pyramide von Gizeh nochmal untersuchen.

Staublunge = Lungenemphysem. Das muss nicht sein. Kann aber.

Dann klein, aber oho: Nabel- versus Leistenbruch (Größenwahn)

Solange nichts verklemmt ist, ist alles roger.

Aber wenn doch, dann hast du 20 Minuten bis zur Sepsis, also solltest du innerhalb dieses Zeitfensters die nächste Notaufnahme aufsuchen, sofern du dich dazu in der Lage fühlst.

Und wenn du das einmal hast, dann kommt es wieder. Schwerlastgürtel hin oder her.

Ulan-Reiter-Krankheit (Familienaufstellung)

Die bekommt man, wenn der Kopf mehr will, als der Körper – in Anbetracht von Zeit und Raum – bereit ist, zu leisten. Dann gehen Muskeln und Muskelfasern kaputt, sie bluten und diese Blut „verkalkt“, bildet kleine körperinterne Blutströpfchen, die im Laufe er Zeit vom Körper absorbiert werden. Erstdiagnose ist Krebs! Im Endeffekt harmlos.

Sich immer auf dieselbe Stelle hauen: (Blödheit)

  • Führt zu Blutergüssen
  • Zu enormen Schwellungen
  • Manchmal offenen Wunden
  • Knochenbrüchen

Diagnose: selber schuld!

Sentimentalitäten (Andacht) bei Sonnenaufgang (Religion)

Das wird Aufgrund von Sentimentalitäten extra ausführlich beschrieben.

Traum von eigenem Krahn (konkret!)

So ein Portalkrahn kostet zurzeit circa 1.500 Euro. Das Ding ist echt geil. Scheiß auf alles andere. Am besten mit Rädern! Und vor allem, mein eigener.

Ausgeträumt bedeutet Rucki-Zucki, Wagenheber, Brecheisen, abgeruppte Anhängerkupplung, Baum umgefallen, Nervenabsterben, Stunde minus Null, bestenfalls Teleskoplader von der Erzeugergenossenschaft Abbendorf. Schlimmstenfalls das Ende vom Lied.

Man sollte sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen. Danke Herr Albert Camus!

„Darin gleicht der Mensch nach Camus’ Interpretation der mythologischen Figur des Sisyphos, dessen Tun gerade in seiner äußersten und beharrlichen Sinnlosigkeit als Selbstverwirklichung erscheint:

„Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. […] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr seiner Tage. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch den Tod. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein. […] Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

– Der Mythos des Sisyphos: 6. Aufl., Reinbek, 2004. S. 159f.