Rebekka Rauschhardt | Sound der Steine (FLM Diesdorf ohne Bilder)

Zunächst: Es gibt so viele Steine, wie es Sounds gibt. Mindestens, eventuell. Manche hören einen Klang, andere ein Geräusch, wieder andere hören Echos und einzelne die Stones (früher jedenfalls).

Ich persönlich favorisiere drei Arten des speziellen Steinsounds.

1. Der gewöhnliche Dreiklang

Das Gewohnte an diesem Sound ist seine Musikalität. Klang. Pause. Klang. Pause. Klang. Pause. Und dann wieder von vorne. Es ist die Musik, die sich ganz pragmatisch beim Bearbeiten des Steines mit Fäustel und Meisel wie von selbst komponiert:

BUMM. Pause. Bumm (leiser). Pause. Bing. Pause. Von vorne! …

Je nach Ausdauer, geht es schneller oder langsamer. Lauter oder piano. Es ist nicht der Stein, der diese Klänge macht, es sind die Werkzeuge, es ist Eisen, was auf Eisen trifft. Angetrieben durch Muskelkraft. Der Stein macht einen reißenden Sound (zsssit) und die Abschläge klingen wie schnalzende Zungen.

BUMM! zsssit. Pause. Bumm! Zsssit. Knacklaknackl. Pause. Bing! Zsitt. Knacknaknacklnakna.

Dieser Musikteppich wirkt in seiner Endlosschleife, wie eine Meditation. Es hilft ungemein, seine Körperkraft auf die drei Fäustelschläge und die Ohren auf den Sound der drei Klänge zu konzentrieren. Erster Schlag: heftig und präzise. Zweiter Schlag: präzise, jedoch sensibel (wenn überhaupt nötig (!) temperiert. Dritter Schlag: sensitiv, eigentlich zärtlich und zurückhaltend. Ganz einfach, man gerät in einen Trancezustand. Wichtig: die Pausen halten! Ohne Pausen, keine Musik. Die Stille zwischen den Klängen ist der Leim, der Raum, die Bühne, der Transport und der Transponder, das Salz in der Suppe, der Wimperschlag der Amsel und am Ende mehr als der Sound ohne sie.

2.  Auf ewig verflucht

Wir kennen es alle. Schon als Kinder machte es uns einen Riesenspass. Wie haben wir unsere Stimmkraft gemessen, gerufen, geschrien und triumphiert: WAS ESSEN DIE STUDENTEN … ! Pause. (!) Enten …

Gemeint ist das Echo, wohinter sich eigentlich eine Bergnymphe der griechischen Mythologie versteckt.

Echo erhielt von Hera den Auftrag, deren Göttergatten Zeus mit kurzweiligen Geschichten zu unterhalten. Damit er nicht auf amouröse Gedanken und folgende Abenteuer käme. Leider ist das schief gegangen und die cholerische Hera beraubte Echo der Sprache. Einzig die zuletzt an sie gerichteten Worte konnte Echo wiederholen. So war Echo nicht in der Lage – hier ist die Wissenschaft der griechischen Mythologie sich noch nicht einig (sehr sympathisch) – ihre Liebe zu Narziss oder eben Pan zu gestehen. Beide Herren (vielleicht war sie in beide verliebt, oder anders rum) verschmähten das ihnen Dargebotene, zumal das Gespräch überhaupt keinen Sinn ergab. Echo verfiel in elenden Liebeskummer, hungerte und versteckte sich. Ihre Gebeine verwandelten sich zu Stein. Bis heute kann man sie rufen. Und bis heute antwortet sie. Kleiner Trost: Narziss verliebte sich später in sich selbst und Pan ist verrückt geworden.

3. Schwer und hörig

Eines meiner Lieblingsgeräusche. Es ist ein seltenes Geräusch, wenn man es hören würde und nicht wüsste – ein leises fast stilles Geräusch – man dächte, so höre es sich an, wie wenn man die Erde trinken hören könnte.

Dieses Geräusch entsteht, wenn man den Stein zwingt, zu brechen.

Dafür braucht man einen Sandstein. Für die menschliche Dimension mindestens eine Tonne davon. Weiterhin Keileisen – hier handelt es sich um relativ kurze spitz zulaufende Meisel. Ein Spitzeisen. Einen Fäustel. Einen Vorschlaghammer, im Volksmund Bello. Geschick. Etwas Wasser, sehr gute Ohren und vor allem Geduld.

Was wollen wir? Wir wollen das Geräusch hören, kennen lernen und verinnerlichen. Sehr luxuriös in Anbetracht dessen, was wir eigentlich machen. Wir keilen. Wir keilen den Stein oder für die bessere Vorstellungskraft, wir zwingen den Stein, an einer von uns bevorzugten Stelle zu reißen. Dieses Verfahren findet in der Praxis heutzutage nur noch Anwendung, wenn die Superflex, oder Steinsäge im Arsch ist. Trotzdem ist diese Handhabung immer noch unglaublich präzise und vor allem schneller. Und man hört den Sound!

Zuerst heben wir den Stein mit einer Brechstange aus und legen eine Bruchnaht fest. Dort legen wir unter dem Stein einen Holzbalken hin. An der Holzkante wird unser Stein akkurat in ein paar Minuten zerreißen, aus einem Stein werden Zwei. 500 Kilogramm auf der einen Seite und 500 Kilogramm auf der anderen Seite, wenn man eine Vorliebe für die Mitte hat. Jetzt nehmen wir Spitzeisen und Fäustel zur Hand und schlagen kleine Löcher jeweils im Abstand einer Fästelkopflänge voneinander in den Stein. Danach wird in jedes Löchlein, jeweils ein Keileisen getrieben. Es muss fest sein. Bei Probeanschlag muss es vibrieren und leicht summen. Damit sich das Keileisen fest zieht, kann etwas Wasser hilfreich sein. Einfach um den Steinstaub direkt rings um die Köpfe der Keileisen träufeln und warten. Die Eisen stecken circa einen Zentimeter tief im Stein. Unser Stein sieht jetzt aus, wie ein abstrakter und minimalistischer Igel. Das dauert je nach Anfängerglück oder Erfahrung und Länge der Bruchnaht zwischen x und y Minuten.

Jetzt kommt der Bello ins Spiel. Man fängt an einer Seite an und hält sich im weiteren Verlauf daran. Mit beiden Händen, Armen und Schultergelenken hebt man den Bello (Profis bis Kopfhöhe) und lässt ihn gezielt auf das circa 1 Zentimeter große Keileisenende fallen. Bitte exakt zielen und treffen und fallen lassen! Sonst kann das ins Auge, bzw. Hirn gehen. Fliegende Keileisen machen sogar Panzerglas klar.

Erster Schlag auf das erste Eisen. PAUSE: wir zählen langsam eins …, zwei …, drei …. Zweiter Schlag auf das zweite Eisen. PAUSE: wir zählen langsam eins …, zwei …, drei … . Dritter Schlag wie erster, und so weiter. Das machen wir mit jedem Eisen, ohne die Reihenfolge zu verändern bis zum letzten Eisen. Danach fangen wir wieder von vorne an. Ab dem zweiten Ablauf müssen wir beim „Einszweidreizählen“ beginnen, auf ein wie auch immer definiertes Steingeräusch zu achten. Spätestens ab dem dritten Ablauf MÜSSEN die PAUSEN länger werden. Es ist wie bei einer Geburt, nur anders herum. Und dann:

Geht’s los. Dauert 20 Sekunden, 30 Sekunden, eine Minute? Der Stein bekam durch die Keileisen und Schläge mit dem Vorschlaghammer einen Impuls. Vergleichbar mit Akupunktur. Dieser konzentrierte Impuls, aller sechs bis acht Zentimeter (entsprechend der Fäustelkopflänge) zwingt ihn zu zerreißen, was sie nie tun müssen, weil der Druck seiner Zeit zusammenbrachte, was nur gefrorenes Wasser und Dynamit, bzw. Superwinkelschleifer auseinander bringen kann.

Bevor er bricht, kommt der Sound.

SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS

Pause.

Und dann bricht er.

Rumms.

500 Kilogramm.

Von mir aus, ne Tonne.

Das Gewicht spielt keine Rolle. Für den Stein. Für unsere Psyche schon.

Dimensionen helfen uns beim Begreifen. Vor allem deren Grenzen.

Rebekka Rauschhardt | Deine Heimat …

… meine Heimat.

Unsere Heimat! (Mal etwas witziges für zwischendurch – eine Bildergeschichte):

Der Kater so: jetzt bin ich hier auf der Kirsche, oder was (meine Vorfahren haben ja auch auf Bäumen gelebt) und komm irgendwie nicht mehr runter?

Die Elster so für sich (Sehhilfe: unterhalb des Pelzträgers): dieses blöde Mistviech, Nesträuber, Oberhass und überhaupt. Dem werd ichs zeigen!

Der Kater auf schmalem Grat: fast hätte ich se erwischt. Allerdings mich auch.

Die Elster: fliegt gerade eine neue Attacke.

Die Damen vom 1. Rang: wissen nicht, ob sie lachen oder weinen sollen. Und sehen was, was wir nicht sehen.

Und diese hier (vom Nebenschauplatz/ Nachbarbaum): machen so ihrs.

Rebekka Rauschhardt | fremd & geheimnisvoll – die Mongolei im Freilichtmuseum Diesdorf

Archaikon im Museum – inspiriert von Dschingis Khan (fremd & geheimnisvoll, wirf die Gläser an die Wand, hahahahaha), unter anderem.

Am Sonntag, den 22. April fand das archaikon, ein Handwerkertreffen mit zum Teil schon in Vergessengheit geratenen, archaiischen Gewerken statt. Groß und Klein konnten staunen aber sich auch selbst erproben.

So auch bei „1 2 3 4 Eckstein … hinter den Kulissen: wenn die Finger sehen lernen“. Wir widmeten uns bei schönsten Sonneschein dem Modellieren in Ton. Unsere Finger, vor allem die der Kinder, tauchten ein in die kühle Masse und kneteten und formten. Zum Einstieg beschäftigten wir uns mit alten Symbolen und jedes Kind überlegte sich ein ganz eigenes „Etwas“, welches in einer Tonmedaillie an Form gewann. So entstanden Zahnmedaillien; Sonne-, Mond-, und Sternemedaillien; Einhörner, lachende Regenwürner, Schnecken und ein Geburtstagsfrosch. Und Unmengen an Pferden.

Sich ein eigenes Pferd zu modellieren, leuchtet ein. Nicht umsonst liegt das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde. Und da sind wir bei Dschingis Khan und dessen Legenden. Direkt neben uns grasten zunächst und „arbeiteten“ später Nachkommen des mongolischen Pferdes. Drei Stück an der Zahl – wieviele Jahrhunderte haben sie gebraucht, bis sie in die Altmark gekommen sind? In ein paar Jahren werden sie ihre ursprüngliche Heimat besuchen, sebstverständlich zu Hufe – erzählte ihre Halterin. Desweiteren, dass man circa 4,5 Jahre braucht, um um die Welt zu reiten. Als mongolisches Kind (welches reitet, bevor es laufen kann) und zu Dschingis Khan´s Zeiten ging es bestimmt schneller. Aber: ohne seine Pferde, hätte Dschingis Khan maximal Gläser an die Wand schmeißen können.

Auch Symbole brauchen mal ein Feuchtigkeitstuch.

Rebekka Rauschhardt | FLM Diesdorf – Hort „Dr. Georg Schulze“

Tag 3: Das Wetter ist schlecht! Der Winter ist zurück!

Leider können wir aufgrund von Schneeregen keine schönen und aussagekräftigen Unsichtbarkeitsfotos schießen. 🙁

Deshalb nur ein paar Impressionen aus dem Labor. Thema des magischen Mantels heute: wir spiegeln der Umwelt.

Dafür arbeiteten wir mit dem Spezialmaterial, welches manchem als „Alufolie“ ein Begriff ist.

Kurz vor Ostern: teilweise verschwunden. Bei schönem Wetter holen wir die Unsichtbarkeit auf de Museumsgelände nach.

Noch ein Eindruck von gestern:

Rebekka Rauschhardt | FLM Diesdorf – Grundschule „Dr. Georg Schulze“

Der Biss der Kreuzspinne (ins Auge) und die Schlange, die den Dino erwürgte (bis er platzte) … 1 2 3  4 Eckstein, alles muß versteckt sein!!!!!

Tag 2:

Die Herstellung eines sehr speziellen magischen Mantels, welcher Unsichtbarkeit verleiht, stand heute im Fokus der Forscher & Experten der GS Diesdorf. Wir wagten einen Blick in die Welt des phantastischen Grauens und Albtraumes: bißwütige Spinnen & giftspritzende Schlangen …

… und hielten es wie die Schmetterlinge. Die Augen der Angsteinflößer (stark vergößert und mit Leuchtfarbe akzentuiert) wurden Textur des spiritistischen Tuches:

Getestet wird morgen.

Rebekka Rauschhardt | FLM Diesdorf – 50 m weiter: Grundschule „Dr. Georg Schulze“

Von Zaubermänteln, Arztkitteln und Tischlerschürzen – und das alles kurz vor Ostern, dem legendären Familienversteckspiel

Das Nirvana des Versteckspiels ist der bekannte Zaubermantel(Halberstädter Dom, Harry Potter, etc.), der seinen Trägern Unsichtbarkeit verleiht. Der magische Mantel macht das Finden unmöglich. Diese faszinierende Tatsache inspiriert uns – die Kinder des Hortes der „Dr. Georg Schulze“ Grundschule, der Klassenstufen 1 bis 4 – die kommenden Tage.  Und bei solch einer erlesenen Versteckexpertenrunde wird es uns wohl gelingen, den ein und anderen Zaubermantel herzustellen, auszuprobieren und vorüber gehend unsichtbar zu werden.

Heute, Tag 1:

Frage an die jungen Forscher: Was kann ein Zaubermantel in 1. Linie? Antwort: Dinge in die Luft gehen lassen. Frage an die jungen Forscher: Und in 2. Linie? Antwort: Und dann verschwindet man. Ist doch logisch.

Bevor wir die Hände mit dem magischen Material bekannt machen, kam es kurz zur Arztkitteldiskussion. Manche der Jungforscher trugen in verschiedenen Produktionsphasen Schutzkleidung. Und einer der jungen Experten, der, wenn er mal groß ist, Tischler werden möchte, litt sehr darunter, in eben erwähnter Produktionsphase einen ARZTkittel tragen zu müssen.

Übrigens: oben sieht man den Handvergleich – ob und wenn ja, wie dolle hinterlässt die Zaubermantelproduktion ihre Spuren.

In einem schon recht fortgeschrittenen Stadium der Produktion kommt das magische Tuch auf den Zaun:

Dann vor die Schule (da funktioniert die Zauberei noch nicht so ganz):

Also machen wir uns auf den Weg ins Freilichtmuseum:

Und jetzt kommt das erfolgreiche Finale: magische Unsichtbarkeit durch Imitation der Umgebung:

Hier nicht ganz so gut beobachtet, aber im Detail überzeugend:

Hier ist schon eine leichte skizzenhafte Überleitung zum morgigen Tag angedeutet:

FLM Diesdorf – Rebekka Rauschhardt

Den Ton anmachen …

… das kann bedeuten, den Lautstärkeregler in bestimmter Weise zu betätigen: z.B. einschalten.

… das kann bedeuten, dem Ton Schöne Augen zu machen (zweideutig: einmal Lautstärke oder zum anderen den Ton).

… kann jedoch ebenfalls bedeuten, trockene Tonreste mit Wasser „anzumachen“ – im Sinne von Quark anmachen, mitunter auch Salat – dann entsteht was ganz Tolles: Schlicker, der einzig wahre Leim für Ton.

Tonmodell: ohne Schlicker.

FLM Diesdorf – Rebekka Rauschhardt

Geflügelte Worte

… was für ein Begriff.

Mir ist gerade aufgefallen, dass so viel geredet wird, da wird beschrieben, erläutert, gerechtfertigt, erklärt, gestammelt und an den Haaren herbei gezogen und das Wasser abgegraben, gegen die Wand gerannt und aus der Hüfte geschossen. Ganz besonders habe ich das in den letzten Wochen gemacht. Natürlich mit guten Grund und sogar vorsätzlich. Regelrecht mit dem Zaunspfahl, alle Register gezogen und in die Klaviatur gehauen; durch die Blume gesprochen: hart aber herzlich, den Mund fusselig gequatscht, bis es aus den Ohren wieder raus kommt … das meiste davon zum Glück mit mir selbst und das Gute daran: da braucht es weder Punkt und Komma. Interessante Striche sind da auch nicht üblich.

Schluß damit! Jetzt folgen Taten:

… wenn es einem die Sprache verschlägt (natürlich nur beim Versteckspiel)

… man gleich zur beleidigten Leberwurst wird (selbstverständlich nur beim Versteckspiel)

… denn verarschen kann man sich auch alleine (üblicherweise nur beim Versteckspiel)

… kurz bevor man Rotz und grüne Pflaumen heult (ausschließlich beim Versteckspiel)

… und sich dann einen Ast freut (das Beste am Versteckspiel).

Soviel zu geflügelten Worten am Donnerstag. Danke für die Aufmerksamkeit! Im nächsten Beitrag wird es um „Ton anmachen“ gehen. Keramiker und Töpfer (und alle innen) wissen Bescheid . 🙂

Vorfreude  …