Museum Schloss Bernburg | Luzia Werner

Zum ersten mal alleine im Archiv des Schloss Museums Bernbug. Auf 3 (oder sind es 4?)Stockwerken erstrecken sich die vielseitigsten Schätze aus verschiedenen Jahrhunderten. Es ist total schön soviel Vertrauen entgegengebracht zu bekommen. Ich nehme mir den Schrank vor, in dem die Totenkronen aufbewahrt werden. Ca 45 Kistchen mit je einem Kranz darinnen.  Wunderschöne meist aus textil gefertigte Blüten und Blätter- Kränze, in unterschiedlichen Zuständen. Ich notiere mir die schönsten und best erhaltenen. Mache Fotos und verstaue sie wieder in ihrer Kisten. Mir ist ein wenig schummrig, wenn ich mir vorstelle, dass jede von ihnen für einen jungen Menschen gemacht worden ist. Wie Schade das man nicht verfolgen kann wie die Menschen hießen. So viele Lebensgeschichten –

Gesucht & Gefunden / Rebekka Rauschhardt zwischen Salzwedel & dem FLM Diesdorf

Passend zum Thema Versteckspielen, welches alles zusammen genommen, weltweit und zeitlos und ohne weitere Zutat an jedem Ort hervorragend gespielt wird, war mein erster Ausflug ins Freilichtmuseum Diesdorf ein gelungener Auftakt. Im Zeitalter von sprechenden Navigationsgeräten, Satelitenbeschallung und anderen Kontrollorganen (die ich genau genommen unter den Tisch fallen lassen habe), brauchte ich nur mehrere Anläufe in der 20 km – Zone mit der alt hergebrachten Sonnenstandsauswertung. Trotz nicht vorhandenen Heimvorteil in der Altmark, habe ich das versteckte Freilichtmuseum gefunden. Die Irrfahrten durch die Altmark – so stelle ich mir ein bißchen die erste Marsbegehung vor. Unbekannte Landschaften, Eingeborene, Wölfe und winzige Fachwerkhäuser.

Ich bin mir sicher, hier habe ich es mit Versteckexperten zu tun. Auf alle Fälle wird es sehr spannend.

… verborgene Schätze …

… stöbert HEIMAT-Stipendiatin Luzia Werner im Museum Schloss Bernburg auf und hat sich einen ersten Überblick über die versteckten Bestände und insbesondere über die Sammlung der Totenkronen verschafft.

Danke an Dr. Roland Wiermann für die Fotos!

1. Wandertag Harz | Christine Bergmann

„Man kann kein gutes Bild malen, weil man die Natur liebt, man muss die Malerei lieben.“

Hans Joachim Bober 

Wenn ich mir eines bei der Bewerbung nicht recht überlegt hatte, so ist es der Aspekt, dass ich gar kein „Outdoor – Naturburschie“ bin. Beim Harzmuseum-Heimat-Stipendium führt offensichtlich kein Weg am Wandern vorbei.

Heute war super Wetter, es mattheuerte.

„Mattheuern“ ist bei uns daheim ein fester Begriff für die Kombination aus Landschaft und Wetter, welcher sich auf Wolfgang Mattheuers Bilder bezieht,  auf Lichtstimmungen z. B.  in Bildern wie „Hinter den sieben Bergen“.

Also wurde der erste Schritt unternommen: Auf in den Harz zum Herbstwandern!

Um es mir als eingeborenem Städter leichter zu machen, wurde mein 1. Wandertag an utilitaristische Ziele gebunden: Am Südostrand des Harzes wurde die Laubfärbe bewundert, bei Birnbaumteich (eine Ortsbezeichnung) wurden erfolgreich Pilze gesucht: Hallimasch, Steinpilze, Ziegenlippen. Dann ging es ans Bratwurst-Wandern in Stolberg, gefolgt vom Kuchen-Bergsteigen in der Nähe der Rammelburg. In Kloster Mansfeld, auf dem Rückweg, wurde ein Supermarktschwein erbeutet. Das verträgt sich just in diesem Moment recht kochartgerecht mit den Waldpilzen.

Heute im Wald, nach einem umfassenden Blick in meine bevorzugten Kunst- und Künstler-Bücher, war ich bereits ganz unterwegs mit dem fragenden Blick des Malers: Geht Landschaftsmalerei? Geht reine  Landschaft? Wenn ja, wie ? Und wenn nein, warum eigentlich nicht ?

Am Montag geht es dann wieder auf nach Wernigerode, diesmal 2 Tage in Folge zur weiteren, einführenden Recherche…

Alles ist interessant | Christine Bergmann

  „Alles ist interessant“

… zitierte Olaf Ahrens den Schriftsteller Gustave Flaubert am Ende unseres ersten Tages. Eigentlich ist das Zitat etwas länger. Sofern man der Übersetzung glauben darf, lautet es : “Alles ist interessant, wenn man es lange genug anschaut”. Es kommt wohl weniger auf die Dauer sondern auf die Qualität des Blickes an. Qualität wiederum heißt nicht unbedingt „Vorbildung“ sondern womöglich einfach Aufgeschlossenheit.

In diesem Blog soll dem aufgeschlossenen Leser die Möglichkeit gegeben werden, gleichermaßen etwas über das Museum zu erfahren, was sich dem kurzweiligen Besucher nicht offensichtlich erschließt, und natürlich soll ein Einblick gegeben werden in die Arbeitsweise des Künstlers, also meine, im Laufe des 1-jährigen Stipendiums.

Unser erster gemeinsamer Tag, der 4. Oktober 2017, begann – nach leichten Widrigkeiten der Anfahrt und des Wetters – mit einem Pressegespräch. Björn Hermann, gemeinsam mit Ines Engelmann Kurator des Heimatstipendiums, begleitete mich. In einem lockeren Pressegespräch anwesend waren Frau Schröder von der Volksstimme, Herr Ahrens, der Museumsleiter, Frau Lisowski, die Amtsleiterin und frühere Museumsleiterin, sowie Frau Bothe von der Pressestelle der Stadt Wernigerode, was direkt zu einem ersten, informativen Artikel führte:

https://www.volksstimme.de/lokal/wernigerode/kunst-stipendiatin-mit-blick-fuer-neues

Mein erster Eindruck vom Museum ist sehr positiv: Ein schön saniertes Fachwerkhaus in unmittelbarer Nähe zum historischen Rathaus, eine Präsentation der verschiedenen Gebiete von Geologie, Naturkunde, Bergbau bis zur Regional- und Stadtgeschichte, die nach über 15 Jahren vom ästhetischen Niveau her immer noch außerordentlich zeitgemäß wirkt. Schnell wird auch klar, dass Wernigerode ein sehr lebendiger Ort ist mit einem umfangreichen, gut vernetzten Programm der Kultureinrichtungen und -Akteure. In der „Provinz“ scheint mehr los zu sein, als in unseren Großstädten und das Angebot auf fruchtbaren Boden zu fallen. Das macht es für mich als Künstler natürlich erst einmal schwieriger. Man braucht definitiv niemanden, der mit „Nachhilfe“ oder „Aktivierungsideen“ daher kommt.

Bei meiner Stipendiumsbewerbung habe ich mir zunächst vieles, wenn nicht alles, offen gehalten. Der offensichtliche Bezug zum Harzmuseum könnte in dessen umfangreicher Sammlung von Harzmalerei und meiner eigenen malerischen Arbeit bestehen. Zunächst wollte ich mich aber diesbezüglich nicht festlegen. Als ersten Schritt möchte ich das Museum erforschen.

Wir, Herr Ahrens und ich, haben den ersten Tag also damit verbracht, mir einen Einblick zu verschaffen „vom Keller bis zum Dachboden“. Neben einer Führung durch die Dauer- und Sonderausstellung, haben wir (fast) überall wenigstens einen Fuß hineingesetzt. Zum Verwaltungsbereich des Museums gehören tatsächlich auch die Bibliothek und Kinderbibliothek, die Harzbibliothek (extraspannendes Thema), das Stadtarchiv und das Schaudepot der Harzmalerei. Darüber hinaus gibt es noch 2 Außendepots (die Besichtigung steht noch aus) und zwei hausinterne Depoträume, die dem normalen Besucher nicht zugänglich sind. Diese „Dachkammern“ waren, wie erhofft, eine echte Freude. Vielleicht ist der Sammlungszusammenhang des dort gelagerten „Sammelsuriums“ nicht gleich offensichtlich, aber man bekommt sofort diese spezielle Art von Goldgräberstimmung, die vielleicht jeder aus seiner Kindheit kennt, wenn man in den Abseiten des großelterlichen Hauses hoffte, einen Schatz zu heben. Es gab sogar Geheimgängewer liebt das nicht ?

Der erste Einblick ist zwar noch lange nicht abgeschlossen, zudem habe ich die Mitarbeiterinnen mit ihren Arbeitsfeldern noch nicht näher kennengelernt, aber bereits nach dem ersten Tag zeigt sich, dass die Harzmalerei durchaus interessanter ist, als ich vermutet hatte. Wie jede gute Malerei vermitteln sich ihre Qualitäten nur im Original und weniger durch fotografische Abbildungen.

Aktuell ist das Schaudepot, wo die Werke gelagert werden, wegen Sanierungsarbeiten nicht zugänglich. Aber auch im Falle seiner Zugänglichkeit scheint dies eine wenig praktikable Lösung. Einerseits befindet sich das Schaudepot im Dachgeschoß des Stadtarchivs, andererseits kann man eigentlich keinen Laien unbeaufsichtigt an die Regale lassen, da die Bilder eines gewissen Verständnisses der richtigen Lagerung bedürfen. Die kleine Auswahl, in der Dauerausstellung des Museums selbst gezeigt, vermittelt keinen Eindruck vom Umfang und den Qualitäten der Sammlung. Ich bin durchaus beeindruckt!

Als Künstler weit entfernt von „Marketingsprech“ würde ich doch sagen, dass eigentliche Highlight und „Alleinstellungsmerkmal“ des Museums kann man leider nicht sehen. Von den ca. 17 bildenden Künstlern, welche in den Jahren 1945 bis 1950 den „Wernigeröder Künstler-Club“ bildeten, fielen mir nach erster, wirklich sehr sporadischer Sichtung der insgesamt ca. 1600 Kunstwerke, 2 bis 3 sofort ins Auge. Otto Illies und Bert Heller verrieten sofort eine echte Meisterschaft. Christian Hallbauer scheint das übliche Maß der „Heimatkunst“ auch zu überschreiten…. Der Rest bedarf überhaupt erstmal genauerer Betrachtung.

In Kürze also mehr….

Christine Bergmann

 

 

Zwischen Natur und Kultur

Im Rahmen des Heimatstipendiums im Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Universität Halle möchte ich die Grenze zwischen Wissenschaft und Kunst untersuchen. Anfänglich werde ich mich hierzu auf einen besonderen Bereich der Sammlung, den der Vogeleier, konzentrieren. Es soll eine Art Enzyklopädie des Eies entstehen, in der es um das Ei in all seinen Funktionen geht, um seine Bedeutung in der Kunst- und Kulturgeschichte. Ich möchte ein Ordnungssystem erschaffen, bei dem das Medium des Buches selbst der Korpus ist. Die Objekte werden nicht in Vitrinen oder Schubladen nebeneinander gelegt, sondern auf den Seiten eines Buches.

Auftaktveranstaltung des Sonderförderprogramms HEIMATSTIPENDIUM

Zur Auftaktveranstaltung des Sonderförderprogramms HEIMATSTIPENDIUM der Kunst­stiftung des Landes Sachsen-Anhalt sind am 20. September 2017 die Stipendiat*innen erstmals mit den Leiter*innen der teilnehmenden Museen und Sammlungen zusammengekommen. An einer großen Tafel in den Ausstellungsräumen der Stiftung trafen sich alle Akteure des Förderprogramms zu einem HEIMAT-Frühstück mit regionalen Speisen. Für die Stipendiat*innen und Vertreter*innen der ausgewählten Einrichtungen war es eine Begegnung voller Spannung und Freude. Nachdem die Museumsleiter*innen mit Geschichten aus der Region und zu den musealen Schätzen die Neugier aller weckten, lüfteten die Stipendiat*innen ihr geplantes künstlerisches Projekt, das in den nächsten zwölf Monaten an der gewählten Einrichtung umgesetzt wird und auf die Sammlungen mit zeitgenössischen Werken reagiert wird.
Begleitend zum Förderprogramm werden unterschiedliche Veranstaltungsformate entwickelt, um gezielt die Öffentlichkeit für die Museen und die künstlerische Arbeit der Stipendiat*innen zu gewinnen. So sollen auch neue Gäste an diese spannenden Orte gelockt werden und die Neugier der heimischen Bevölkerung für die Häuser aufs Neue entfacht werden. „Wir hoffen ein Stück weit zum Wegbereiter zu werden, für Formate mit Potenzial zum Nachahmen im ländlichen Raum, um zugleich den Museen und ihrer Region eine kulturelle Aufwertung zu geben. Wir setzen bei diesem Förderprojekt auf Begegnungen, deren Kraft nicht planbar ist, aber genau darin liegen ihre Stärken.“, so die Stiftungsdirektorin Manon Bursian.

Eine Übersicht der künstlerischen Vorhaben, welche die Stipendiat*innen im Rahmen des „Heimat­stipendiums“ an den acht ausgewählten musealen Einrichtungen des Landes Sachsen-Anhalt planen, gibt es *HIER*