kleine Auswüchse | Scharfbier

Nun hängen immer wieder kleine Auswüchse am Geländer der barocken Treppe, sehr zur Verwunderung einiger Besucher. Zum internationalen Museumstag diesen Sonntag werden neue und größere Formen hinzukommen.

Ich bin gespannt auf die neuen Abgüsse des Handlaufs. In Silikon ergibt es schon merkwürdige Formen. Zum Tag der Industriekultur hatten wir zu unserem Bedauern sehr wenig Besucher im Mansfeld-Museum. Vielleicht und hoffentlich sieht es am Sonntag anders aus!

Rebekka Rauschhardt | Sonnenaufgang im FLM Diesdorf (Sonntag, 13. Mai)

Sonnenaufgänge im Bruch oder die weinenden Männer, von kraftstrotzender Gestalt

Als Kind war ich oft im Bruch. Auch in verschiedenen. Besonders die mit Wasser fand ich toll. Was für ein Glück, dass meine Kindheit räumlich in Granitnähe stattfand. Die Brüche meiner Kindheit waren alles: Beunruhigend, gefährlich, extrem verführerisch und jede Herausforderung wert, dunkel, oder hellgrün, mit Fischen und tief, sehr kalt – auch an den wärmsten Tagen im Sommer. Dem klassischen Schwimmen traute ich zwar nicht übern Weg. Aber es ging wirklich nichts über einen Sprung vom Felsen, wohl wissend!

Natürlich gab es auch Brüche ohne Wasser. Dort hielt sich der Vater auf. Der Rest der Familie saß im brütend heißen Trabbi und kollabierte, während uns das elende Warten auf das „Steinorganisiere“ in der Zone gewaltig auf die Nerven ging.

Später dann, in der Pubertät erlebte ich meinen ersten Sonnenaufgang in einem Marmorbruch. Was soll ich sagen. Möglicherweise gibt es wohl Leute, die sich nicht im Entferntesten für Steine interessieren. Aber ein Sonnenaufgang im Bruch (Ostseite hierzulande) ist ein Spektakel! Es ist vergleichbar mit dem Sonnenaufgang über dem Mittelmeer, wenn plötzlich das dunkelblaue Wasser türkisgrün wird. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Im besagten Marmorbruch spiegelte sich die Sonne in all ihren Nuancen, was für Farben, die nicht eine Zeit lang verharren, die sich statt dessen verändern, sich vermischen, auflodern, verschwinden, hervorbrechen. Das Glühen eine gewaltiger und stiller Aufgang, bezwingend in diesem Ausmaß an machtvollem Einfachdasein – jeden Tag. Solange sich die Erde dreht. Solange keine Wolke halt das ihre macht. Ich habe das Atmen vergessen.

Danach sah ich Brüche im Morgengrauen mit anderen Augen.

Überhaupt, ich begann mich in Brüche zu verlieben.

Auch in solche, die noch aktiv sind (mit Abbau, Sprengung, etc.). Brüche sind positiv und ich negativ oder anders herum. Es ist magnetisch. Mir geht jedenfalls das Herz auf.

So; vor einigen Jahren kam es, das sich Bildhauer und Steinmetzen im Rheinland trafen. Dank Rhein, guter Wein, lange Zeit nicht gesehen, wirklich bester Wein nördlich der alpinen Grenze. Lange Nacht, nächster Tag: viel zu tun. Kaum Schlaf. Und ein Ziel: morgen früh, Sonnenaufgang im Bruch (Buntsandstein). So kam es auch. Nach zwei Stunden Nachtruhe, total verkatert und mit Restalk, die gesamte Bande, wie getrieben, ab in den Bruch. Und dann standen wir dort. Und weitere Metze kamen. Am Ende waren wir so zehn Männer und zwei Frauen. Die Männer alle von sehr kraftstrotzender Gestalt und von Geburt an wortkarg, die Frauen unauffällig. Die Sonne ging auf und strich über die Steine. Es war kalt. Es war im Januar. Und etwas glitzerte. Die Tränen. Der Männer.

Ich war auch kurz davor. Aber, ———————————————————————————————wir Frauen kriegen die Kinder. Schade eigentlich.

Rebekka Rauschhardt | FLM Diesdorf – Berufskrankheiten (Himmelfahrt?)

Berufskrankheiten der Bildhauer

Mehr Details und Austausch gibt es Sonntag, den 13. Mai – zum Internationalen Museumstag – Im Freilichtmuseum Diesdorf (12 – 16 Uhr)

Das schlimmste zuerst: die Staublunge ( philosophische Ader)

Irgendwie kommt das daher, dass man auf gar keinen Fall einen Mundschutz benutzen kann. Selbstverständlich wäre es klüger. Aber es geht doch nichts über eine Verinnerlichung. Immerhin, trotz gewaltiger Qualen gibt es heute das Meißner Porzellan, sollte ja nach Stufe EINS der goldenen Regel der Alchemie eigentlich Gold werden. Das ist christliches Gedankengut: werde, durch leiden. Eigentlich werde, durch ertragen. Die Krankenkasse sieht das auch so. Buchtipp: „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Garcia Márquez oder parallel die Pyramide von Gizeh nochmal untersuchen.

Staublunge = Lungenemphysem. Das muss nicht sein. Kann aber.

Dann klein, aber oho: Nabel- versus Leistenbruch (Größenwahn)

Solange nichts verklemmt ist, ist alles roger.

Aber wenn doch, dann hast du 20 Minuten bis zur Sepsis, also solltest du innerhalb dieses Zeitfensters die nächste Notaufnahme aufsuchen, sofern du dich dazu in der Lage fühlst.

Und wenn du das einmal hast, dann kommt es wieder. Schwerlastgürtel hin oder her.

Ulan-Reiter-Krankheit (Familienaufstellung)

Die bekommt man, wenn der Kopf mehr will, als der Körper – in Anbetracht von Zeit und Raum – bereit ist, zu leisten. Dann gehen Muskeln und Muskelfasern kaputt, sie bluten und diese Blut „verkalkt“, bildet kleine körperinterne Blutströpfchen, die im Laufe er Zeit vom Körper absorbiert werden. Erstdiagnose ist Krebs! Im Endeffekt harmlos.

Sich immer auf dieselbe Stelle hauen: (Blödheit)

  • Führt zu Blutergüssen
  • Zu enormen Schwellungen
  • Manchmal offenen Wunden
  • Knochenbrüchen

Diagnose: selber schuld!

Sentimentalitäten (Andacht) bei Sonnenaufgang (Religion)

Das wird Aufgrund von Sentimentalitäten extra ausführlich beschrieben.

Traum von eigenem Krahn (konkret!)

So ein Portalkrahn kostet zurzeit circa 1.500 Euro. Das Ding ist echt geil. Scheiß auf alles andere. Am besten mit Rädern! Und vor allem, mein eigener.

Ausgeträumt bedeutet Rucki-Zucki, Wagenheber, Brecheisen, abgeruppte Anhängerkupplung, Baum umgefallen, Nervenabsterben, Stunde minus Null, bestenfalls Teleskoplader von der Erzeugergenossenschaft Abbendorf. Schlimmstenfalls das Ende vom Lied.

Man sollte sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen. Danke Herr Albert Camus!

„Darin gleicht der Mensch nach Camus’ Interpretation der mythologischen Figur des Sisyphos, dessen Tun gerade in seiner äußersten und beharrlichen Sinnlosigkeit als Selbstverwirklichung erscheint:

„Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. […] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr seiner Tage. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch den Tod. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein. […] Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

– Der Mythos des Sisyphos: 6. Aufl., Reinbek, 2004. S. 159f.

Rebekka Rauschhardt | Sound der Steine (FLM Diesdorf ohne Bilder)

Zunächst: Es gibt so viele Steine, wie es Sounds gibt. Mindestens, eventuell. Manche hören einen Klang, andere ein Geräusch, wieder andere hören Echos und einzelne die Stones (früher jedenfalls).

Ich persönlich favorisiere drei Arten des speziellen Steinsounds.

1. Der gewöhnliche Dreiklang

Das Gewohnte an diesem Sound ist seine Musikalität. Klang. Pause. Klang. Pause. Klang. Pause. Und dann wieder von vorne. Es ist die Musik, die sich ganz pragmatisch beim Bearbeiten des Steines mit Fäustel und Meisel wie von selbst komponiert:

BUMM. Pause. Bumm (leiser). Pause. Bing. Pause. Von vorne! …

Je nach Ausdauer, geht es schneller oder langsamer. Lauter oder piano. Es ist nicht der Stein, der diese Klänge macht, es sind die Werkzeuge, es ist Eisen, was auf Eisen trifft. Angetrieben durch Muskelkraft. Der Stein macht einen reißenden Sound (zsssit) und die Abschläge klingen wie schnalzende Zungen.

BUMM! zsssit. Pause. Bumm! Zsssit. Knacklaknackl. Pause. Bing! Zsitt. Knacknaknacklnakna.

Dieser Musikteppich wirkt in seiner Endlosschleife, wie eine Meditation. Es hilft ungemein, seine Körperkraft auf die drei Fäustelschläge und die Ohren auf den Sound der drei Klänge zu konzentrieren. Erster Schlag: heftig und präzise. Zweiter Schlag: präzise, jedoch sensibel (wenn überhaupt nötig (!) temperiert. Dritter Schlag: sensitiv, eigentlich zärtlich und zurückhaltend. Ganz einfach, man gerät in einen Trancezustand. Wichtig: die Pausen halten! Ohne Pausen, keine Musik. Die Stille zwischen den Klängen ist der Leim, der Raum, die Bühne, der Transport und der Transponder, das Salz in der Suppe, der Wimperschlag der Amsel und am Ende mehr als der Sound ohne sie.

2.  Auf ewig verflucht

Wir kennen es alle. Schon als Kinder machte es uns einen Riesenspass. Wie haben wir unsere Stimmkraft gemessen, gerufen, geschrien und triumphiert: WAS ESSEN DIE STUDENTEN … ! Pause. (!) Enten …

Gemeint ist das Echo, wohinter sich eigentlich eine Bergnymphe der griechischen Mythologie versteckt.

Echo erhielt von Hera den Auftrag, deren Göttergatten Zeus mit kurzweiligen Geschichten zu unterhalten. Damit er nicht auf amouröse Gedanken und folgende Abenteuer käme. Leider ist das schief gegangen und die cholerische Hera beraubte Echo der Sprache. Einzig die zuletzt an sie gerichteten Worte konnte Echo wiederholen. So war Echo nicht in der Lage – hier ist die Wissenschaft der griechischen Mythologie sich noch nicht einig (sehr sympathisch) – ihre Liebe zu Narziss oder eben Pan zu gestehen. Beide Herren (vielleicht war sie in beide verliebt, oder anders rum) verschmähten das ihnen Dargebotene, zumal das Gespräch überhaupt keinen Sinn ergab. Echo verfiel in elenden Liebeskummer, hungerte und versteckte sich. Ihre Gebeine verwandelten sich zu Stein. Bis heute kann man sie rufen. Und bis heute antwortet sie. Kleiner Trost: Narziss verliebte sich später in sich selbst und Pan ist verrückt geworden.

3. Schwer und hörig

Eines meiner Lieblingsgeräusche. Es ist ein seltenes Geräusch, wenn man es hören würde und nicht wüsste – ein leises fast stilles Geräusch – man dächte, so höre es sich an, wie wenn man die Erde trinken hören könnte.

Dieses Geräusch entsteht, wenn man den Stein zwingt, zu brechen.

Dafür braucht man einen Sandstein. Für die menschliche Dimension mindestens eine Tonne davon. Weiterhin Keileisen – hier handelt es sich um relativ kurze spitz zulaufende Meisel. Ein Spitzeisen. Einen Fäustel. Einen Vorschlaghammer, im Volksmund Bello. Geschick. Etwas Wasser, sehr gute Ohren und vor allem Geduld.

Was wollen wir? Wir wollen das Geräusch hören, kennen lernen und verinnerlichen. Sehr luxuriös in Anbetracht dessen, was wir eigentlich machen. Wir keilen. Wir keilen den Stein oder für die bessere Vorstellungskraft, wir zwingen den Stein, an einer von uns bevorzugten Stelle zu reißen. Dieses Verfahren findet in der Praxis heutzutage nur noch Anwendung, wenn die Superflex, oder Steinsäge im Arsch ist. Trotzdem ist diese Handhabung immer noch unglaublich präzise und vor allem schneller. Und man hört den Sound!

Zuerst heben wir den Stein mit einer Brechstange aus und legen eine Bruchnaht fest. Dort legen wir unter dem Stein einen Holzbalken hin. An der Holzkante wird unser Stein akkurat in ein paar Minuten zerreißen, aus einem Stein werden Zwei. 500 Kilogramm auf der einen Seite und 500 Kilogramm auf der anderen Seite, wenn man eine Vorliebe für die Mitte hat. Jetzt nehmen wir Spitzeisen und Fäustel zur Hand und schlagen kleine Löcher jeweils im Abstand einer Fästelkopflänge voneinander in den Stein. Danach wird in jedes Löchlein, jeweils ein Keileisen getrieben. Es muss fest sein. Bei Probeanschlag muss es vibrieren und leicht summen. Damit sich das Keileisen fest zieht, kann etwas Wasser hilfreich sein. Einfach um den Steinstaub direkt rings um die Köpfe der Keileisen träufeln und warten. Die Eisen stecken circa einen Zentimeter tief im Stein. Unser Stein sieht jetzt aus, wie ein abstrakter und minimalistischer Igel. Das dauert je nach Anfängerglück oder Erfahrung und Länge der Bruchnaht zwischen x und y Minuten.

Jetzt kommt der Bello ins Spiel. Man fängt an einer Seite an und hält sich im weiteren Verlauf daran. Mit beiden Händen, Armen und Schultergelenken hebt man den Bello (Profis bis Kopfhöhe) und lässt ihn gezielt auf das circa 1 Zentimeter große Keileisenende fallen. Bitte exakt zielen und treffen und fallen lassen! Sonst kann das ins Auge, bzw. Hirn gehen. Fliegende Keileisen machen sogar Panzerglas klar.

Erster Schlag auf das erste Eisen. PAUSE: wir zählen langsam eins …, zwei …, drei …. Zweiter Schlag auf das zweite Eisen. PAUSE: wir zählen langsam eins …, zwei …, drei … . Dritter Schlag wie erster, und so weiter. Das machen wir mit jedem Eisen, ohne die Reihenfolge zu verändern bis zum letzten Eisen. Danach fangen wir wieder von vorne an. Ab dem zweiten Ablauf müssen wir beim „Einszweidreizählen“ beginnen, auf ein wie auch immer definiertes Steingeräusch zu achten. Spätestens ab dem dritten Ablauf MÜSSEN die PAUSEN länger werden. Es ist wie bei einer Geburt, nur anders herum. Und dann:

Geht’s los. Dauert 20 Sekunden, 30 Sekunden, eine Minute? Der Stein bekam durch die Keileisen und Schläge mit dem Vorschlaghammer einen Impuls. Vergleichbar mit Akupunktur. Dieser konzentrierte Impuls, aller sechs bis acht Zentimeter (entsprechend der Fäustelkopflänge) zwingt ihn zu zerreißen, was sie nie tun müssen, weil der Druck seiner Zeit zusammenbrachte, was nur gefrorenes Wasser und Dynamit, bzw. Superwinkelschleifer auseinander bringen kann.

Bevor er bricht, kommt der Sound.

SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS

Pause.

Und dann bricht er.

Rumms.

500 Kilogramm.

Von mir aus, ne Tonne.

Das Gewicht spielt keine Rolle. Für den Stein. Für unsere Psyche schon.

Dimensionen helfen uns beim Begreifen. Vor allem deren Grenzen.

Rebekka Rauschhardt | Deine Heimat …

… meine Heimat.

Unsere Heimat! (Mal etwas witziges für zwischendurch – eine Bildergeschichte):

Der Kater so: jetzt bin ich hier auf der Kirsche, oder was (meine Vorfahren haben ja auch auf Bäumen gelebt) und komm irgendwie nicht mehr runter?

Die Elster so für sich (Sehhilfe: unterhalb des Pelzträgers): dieses blöde Mistviech, Nesträuber, Oberhass und überhaupt. Dem werd ichs zeigen!

Der Kater auf schmalem Grat: fast hätte ich se erwischt. Allerdings mich auch.

Die Elster: fliegt gerade eine neue Attacke.

Die Damen vom 1. Rang: wissen nicht, ob sie lachen oder weinen sollen. Und sehen was, was wir nicht sehen.

Und diese hier (vom Nebenschauplatz/ Nachbarbaum): machen so ihrs.