REISEBILDER (TEIL 1 ) I Christine Bergmann

Die folgende Szene habe sich abgespielt auf der Brockenherberge, oder sie wurde dort erfunden, oder sie wurde in Erinnerung an diese erfunden…

„Im großen Zimmer wurde eine Abendmahlzeit gehalten. Ein langer Tisch mit zwei Reihen hungriger Studenten. Im Anfange gewöhnliches Universitätsgespräch: Duelle, Duelle und wieder Duelle. Die Gesellschaft bestand meistens aus Hallensern, und Halle wurde daher Hauptgegenstand der Unterhaltung. Die Fensterscheiben des Hofrats Schütz wurden exegetisch beleuchtet.* Dann erzählte man daß, die letzte Cour bei dem König von Zypern sehr glänzend gewesen sei, daß er einen natürlichen Sohn erwählt, daß er sich eine lichtensteinsche Prinzessin ans linke Bein antrauen lassen, daß er die Staatsmätresse abgedankt und daß das ganze gerührte Ministerium vorschriftsmäßig geweint habe. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, daß sich dieses alles auf hallesche Bierwürdigkeiten bezieht.**“

Aus der Harzreise von Heinrich Heine 1826. Bester Dank an Olaf Ahrens für die erhellende Reiseliteratur….

Ergänzungen:

* Christian Gottfried Schütz (1747-1832), deutscher Philologe. Gemeint sind hier die im studentischen Übermut eingeworfenen Fensterscheiben des Professors.

** „Hallesche Bierwürdigkeiten“ – Die Hallenser Studentenverbindungen hatten in den umliegenden Dörfern sogenannte „Bierstaaten“ gegründet.

Rebekka Rauschhardt | FLM Diesdorf – Hort „Dr. Georg Schulze“

Tag 3: Das Wetter ist schlecht! Der Winter ist zurück!

Leider können wir aufgrund von Schneeregen keine schönen und aussagekräftigen Unsichtbarkeitsfotos schießen. 🙁

Deshalb nur ein paar Impressionen aus dem Labor. Thema des magischen Mantels heute: wir spiegeln der Umwelt.

Dafür arbeiteten wir mit dem Spezialmaterial, welches manchem als „Alufolie“ ein Begriff ist.

Kurz vor Ostern: teilweise verschwunden. Bei schönem Wetter holen wir die Unsichtbarkeit auf de Museumsgelände nach.

Noch ein Eindruck von gestern:

Rebekka Rauschhardt | FLM Diesdorf – Grundschule „Dr. Georg Schulze“

Der Biss der Kreuzspinne (ins Auge) und die Schlange, die den Dino erwürgte (bis er platzte) … 1 2 3  4 Eckstein, alles muß versteckt sein!!!!!

Tag 2:

Die Herstellung eines sehr speziellen magischen Mantels, welcher Unsichtbarkeit verleiht, stand heute im Fokus der Forscher & Experten der GS Diesdorf. Wir wagten einen Blick in die Welt des phantastischen Grauens und Albtraumes: bißwütige Spinnen & giftspritzende Schlangen …

… und hielten es wie die Schmetterlinge. Die Augen der Angsteinflößer (stark vergößert und mit Leuchtfarbe akzentuiert) wurden Textur des spiritistischen Tuches:

Getestet wird morgen.

Rebekka Rauschhardt | FLM Diesdorf – 50 m weiter: Grundschule „Dr. Georg Schulze“

Von Zaubermänteln, Arztkitteln und Tischlerschürzen – und das alles kurz vor Ostern, dem legendären Familienversteckspiel

Das Nirvana des Versteckspiels ist der bekannte Zaubermantel(Halberstädter Dom, Harry Potter, etc.), der seinen Trägern Unsichtbarkeit verleiht. Der magische Mantel macht das Finden unmöglich. Diese faszinierende Tatsache inspiriert uns – die Kinder des Hortes der „Dr. Georg Schulze“ Grundschule, der Klassenstufen 1 bis 4 – die kommenden Tage.  Und bei solch einer erlesenen Versteckexpertenrunde wird es uns wohl gelingen, den ein und anderen Zaubermantel herzustellen, auszuprobieren und vorüber gehend unsichtbar zu werden.

Heute, Tag 1:

Frage an die jungen Forscher: Was kann ein Zaubermantel in 1. Linie? Antwort: Dinge in die Luft gehen lassen. Frage an die jungen Forscher: Und in 2. Linie? Antwort: Und dann verschwindet man. Ist doch logisch.

Bevor wir die Hände mit dem magischen Material bekannt machen, kam es kurz zur Arztkitteldiskussion. Manche der Jungforscher trugen in verschiedenen Produktionsphasen Schutzkleidung. Und einer der jungen Experten, der, wenn er mal groß ist, Tischler werden möchte, litt sehr darunter, in eben erwähnter Produktionsphase einen ARZTkittel tragen zu müssen.

Übrigens: oben sieht man den Handvergleich – ob und wenn ja, wie dolle hinterlässt die Zaubermantelproduktion ihre Spuren.

In einem schon recht fortgeschrittenen Stadium der Produktion kommt das magische Tuch auf den Zaun:

Dann vor die Schule (da funktioniert die Zauberei noch nicht so ganz):

Also machen wir uns auf den Weg ins Freilichtmuseum:

Und jetzt kommt das erfolgreiche Finale: magische Unsichtbarkeit durch Imitation der Umgebung:

Hier nicht ganz so gut beobachtet, aber im Detail überzeugend:

Hier ist schon eine leichte skizzenhafte Überleitung zum morgigen Tag angedeutet:

Das Ei

Meine Begeisterung für historische Sammlungen währt schon lange, ebenso eine künstlerische Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Themen. Bei meinem letzten Besuch des University Museum of Natural History in Oxford fand ich in einer Vitrine hübsche kleine Vogeleier, bewusst in ein möglichst naturgetreues Nest platziert. Ein paar Schritte weiter, im selben Gebäude,  kommt man direkt in das anschließende anthropologische Museum von Pitt Rivers (1827-1900), in dem unter anderem von Menschen gestaltete Hühnereier ausgestellt sind. Die unmittelbare Nähe dieser beiden Exponate verdeutlichte mir die feine Grenze zwischen dem Naturgut und dem Kulturgut auf so anschauliche Weise.

Das Zentralmagazin der Zoologischen Sammlung der Universität Halle bietet eine Fülle an versteckten Schätzen. Ich möchte mich auf einen relativ kleinen Bereich, nämlich den Bereich der Vogeleier, konzentrieren. Meine besondere Faszination liegt hierbei in der Gestaltung der Eier, die in manchen Fällen überwältigend ist, gerade weil sie nicht nach ästhetischen Gesichtspunkten geplant wurde. Viele Eier sehen so aus, als wären sie mit Aquarellfarben bemalt, andere so als wären sie flächig mit Bleistiftlinien übersät, wieder andere erinnern mich an Bilder von Jackson Pollock. Mich fasziniert, wie diese Naturprodukte an Kunstwerke erinnern. Ich sehe immer wieder Ähnlichkeiten zum Pointilismus, zu Yves Klein, zu Rothko. Sie sind auch ohne diese Assoziationen kleine Kunstwerke und in ihrer Form von einer unvergleichbaren Vollkommenheit.

Die Kunstkritik, dargestellt von Herman Riegel | Xenia Fink

Grundriss der bildenden Künste, im Sinne einer allgemeinen Kunstlehre, und als Hilfsbuch beim Studium der Kunstgeschichte

dargestellt von Herman Riegel

Hannover, Carl Rümpler, 1875

S. 352

Die Kunstkritik

(…) Die Kritik (…) ist eine richterliche Arbeit (…), sie ist das Geschäft der Unterscheidung und Beurtheilung, so daß man sie in Bezug auf Kunstwerke deutlich auch die Kunstrichterei, den Kritiker aber, wie zu Lessing’s Zeiten, stets Kunstrichter nennt. Zwar kann es nicht in unserer Absicht liegen, hier eine Anleitung zum Kritisiren zu geben, doch möchten wir gern dazu beitragen, daß der Kunstfreund stets in der Lage sei, sicher beurteilen zu können, ob ein Kritiker eine annehmbare oder falsche Kritik geliefert habe, ob die Kritik Vertrauen verdiene oder ob sie hohl sei, und wir wollen deshalb versuchen, einige Gesichtspunkte hier kurz anzudeuten.

(…)

S. 354

Allgemeingültigkeit und Unfehlbarkeit können kritische Urtheile niemals beanspruchen, ebenso wenig wie irgend etwas Anderes, das von Menschen ausgeht, ja gerade um so weniger, als der Urheber derselben durch den beurtheilten Gegenstand selbst in einen psychischen Affect gesetzt wird, als er von diesem subjectiven Boden aus vorzugehen genöthigt ist. Er muss also zugleich Kenner seiner selbst sein, daß er im Stande ist, seinen eigenen Affect klar und deutlich zu erkennen. Sein Seciermesser zerlegt ja nicht den Gegenstand in Theile und Theilchen, es zergliedert nur den Eindruck, den er empfängt; die Ergebnisse dieser Untersuchung stellt er unter allgemeine Gesetze., und begründet sein möglichst Schliches Urtheil. Allerdings wird dasselbe zu einer unbedingten Objectivität, wie gesagt, nie gelangen können, da es nothwendig von der natürlichen Anlage und dem ganzen Bildungsstande abhängig ist. Erziehung, Vorurtheile, Gewohnheiten, ja selbst die Mode sind vom geheimen und stillem Einflusse auf die kunstkritischen Urtheile, und dies erklärt, daß es nicht Ein Kunstwerk giebt, über welches nicht schon sehr verschiedene Urtheile ausgesprochen wären. Man könnte die sonderbarsten Beispiele anführen; und man würde finden, daß in den Urtheilen, die wir als irrthümlich und falsch erkennen, allemal vom Urtheilenden sachliche Momente von entscheidender Bedeutung übersehen worden sind.

Die Grundgesichtspunkte derselben (Anm.: der Kunstkritik)

Um dies zu vermeiden, wird die strenge Beachtung mehrerer wesentlicher Grundgesichtspunkte nützlich sein. Der erste derselben ist der, ob der Gegenstand darstellbar ist. Der Künstler kann einen Mißgriff gemacht, er kann einen Gegenstand, der für die Poesie taugen würde, für die bildende Kunst gewählt haben; und hier ist dann das entscheidende Kriterion dies, ob der Gegenstand durch die Entwickelung in der Zeit bedingt ist, oder ob er durch einen einzigen Augenblick, der räumlich darstellbar ist, klar wird. Der Flug eines Pfeiles lässt sich dichterisch schildern, aber nicht plastisch oder malerisch darstellen. Ob auch der Gegenstand poetisch sei, sowie manches  Andere noch ist ferner hierbei zu untersuchen.

 

Zweitens handelt es sich darum, ob die Darstellung dem Gegenstande angemessen ist, ob er durch dieselbe auch wirklich, wesentlich und ganz zur Anschauung gelangt ist, ob nicht Nebendinge statt des Bedeutenden betont sind. (…)

Drittens kommt dann in Betracht, ob Auffassung und Darstellung dem Wesen der Kunst überhaupt und den Bedingungen der besonderen Kunst, in welcher die Darstellung erfolgte, auch entsprechen. Dieser Gesichtspunkt richtet sich darauf, daß plastische und architektonische Werke nicht malerisch aufgefasst sind, daß etwa das Mögliche bei Weitem nicht erreicht ist.

(…) Es versteht sich, daß die Kritik die Gründe für und wider ruhig und gründlich entwickeln muß, und daß sie keineswegs den Beruf hat, zu tadeln. Ihre Aufgabe ist es, ein gerechtes und gründliches Urtheil zu gewinnen, und es ist ihr nicht verwehrt, anzuerkennen, zu loben und zu rühmen. Und wenn sie aber dennoch gezwungen ist, öfter zu tadeln als zu loben: ist das ihre Schuld? (…) Eine Kritik der Parthenon-Skulpturen, der sixtinische Madonna Rafael’s, der Zerstörung Troja’s von Cornelius kann nicht tadeln, sie muss dem Genius den Zoll der Anerkennung darbringen, – und sie ist doch Kritik! Ja indem sie kritisch die Bedeutung des Genius und seines Werkes untersucht und anerkennt, hilft sie dessen Ruhm fest und sicher zu gründen.

FLM Diesdorf – Rebekka Rauschhardt

Den Ton anmachen …

… das kann bedeuten, den Lautstärkeregler in bestimmter Weise zu betätigen: z.B. einschalten.

… das kann bedeuten, dem Ton Schöne Augen zu machen (zweideutig: einmal Lautstärke oder zum anderen den Ton).

… kann jedoch ebenfalls bedeuten, trockene Tonreste mit Wasser „anzumachen“ – im Sinne von Quark anmachen, mitunter auch Salat – dann entsteht was ganz Tolles: Schlicker, der einzig wahre Leim für Ton.

Tonmodell: ohne Schlicker.